Landeskriminalamt ermittelt nach Schüssen auf Potsdamer Spätis gegen Berliner Verdächtigen

Nach Schüssen auf zwei Spätis in Potsdam hat das Landeskriminalamt Brandenburg einen 24-jährigen Berliner festgenommen. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Verdacht der versuchten schweren räuberischen Erpressung

Landeskriminalamt ermittelt nach Schüssen auf Potsdamer Spätis gegen Berliner Verdächtigen
Symbolfoto · Foto: Dirk Martins / Unsplash

Nach Schüssen auf zwei Spätis in Potsdam hat das Landeskriminalamt Brandenburg (LKA) die Ermittlungen aufgenommen. Im Fokus steht der Verdacht der versuchten schweren räuberischen Erpressung. Ein 24-jähriger Verdächtiger wurde in Berlin festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft. Die Polizei prüft einen direkten Zusammenhang mit der gewalttätigen Organisierten Kriminalität, die in der benachbarten Hauptstadt zunehmend auch Spätis als Ziel ausmacht.

Ermittlungsgruppe „Titan“

Die Ermittlungen laufen unter der Bezeichnung „BAO Titan“ (Besondere Aufbauorganisation). Solche temporären, projektbezogene Einheiten werden vom LKA eingerichtet, wenn Fälle die regulären Kapazitäten der lokalen Polizeidienststellen übersteigen oder eine komplexe, überregionale Struktur vermutet wird. Die Gruppe „Titan“ wurde speziell nach der ersten Tat in der Nansenstraße in Potsdam gebildet und arbeitet im engen Austausch mit der Berliner Polizei zusammen.

„Wir gehen davon aus, dass der Verdächtige nicht allein, sondern im Auftrag gehandelt hat“, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums zur Festnahme des 24-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat Untersuchungshaft beantragt, da der Mann im Verdacht steht, in den Nächten zu Montag und Donnerstag auf die Scheiben von Geschäften geschossen zu haben, um Druck auf die Inhaber auszuüben.

Neue Methode in Potsdam

Für die Landeshauptstadt Potsdam ist das Phänomen neu, dass Kriminelle im Auftrag von Drahtziehern gezielt auf Geschäfte schießen, um Einschüchterung zu erzeugen. Ziel ist es, eingeschüchterte Geschädigte zur Zahlung von Geld zu bewegen. Aus Polizeikreisen heißt es, die Methoden krimineller Netzwerke schwappten auf Brandenburg über. In Berlin sorgen Schussabgaben und andere gewaltsame Auseinandersetzungen im kriminellen Milieu seit längerer Zeit für Aufsehen.

Von Revierkämpfen zwischen verschiedenen Banden mit unterschiedlicher Herkunft ist die Rede. Konflikte um Schutzgelderpressung und andere Rivalitäten werden nach Einschätzung der Polizei zunehmend mit Waffen ausgetragen. Die Schüsse auf die Spätis in der Nansenstraße und in Bornstedt werden als Teil dieser Entwicklung gewertet.

Rechtliche Einordnung und Haftstrafen

Der Vorwurf der „versuchten schweren räuberischen Erpressung“ kombiniert die Tatbestände der Erpressung (§ 253 StGB) mit der Anwendung von Gewalt oder Drohung mit einem gegenwärtigen Angriff auf Leib oder Leben (§ 255 StGB). Die Drohung mit Schusswaffengebrauch gilt dabei als besonders schwerer Fall. Drohende Haftstrafen liegen bei versuchter schwerer räuberischer Erpressung in der Regel bei mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe, in besonders schweren Fällen kann die Strafe bis zu zehn Jahre betragen. Da es sich um einen Versuch handelt, kann die Strafe gemäß den Umständen gemildert werden, bleibt jedoch im Bereich der schweren Kriminalität.

Das Landeskriminalamt Brandenburg ist allein zuständig für Ermittlungen, wenn der Verdacht auf Organisierte Kriminalität besteht. Dies unterstreicht die Schwere der Vorwürfe gegen den festgenommenen Mann, der nun in Berlin in Haft sitzt, während die Ermittlungen zu den mutmaßlichen Auftraggebern weiterlaufen.