Segelmacherei Gericke in Brandenburg ruft zu Spenden

Die traditionsreiche Segelmacherei Gericke in Brandenburg an der Havel steht vor dem Aus, da ein Pflichtteilsanspruch in Höhe von 100.000 Euro bis September 2026 beglichen werden muss, weshalb die Familie nun zu Spenden ruft

Segelmacherei Gericke in Brandenburg ruft zu Spenden
Symbolfoto · Foto: Alexander Andrews / Unsplash

Die Segelmacherei Gericke am Fritze-Bollmann-Weg 29 in Brandenburg an der Havel steht vor einer existenziellen Zäsur. Ein Pflichtteilsanspruch in Höhe von 100.000 Euro muss bis September 2026 beglichen werden, ein Betrag, den der traditionsreiche Familienbetrieb aus eigenen Mitteln nicht stemmen kann. Um den Erhalt der Werkstatt, die als eine der letzten ihrer Art in Deutschland gilt, zu sichern, hat die Familie nun eine Spendenkampagne ins Leben gerufen.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen weit zurück. Der Betrieb begann bescheiden im Wohnzimmer der Familie, als dort die erste Nähmaschine stand und die ersten Segel genäht wurden. Der damalige Standort, heute Kleine Gartenstraße, war der Geburtsort dieser Handwerkskunst. Rolf Richard Gericke, der Vater von Dirk Gericke, wurde am 23. Januar 1933 in Brandenburg geboren und führte den Betrieb über Jahrzehnte hinweg. Er überlebte als Unternehmer die schwierigen Zeiten der DDR, die Wende und diverse wirtschaftliche Umbrüche. Mit seinem Tod am 26. Januar 2025 im Alter von 92 Jahren verlor die Familie nicht nur ihr Oberhaupt, sondern auch eine prägende Figur der Betriebsgeschichte.

Ein Handwerkerhaus mit Geschichte

Das aktuelle Dilemma ist in der speziellen Situation des Betriebsgebäudes begründet. Das Haus am Fritze-Bollmann-Weg ist als spezialisiertes Handwerkerhaus konzipiert und lässt sich nicht ohne Weiteres in eine beliebige Gewerbe- oder Wohnimmobilie umwandeln. Ein Umzug würde für die Familie neue, kaum tragbare Kosten verursachen. Ein klassischer Bankkredit scheidet als Lösung aus, da die Sicherheiten für eine solche Summe in dieser Form nicht gegeben sind.

Der Name des Standorts ist dabei mehr als nur eine Adresse: Der Fritze-Bollmann-Weg ehrt das Brandenburger Original Fritze Bollmann, einen Barbier des 19. Jahrhunderts, der durch ein bekanntes Spottlied in die Geschichte eingegangen ist. Auf diesem Boden, der für lokale Identität steht, versucht Dirk Gericke nun, das Erbe des Vaters zu bewahren. Es geht ihm dabei nicht um eine öffentliche Zuspitzung des familiären Konflikts, sondern rein um den Fortbestand des Betriebs, der für ihn Lebenswerk und Teil der Stadtgeschichte ist.

Zusammenhalt auf und an Land

Die Initiative zur Rettung des Betriebs geht von Christin Michaelis zurück, der Tochter von Dirk Gericke. Sie verweist auf die lange Familiengeschichte und das, was sie von klein auf gelernt hat: „Auf dem Wasser lässt man niemanden allein.“ Als Kind einer Seglergemeinschaft glaubt sie fest daran, dass dieser Zusammenhalt auch an Land trägt und die lokale sowie überregionale Segler-Community helfen wird.

Die Reaktion der Spender ist bereits beachtlich und zeigt die starke Verbundenheit der Szene. Bis Mitte Juli 2026 sind bereits über 17.000 Euro an Spenden eingegangen, ein Betrag, der Dirk Gericke sichtlich zu Tränen gerührt hat. Die Kampagne soll Zeit gewinnen, damit die Werkstatt weiterarbeiten kann. Die Segelmacherei fertigt traditionell Fahrten-, Regatta- und Oldtimer-Segel und ist ein wichtiges Stück gelebtes Brandenburger Handwerk.

Wer die Segelmacherei unterstützen möchte, kann sich direkt an die Familie wenden. Die Spendenaktion bietet die Chance, dass dieser einzigartige Betrieb nicht nur die Vergangenheit überstanden hat, sondern auch in die Zukunft getragen wird. Für Christin Michaelis und ihren Vater steht dabei mehr auf dem Spiel als nur ein Arbeitsplatz – es geht um die Bewahrung einer einzigartigen Handwerkskultur.