Walter Höhndorf, Jagdfliegerass, stürzt 1917 bei Iré‑le‑Sec ab
Walter Höhndorf, ein Prützker Flugpionier und Jagdflieger‑Ass, fiel 1917 bei einem Selbstbau‑Prototypen in Iré‑le‑Sec, doch sein Name fehlt auf dem Dorfdenkmal
Walter Höhndorf, geboren am 10. November 1892 in Prützke, war nicht nur ein erfolgreicher Jagdflieger‑Ass des Ersten Weltkriegs, sondern auch ein talentierter Flugzeugkonstrukteur und Kunstflieger. Trotz seiner Verdienste fehlt sein Name heute auf dem Prützker Kriegerdenkmal, während ein Gedenkstein an seiner Absturzstelle in Iré‑le‑Sec erhalten bleibt.
Frühes Leben und Ausbildung
Kurz nach seiner Geburt zog die Familie Höhndorf nach Brandenburg, wo Walter seine Grundschulzeit absolvierte. Anschließend besuchte er die Hohenzollern‑Oberrealschule in Schöneberg, deren Abschluss ihm ein Studium an einer Technischen Hochschule ermöglichte. Seine Leidenschaft für den Maschinenbau führte ihn zu einer Ausbildung im Bereich Automobil‑ und Flugzeugtechnik. 1913 erlernte er in Paris das Fliegen und erhielt im Oktober/November desselben Jahres das deutsche Flugzeugführerpatent Nr. 582 nach einem Testflug am Johannisthaler Flugplatz.
Tätigkeit bei den Union‑Flugzeugwerken
Am 1. Januar 1914 trat Höhndorf als Chefkonstrukteur und Werkspilot bei den Union‑Flugzeugwerken GmbH in Teltow ein. Das Unternehmen, 1912 von Karl Bomhard, Josef Sablatnig und Georg König gegründet, entwickelte in den ersten Kriegsjahren verschiedene Militärflugzeuge. Höhndorf war maßgeblich an der Weiterentwicklung der Union‑Typen beteiligt, bis die Firma am 1. August 1916 in Liquidation ging und ihre Anlagen von den Norddeutschen Flugzeugwerken übernommen wurden.
Flugleistungen und Auszeichnungen
Kurz nach Kriegsbeginn meldete sich Höhndorf am 22. August 1914 freiwillig zur Fliegertruppe. Für sein erstes Einsatzjahr erhielt er im Oktober 1914 das Eiserne Kreuz II Klasse und wurde bereits ein halbes Jahr später zum Leutnant der Reserve befördert. 1915 flog er als Testpilot für Siemens‑Schuckert mit einem Doppeldecker und vier Passagieren bis zu einer Höhe von 3 280 Metern – ein Rekord für die damalige Zeit. In seiner selbst konstruierten Maschine führte er als erster Deutscher Loopings durch.
An der Front erzielte er zwischen April und September 1916 zwölf bestätigte Luftsiege. Für diese Erfolge wurde er am 20. Juli 1916 mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet. 1917 diente er als Fluglehrer an der Jagdstaffelschule und übernahm am 15. August 1917 das Kommando über die an der Westfront stationierte Jagdstaffel 14.
Kommandeur der Jagdstaffel 14 und Todesumstände
Nur wenige Wochen nach seiner Beförderung stürzte Höhndorf am 5. September 1917 bei einem Flug mit einem selbst konstruierten AEG D I‑Prototyp in der Nähe von Iré‑le‑Sec (Straßenkreuzung D643/905) ab. An der Absturzstelle wurde ein Denkmal errichtet, das noch heute an sein Schicksal erinnert. Am 17. September 1917 wurde er auf dem alten Friedhof Berlin‑Schönberg beigesetzt; das Grab ist inzwischen nicht mehr erhalten.
Vermächtnis und lokale Erinnerung
Obwohl Höhndorf zu den bedeutendsten Luftfahrern seiner Heimatregion zählt, erscheint sein Name nicht auf dem Prützker Kriegerdenkmal. Mögliche Gründe könnten die strengen Aufnahmekriterien der Gemeinde oder ein schlichtes Übersehen sein. Im Vergleich dazu steht ein lokaler Zeitgenosse, der ebenfalls zum Jagdflieger‑Ass wurde – Kurt Wintgens –, dessen Name bereits auf dem Denkmal verzeichnet ist. Das Denkmal in Iré‑le‑Sec erinnert jedoch eindrucksvoll an Höhndorfs technische Innovationen und seinen Beitrag zur frühen Luftfahrt. Seine Kunstflug‑Rekorde und die Entwicklung eigener Flugzeugtypen haben das deutsche Flugwesen nachhaltig geprägt.