Sechs restaurierte Pferde kehren nach Sanierung auf das Magdeburger Pferdetor zurück

Die sechs restaurierten Terrakotta-Pferde kehren nach einer mehrjährigen Sanierung auf das historische Pferdetor im Magdeburger Rotehornpark zurück

Nach einer mehrjährigen und aufwendigen Sanierung kehren die sechs markanten Pferdeskulpturen auf ihr historisches Zuhause zurück. Aktuell werden die restaurierten Terrakotta-Figuren im Magdeburger Stadtpark Rotehorn mit Hilfe eines Krans vorsichtig wieder auf die Pfeiler des berühmten Pferdetors gesetzt. Der behutsame Vorgang begann am Mittwoch, dem 16. Juli 2026. Während die Pferde ihren angestammten Platz einnehmen, laufen die letzten Arbeiten an den Bögen des Denkmals noch bis zum 14. September. Das umfangreiche Gerüst, das das Bauwerk in den vergangenen Monaten umschloss, soll bereits im August wieder abgebaut werden.

Ein Jahrhundert alter Baustelle

Die Rückkehr der Tiere war der krönende Abschluss einer komplexen Rekonstruktion, die das gesamte Tor betraf. Da über viele Jahrzehnte Wasser in die Pfeiler eingedrungen war, hatte sich die Bausubstanz stark verändert. Nach inzwischen 99 Jahren zeigten sich zahlreiche Risse, und einzelne Pfeiler hatten sich bereits so stark geneigt, dass eine Sanierung dringend notwendig wurde. Um das Baudenkmal zu retten, wurde nicht nur die Skulpturengruppe restauriert, sondern das gesamte Tor neu errichtet. Fachleute setzten ein neues Betonfundament, installierten neue Tragstützen und verklinkerten die Pfeiler denkmalgerecht neu.

Die Demontage der Skulpturen im November 2024 war dabei eine besondere Herausforderung. Da für das Denkmal keine originalen Baupläne existierten, mussten die Arbeiten Schritt für Schritt erfolgen. Zunächst wurde der Schwerpunkt jeder einzelnen Skulptur ermittelt, um sie sicher mit dem Kran abheben zu können. Erst danach folgten die weiteren Pferde. Diese Detektivarbeit war nötig, um die empfindlichen Figuren aus Oldenburger Eisenklinker und glasierten Terrakotta-Elementen zu schonen.

Ein Meisterwerk der Weimarer Republik

Das Pferdetor im Rotehornpark zählt zu den bekanntesten Bauwerken Magdeburgs und bildet den repräsentativen Eingang zum historischen Stadthallenensemble. Errichtet wurde es im Jahr 1927 im Rahmen der Deutschen Theaterausstellung. Entworfen hat das Bauwerk Professor Albinmüller (1871–1941), ein einflussreicher Architekt, der auch den benachbarten Albinmüller-Turm schuf und die expressionistische Backsteinarchitektur der Stadt prägte. Das Tor gilt als herausragendes Beispiel expressionistisch-moderner Backsteinarchitektur und als bedeutendes Zeugnis der Baukunst nach dem Ersten Weltkrieg sowie der Weimarer Republik. Bis heute ist es ein kulturelles Wahrzeichen mit überregionaler Bedeutung.

Finanzierung und Ausblick

Die denkmalgerechte Restaurierung des Baudenkmals hat rund 1,5 Millionen Euro gekostet. Das Projekt wurde durch ein breites Bündnis an Fördergeldern ermöglicht: Neben Städtebaufördermitteln und Denkmalfördermitteln des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt leistete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz einen wichtigen Beitrag von 50.000 Euro speziell für die Sanierung der Pferdeskulpturen. Hinzu kamen 670.000 Euro städtische Eigenmittel.

Mit dem Abschluss der Arbeiten im September 2026 steht das Tor wieder als vollwertiges Wahrzeichen da. Das Ensemble aus Stadthalle, Pferdetor und Albinmüller-Turm bildet weiterhin das architektonische Herzstück des Parks. Die Redaktion wird über die Eröffnung und geplante Führungen am wiederhergestellten Tor berichten.