Ostdeutsche Unternehmen nutzen Künstliche Intelligenz deutlich seltener als westliche Betriebe

Eine aktuelle Studie des Ifo-Instituts belegt, dass ostdeutsche Unternehmen Künstliche Intelligenz deutlich seltener nutzen als westliche Betriebe und damit etwa einem Jahr hinterherhinken

Ostdeutsche Unternehmen nutzen Künstliche Intelligenz deutlich seltener als westliche Betriebe
Symbolfoto · Foto: Steve A Johnson / Unsplash

In Ostdeutschland hinkt die digitale Transformation bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) weiterhin hinter dem bundesweiten Durchschnitt her. Eine aktuelle Analyse des Ifo-Instituts aus dem Mai 2026 zeigt, dass zwar mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen KI aktiv einsetzen, im Osten jedoch nur knapp zwei Fünftel der Firmen auf diese Technologie zurückgreifen. Der ostdeutsche Wirtschaftsraum befindet sich damit auf einem Entwicklungsstand, den Westdeutschland bereits vor einem Jahr erreicht hatte.

Deutliches Gefälle zwischen Ost und West

Die Zahlen belegen einen signifikanten strukturellen Rückstand. Während der Anteil der KI-Nutzer in der deutschen Gesamtwirtschaft zwischen 2023 und 2026 von 15,5 Prozent auf 55,9 Prozent gestiegen ist, lag der Anstieg im Osten deutlich niedriger. Hier kletterte der Wert von lediglich 5,8 Prozent im Jahr 2023 auf 38,7 Prozent im Jahr 2026. Obwohl auch im Osten ein deutlicher Aufwärtstrend zu verzeichnen ist, bleibt das Tempo im Vergleich zum Westen hinterher.

Dieses Gefälle zeigt sich laut Studie nicht nur in der Summe, sondern durchzieht die gesamte ostdeutsche Wirtschaft. Der Rückstand findet sich in allen untersuchten Wirtschaftsbereichen – vom Verarbeitenden Gewerbe über Dienstleistungen und den Groß- und Einzelhandel bis hin zum Bauhauptgewerbe. Auch geografisch ist das Muster konsistent: In allen ostdeutschen Bundesländern ist die Adoption neuer Technologien geringer als im bundesweiten Schnitt.

Rolle der kleinen und mittleren Unternehmen

Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden und Co-Autor der Studie, bewertet die Lage kritisch. „Dieser Rückstand findet sich dabei in allen Wirtschaftsbereichen und in allen ostdeutschen Bundesländern und zeigt, dass die Unternehmen die hiermit verbundenen Chancen zur Produktivitätssteigerung noch nicht ausreichend nutzen“, kommentiert er die Ergebnisse.

Ein entscheidender Faktor für die Schließung dieser Lücke liegt in der Struktur der ostdeutschen Unternehmenslandschaft. Der Erfolg der weiteren Digitalisierung hängt maßgeblich von den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ab. Diese sind im Osten oft unterrepräsentiert oder verfügen über weniger Ressourcen für die Implementierung komplexer KI-Systeme als ihre großen Konkurrenten oder westdeutsche Pendants. Ob sich der Abstand in den kommenden Jahren verringern lässt, wird somit vor allem davon abhängen, wie schnell diese mittelständischen Betriebe die neuen Technologien in ihre Prozesse integrieren können.

Die Studie des Ifo-Instituts basiert auf der regelmäßigen ifo-Konjunkturumfrage, die rund 9.000 Unternehmen in Deutschland befragt. Sie unterstreicht, dass die digitale Spaltung zwischen Ost und West trotz des allgemeinen Fortschritts bei der KI-Nutzung weiterhin eine zentrale Herausforderung für die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bundesländern darstellt.