Sebastian Hocke nimmt für Krimi-Nacht Haveljagd Originalgeräusche in Brandenburg auf
Hörspielautor Sebastian Hocke nimmt für die szenische Lesung „Haveljagd“ aktuelle Originalgeräusche durch Brandenburg an der Havel auf
Wer in diesen Tagen durch die Steinstraße, das Theaterviertel oder andere Ecken von Brandenburg an der Havel streift, könnte ihm begegnen: dem Hörspielautor und Regisseur Sebastian Hocke. Mit Mikrofon und Aufnahmegerät bewaffnet, zieht er durch die Stadt, um die akustische Seele der kommenden Krimi-Nacht einzufangen. Seine Mission: Originalgeräusche für die szenische Lesung „Haveljagd“ zu sammeln, die später das Publikum in die Handlung des Romans versetzen sollen.
Hocke ist kein gewöhnlicher Tontechniker, sondern ein Spezialist für atmosphärische Klanglandschaften. „Aufnahmen an Originalschauplätzen statt im Studio aufzunehmen, ist ein bisschen meine Spezialität“, erklärt er. Für seine Rundfunkarbeiten geht er regelmäßig mit Schauspielern an den See, aufs Feld oder auf die Straße, um Szenen direkt dort zu realisieren. Auf der Bühne ist das zwar nicht möglich, doch die gesammelten Klänge – vom Rattern der Straßenbahn über das Läuten der Kirchenglocken bis hin zum Rauschen der Schleuse – sollen die Illusion eines authentischen Ortes schaffen.
Dabei versteht Hocke seine Arbeit bewusst als Unterstützung und nicht als Hauptdarsteller. „Bei Live-Inszenierungen muss man sich zurückhalten. Die Darsteller auf der Bühne gehören in den Mittelpunkt, nicht meine Klangproduktionen“, so der gebürtige Potsdamer, der an der Hochschule für Schauspielkunst „Konrad Wolf“ studierte. Die Schauspieler transportieren die Geschichte mit ihren Stimmen; Hocke füttert diese nur mit der passenden Atmosphäre.
Ein Krimi mit polizeilicher Authentizität
Die Große Brandenburger Krimi-Nacht am 18. Juli im Slawendorf bildet den Höhepunkt des diesjährigen Hörspielwochenendes. Das Werk „Haveljagd“ stammt von Jean Wiersch, einem Autor, dessen Biografie seinen Geschichten eine besondere Glaubwürdigkeit verleiht. Wiersch ist seit 1994 Polizeibeamter des Landes Brandenburg und lebt am Beetzsee. Seine Romane um den Kommissar Manzetti spielen daher nicht nur in der Region, sondern spiegeln oft reale Ermittlungspraxis wider. Der Roman, der sich mit dem Thema menschlicher Ausbeutung auseinandersetzt, ist bereits der dritte Teil der Manzetti-Reihe, den Hocke für die Bühne adaptiert.
Nach den erfolgreichen Inszenierungen von „Havelwasser“ und „Havel Symphonie“ kehrt Hocke nun zum dritten Mal in das Krimi-Universum von Wiersch zurück. Auf der Bühne wird die Geschichte von Schauspielern und bekannten Stimmen zum Leben erweckt. In der Hauptrolle als Kommissar Manzetti ist wieder Uve Teschner zu erleben. Der Sprecher gilt als einer der meistgehörten Hörbuchsprecher Deutschlands und gewann erst kürzlich, im Jahr 2026, den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie „Beste Unterhaltung“.
Der einzigartige Veranstaltungsort
Die Aufführung findet am Samstag, 18. Juli, um 21 Uhr im Slawendorf Brandenburg an der Havel statt. Dieser Ort ist mehr als nur eine Kulisse: Das rekonstruierte Freilichtmuseum an der Neuendorfer Straße lässt die slawische Geschichte der Stadt im Hochmittelalter erlebbar werden. Die Kombination aus historischem Ambiente, live gespielter Krimigeschichte und authentischen Stadtgeräuschen verspricht einen atmosphärisch dichten Abend, der Lesung, Hörspiel und Live-Schauspiel verbindet.
Organisiert wird das Brandenburger Hörspielwochenende, das seit 2008 jährlich im Slawendorf stattfindet, vom Verein Lauschkultur e.V. Der Verein, gegründet 2006, fördert seit Jahren die Lesekultur in der Region. Die Veranstaltung ist für die Besucher kostenlos; die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch Spenden und Sponsoren. Wer die Gelegenheit nutzen möchte, Sebastian Hocke bei seiner Arbeit oder die finale Inszenierung zu erleben, sollte sich den Termin im Kalender markieren. Der Eintritt ist frei, die Plätze jedoch oft schnell vergeben.