SV Babelsberg feiert 50 Jahre Karl-Liebknecht-Stadion mit ausverkauftem Sieg gegen St. Pauli
Der SV Babelsberg 03 feierte das 50-jährige Bestehen des Karl-Liebknecht-Stadions mit einem ausverkauften 4:1-Sieg gegen den FC St. Pauli
50 Jahre „Karli“ – ein halbes Jahrhundert Sportgeschichte
Mit einem ausverkauften Stadionfest und einem Freundschaftsspiel gegen den Zweitligisten FC St. Pauli feierte der SV Babelsberg 03 am Samstag das 50-jährige Bestehen des Karl-Liebknecht-Stadions. Am 11. Juli 2026, einen Tag nach dem eigentlichen Jahrestag der Eröffnung, stürmten 10.797 Zuschauer die Tribünen – ein voller Saal, wie er in Potsdam seit über 25 Jahren nicht mehr zu sehen war. Das Spiel endete mit einem deutlichen 4:1-Sieg der Gastgeber. Seit der offiziellen Eröffnung am 10. Juli 1976 hat sich das „Karli“ zu einer der traditionsreichsten Fußballspielstätten in Deutschland entwickelt.
Ein Herzschlag für Potsdam
Oberbürgermeisterin Noosha Aubel, die ihr Amt im Oktober 2025 antrat und zuvor als parteilose Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport gewirkt hatte, würdigte die historische Bedeutung des Ortes. „Seit 50 Jahren schlägt im Karl-Liebknecht-Stadion das Fußball-Herz Potsdams“, sagte sie vor Ort. Wo einst DDR-Oberliga-Spiele, Länderspiele und Pokalfights stattfanden, sind unzählige Erinnerungen entstanden. Das Karli sei weit mehr als ein Stadion – es ist ein Ort der Leidenschaft, des Miteinanders und der Identifikation mit der Stadt mitten im Kiez.
Besonders hob Aubel das technische Alleinstellungsmerkmal des Stadions hervor. Diese Masten wurden so konzipiert, dass die historischen Blickachsen vom Flatowturm auf den Park Babelsberg, ein UNESCO-Welterbe, nicht beeinträchtigt werden. Diese Lösung gilt bundesweit als außergewöhnlich und prägt die unverwechselbare Silhouette der Anlage.
Von der DDR-Zeit bis zum Europapokal
Das heutige Stadion entstand zwischen 1974 und 1976 auf dem traditionsreichen Sportgelände an der Priesterstraße, auf dem bereits seit den 1920er Jahren Fußball gespielt wurde. Mit einer Kapazität von rund 15.000 Zuschauern gehörte der Neubau seinerzeit zu den modernsten Fußballstadien der DDR. Das Eröffnungsspiel bestritt die BSG Motor Babelsberg gegen die DDR-Olympiaauswahl, die wenige Wochen später bei den Olympischen Spielen in Montreal die Goldmedaille gewann.
Bereits kurz nach seiner Eröffnung etablierte sich das Karl-Liebknecht-Stadion als Austragungsort bedeutender Fußballereignisse. Ein Dutzend Länderspiele der DDR-Männernationalmannschaft wurden hier bestritten. Den Zuschauerrekord verzeichnete das Stadion am 17. August 1977 beim WM-Qualifikationsspiel zwischen der DDR und Malta. Die Gastgeber gewannen vor 15.000 Zuschauern mit 9:0 – der höchste Sieg der DDR-Nationalmannschaft und ein Rekord für die Ewigkeit.
Auch für den Frauenfußball besitzt das Karl-Liebknecht-Stadion einen besonderen Stellenwert. Am 9. Mai 1990 fand hier das einzige Frauen-Länderspiel der DDR-Geschichte statt. Mit den Erfolgen des 1. FFC Turbine Potsdam wurde die Babelsberger Spielstätte zu einem Epizentrum des europäischen Frauenfußballs. Höhepunkt war der Gewinn des Europapokals der Frauen im Jahr 2005, als Turbine Potsdam vor 8.677 Zuschauern den Titel errang. Es folgten zahlreiche weitere internationale Begegnungen der UEFA Women’s Champions League sowie DFB-Pokalspiele und Länderspiele der deutschen Frauen-Nationalmannschaft.
Fankultur und moderne Entwicklung
Der SV Babelsberg 03, der das Stadion seit dem Jahr 2003 per Pachtvertrag betreibt, sorgte im Karl-Liebknecht-Stadion immer wieder für besondere Fußballmomente – von Aufstiegen über den DFB-Pokal bis hin zu den Spielzeiten im Profifußball. Das Aufstiegsspiel des SV Babelsberg 03 am 9. Juni 2001 gegen Fortuna Düsseldorf in die 2. Bundesliga fand beispielsweise vor 14.700 Zuschauern statt.
In den Jahren 2010 und 2011 erfolgte der Umbau des Stadions mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II des Bundes sowie der Landeshauptstadt Potsdam. Die Sanierung kostete rund 8 Millionen Euro. Heute verfügt das Karl-Liebknecht-Stadion über eine Kapazität von 10.787 Plätzen. Das Stadion entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Ort, der weit über Potsdam hinaus für seine besondere Atmosphäre und seine engagierte Fankultur bekannt ist.
Beim Jubiläumsspiel gegen den FC St. Pauli wurde die langjährige Freundschaft der beiden Vereine besonders gefeiert. In einer symbolischen Geste wurde die übliche Fantrennung aufgehoben, sodass die Anhänger beider Mannschaften gemeinsam auf den Tribünen Platz nahmen. Begleitet von einer großen Choreografie der Fans, die die 50-jährige Geschichte des Stadions würdigte, zeigte sich das Karli als Ort der Einheit. Das Stadion steht vor allem für emotionale sportliche Momente im Fußball der Frauen und Männer sowie für das unermüdliche Engagement der vielen Ehrenamtlichen, ohne die Vereinsleben nicht denkbar wäre.