Trockenheit legt Oder- und Elb-Güterverkehr lahm

Anhaltende Trockenheit legt den Güterverkehr auf Oder und Elbe faktisch lahm, da die Wasserstände für eine sichere Befahrung zu niedrig sind

Trockenheit legt Oder- und Elb-Güterverkehr lahm
Symbolfoto · Foto: Wolfgang Weiser / Unsplash

Durch die anhaltende Trockenheit sind die Pegelstände der Oder so weit gesunken, dass der Güterverkehr auf wichtigen Abschnitten faktisch zum Erliegen gekommen ist. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Oder-Havel hat mitgeteilt, dass aufgrund der extrem niedrigen Wasserstände keine sichere Kennzeichnung der Fahrrinne mehr gewährleistet werden kann. Wer die Wasserstraße in diesem Zustand befährt, tut dies auf eigene Gefahr.

Die Behörde betont, dass kein formelles Verbot für die Schifffahrt ausgesprochen wurde. Vielmehr treffen die Schiffsführer eigenständig die Entscheidung, ihre Fahrten einzustellen, da die notwendige Infrastruktur für den sicheren Betrieb fehlt. Während die Sport- und Freizeitschifffahrt von diesen Einschränkungen offiziell nicht betroffen ist, müssen auch Freizeitkapitäne die örtlichen Tiefenverhältnisse sorgfältig prüfen.

Güterverkehr zwischen Ratzdorf und Hohensaaten-Finow lahmgelegt

Nach Angaben des RBB fahren seit Wochen keine Güterschiffe mehr zwischen den Pegeln Ratzdorf im Landkreis Oder-Spree und Hohensaaten-Finow im Landkreis Märkisch-Oderland. Die Ursache sind Pegelstände, die durchgängig unter einem Meter liegen. Dieser Wert unterschreitet das mittlere Niedrigwasser (MNW) deutlich. Für einen wirtschaftlichen Betrieb benötigen Güterschiffe in der Regel eine Fahrrinnentiefe von mindestens 1,40 bis 1,60 Metern, was aktuell nicht gegeben ist.

Der Stillstand hat direkte wirtschaftliche Folgen für die Region. Auf der Oder werden vorrangig Schrott und Rohstoffe für das Stahlwerk in Eisenhüttenstadt transportiert. Ein anhaltender Lieferstopp könnte dort zu Produktionsengpässen führen. Die Situation wird zudem durch die geografische Lage als Grenzfluss verschärft: Die Oder ist bei Niedrigwasser stark auf Wasserzuflüsse aus polnischen Wehren angewiesen, die derzeit nicht ausreichen, um die Fahrrinne auf ein befahrbares Niveau anzuheben.

Auch die Elbe betroffen

Ähnliche Probleme gibt es aktuell auch auf der Elbe. Das zuständige WSA Elbe hat die Peilung der Fahrrinnentiefe zwischen Kilometer 422,8 und 502,2 (Bezugspegel Wittenberge) amtlich ausgesetzt. Diese Maßnahme regelt den rechtlichen Rahmen für die Haftung bei Schifffahrtsunfällen, wenn die Tiefenverhältnisse ignoriert werden.

Experten gehen davon aus, dass sich die Wasserstände auf der Elbe nicht kurzfristig erholen werden. Der Güterverkehr auf diesem Abschnitt wird voraussichtlich bis September eingestellt bleiben müssen. Die anhaltende Trockenheit im Jahr 2026 fügt sich dabei in einen langfristigen Trend ein, der die Binnenschifffahrt in Deutschland zunehmend anfälliger gegenüber Dürreperioden macht. Vergleichbare Niedrigwasser-Situationen in den Jahren 2018 und 2022 hatten bereits zu längeren Stillständen geführt.