Zalando streicht weitere 200 Stellen in Berlin und schließt Logistikzentrum in Erfurt

Der Online-Modehändler Zalando streicht an seinem Berliner Hauptsitz weitere rund 200 Stellen und schließt zudem das Logistikzentrum in Erfurt

Zalando streicht weitere 200 Stellen in Berlin und schließt Logistikzentrum in Erfurt
Symbolfoto · Foto: Wolfgang Weiser / Unsplash

Zalando baut an seinem Hauptsitz in Berlin offenbar erneut Stellen ab. Wie das Unternehmen auf Anfrage bestätigte, geht es dabei um einvernehmliche Aufhebungsverträge, die auf dem Prinzip der doppelten Freiwilligkeit basieren. Das bedeutet, dass ein solcher Vertrag nur zustande kommt, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer freiwillig zustimmen.

Laut Berichten des Handelsblattes, die sich auf interne Dokumente und Ankündigungen im Intranet stützen, sind rund 200 Arbeitsplätze in der Berliner Zentrale betroffen. Zalando bestätigte auf Nachfrage weder die genaue Zahl noch den spezifischen Standort, verwies aber auf die Notwendigkeit agilerer Strukturen. „Wie wir bereits seit einiger Zeit transparent kommunizieren, arbeiten wir daran, durch agilere und zielgerichtete Strukturen schneller auf Marktveränderungen reagieren zu können und die sich uns bietenden enormen Chancen für weiteres Wachstum zu nutzen“, teilte der Konzern mit.

Strategische Neuausrichtung des Logistiknetzes

Der aktuelle Schritt in Berlin ist nicht isoliert zu betrachten, sondern Teil einer umfassenden Umstrukturierung des Logistiknetzes. Bereits im vergangenen Jahr hatte Zalando in Berlin rund 450 Arbeitsplätze im Kundenservice gestrichen. Im Sommer 2025 wurden daraufhin zwar wieder 200 Mitarbeiter für die neu gestaltete Einheit eingestellt, doch die Reduzierungsschleife scheint sich nun erneut zu drehen.

Parallel zum Abbau in Deutschland plant das Unternehmen eine Expansion nach Osteuropa. Ein neuer Standort in der rumänischen Hauptstadt Bukarest soll Ende dieses Jahres eröffnet werden. Bis zum ersten Quartal 2027 ist dort der Aufbau von 60 neuen Arbeitsplätzen in Bereichen wie HR, Finanzen, IT und Cybersecurity geplant. Langfristig sollen bestimmte Positionen und Prozesse dorthin verlagert werden, um die Präsenz in Mittel- und Osteuropa zu festigen.

Schließung des Logistikzentrums in Erfurt

Ein weiterer schwerwiegender Einschnitt betrifft den Logistikstandort in Erfurt. Das Unternehmen schließt diesen Standort bis Ende September 2026, was rund 2.100 Beschäftigte betrifft. Trotz massiver Proteste von Betriebsrat, Gewerkschaften, der Belegschaft und der Thüringer Landesregierung hält Zalando an der Entscheidung fest. Die Landesregierung hatte unter anderem eine Transfergesellschaft gefordert, was der Konzern jedoch ablehnte.

Nachdem sich Management und Betriebsrat zunächst nicht auf eine einvernehmliche Lösung einigen konnten, kam es zu einem Schiedsspruch der Einigungsstelle. Daraufhin wurde ein Sozialplan vereinbart, für den Zalando Rückstellungen in Höhe von 80 Millionen Euro gebucht hat. Die Schließung markiert einen deutlichen Wandel in der Standortstrategie des Modehändlers, der gleichzeitig deutsche Arbeitsplätze abbaut und neue Zentren in anderen europäischen Regionen aufbaut.