Vier Verdächtige wehren sich gerichtlich gegen Auswertung digitaler Beweise nach Adlershofer Anschlag
Vier Tatverdächtige im Fall des Adlershofer Stromanschlags wehren sich gerichtlich gegen die Auswertung beschlagnahmter digitaler Beweismittel, eine Entscheidung steht noch aus
Vier Tatverdächtige im Zusammenhang mit dem mutmaßlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung des Technologieparks Adlershof wehren sich gerichtlich gegen eine im März durchgeführte Großrazzia. Eine Entscheidung des zuständigen Gerichts über den Widerspruch steht noch aus, wie ein Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft bestätigte. Die Beschuldigten kämpfen dabei nicht nur gegen die Durchsuchungen selbst, sondern explizit gegen die geplante Auswertung der bei der Aktion beschlagnahmten elektronischen Geräte.
Sollte ihr Widerspruch gegen die Sicherstellung der Beweismittel erfolgreich sein, müssten die Geräte wieder an die Betroffenen ausgehändigt werden. In diesem Fall könnten sie gegebenenfalls nicht mehr als Beweismittel in dem laufenden Verfahren verwendet werden. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Vorwurf der verfassungsfeindlichen Sabotage sowie der Bildung einer kriminellen Vereinigung.
Massive Störung der Infrastruktur
Der Anschlag ereignete sich am 9. September 2025, als ein nächtliches Feuer Starkstromkabel im Südosten Berlins weitgehend zerstörte. Die Folge war ein großflächiger Stromausfall, der zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und etwa 2.000 Gewerbebetriebe lahmlegte. Die geschätzten Schäden für die betroffenen Unternehmen belaufen sich laut Ermittlungsangaben zwischen 30 und 70 Millionen Euro. Besonders betroffen waren Forschungseinrichtungen und Firmen im Technologiepark Adlershof, die in den Bereichen IT, Robotik, Bio- und Nanotechnologie sowie Raumfahrt tätig sind.
In einem Bekennerschreiben, das kurz nach dem Vorfall im Internet veröffentlicht wurde, sprachen die Täter von einem gezielten Angriff auf den Technologiepark und die dort ansässigen Einrichtungen der Rüstungs- und Sicherheitsindustrie. Kollateralschäden an der allgemeinen Stromversorgung von Privathaushalten wurden in dem Schreiben als vertretbar bezeichnet. Die Ermittlungsgruppe „EG Spannung“ des Landeskriminalamts Berlin führt die Untersuchungen, wobei die linksextremistische Initiative „Switch off“ als möglicher ideologischer Bezugspunkt oder direkter Akteur im Fokus steht.
Großrazzia in vier Bundesländern
Die gerichtliche Auseinandersetzung entzündete sich an einer der größten Polizeimaßnahmen des Jahres 2026. Im März durchsuchten etwa 500 Einsatzkräfte insgesamt 17 Wohnungen und weitere Räume in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Kyritz in Brandenburg. Den vier Beschuldigten im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren – es handelt sich um zwei Männer und zwei Frauen – wird vorgeworfen, die Sabotage geplant und ausgeführt zu haben.
Innensenatorin Iris Spranger und BKA-Präsident Holger Münch hatten die Brisanz solcher Angriffe auf kritische Infrastruktur bereits in der Vergangenheit betont. Solche Vorfälle stellen nicht nur eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit dar, sondern untergraben auch das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Staates. Die rechtlichen Hürden bei der Beweissicherung digitaler Geräte sind in solchen Fällen besonders hoch, da die Auswertung oft tief in die Privatsphäre der Verdächtigen eingreift.
Rechtliche Schritte und aktuelle Lage
Die aktuellen Klagen der Verdächtigen zielen darauf ab, die Beweislage vor einem möglichen Prozess zu schwächen oder ganz zu vereiteln. Wenn die beschlagnahmten Smartphones, Computer oder Speichermedien nicht ausgewertet werden dürfen, fehlen der Staatsanwaltschaft möglicherweise entscheidende Indizien für die Aufklärung der Tat. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft prüft derzeit die Rechtmäßigkeit der Durchsuchungen und der anschließenden Sicherstellung.
Bis eine gerichtliche Entscheidung vorliegt, bleiben die beschlagnahmten Geräte sichergestellt. Die Ermittler hoffen, dass die Auswertung der Daten Aufschluss über die Netzwerkstrukturen der mutmaßlichen Gruppe und die genauen Abläufe des Anschlags geben kann. Sollte das Gericht den Widerspruch der Verteidigung jedoch anerkennen, wäre dies ein signifikanter Rückschlag für die Fahndung nach den Verantwortlichen des schwerwiegenden Stromausfalls im vergangenen Herbst.