Filmmuseum Potsdam hinterfragt zum 100. Geburtstag Marilyn Monroe neu

Zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe widmet das Filmmuseum Potsdam eine Filmreihe nicht nur dem Mythos, sondern auch den gesellschaftlichen Rollenbildern ihrer Figuren

Symbolfoto · Foto: Susi Kleiman / Unsplash

Marilyn Monroe wird 100 – und neu hinterfragt

Zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe widmet sich das Filmmuseum Potsdam mit einer neuen Filmreihe nicht nur dem Mythos der Hollywood-Ikone, sondern auch den gesellschaftlichen Rollenbildern, die ihre Figuren bis heute prägen. Den Auftakt macht am Donnerstag, 9. Juli, um 19 Uhr Billy Wilders Klassiker Das verflixte 7. Jahr – begleitet von einer Einführung der Filmjournalistin und Autorin Jenni Zylka.

Ein feministischer Blick auf den Mythos

Jenni Zylka, die kürzlich ihr Buch „Marilyn Monroe. 100 Seiten“ veröffentlicht hat, richtet darin einen kritischen, feministischen und filmjournalistischen Blick auf Monroes Werk. Im Fokus steht unter anderem die berühmte U-Bahn-Szene aus Das verflixte 7. Jahr – und das Phänomen des sogenannten „Upskirting“, das hier filmhistorisch verankert ist. Ihre Analyse zeigt, wie Monroe im Hollywood-System zugleich als verletzliches und verführerisches Klischee inszeniert wurde. Auch im Auftaktfilm wird dieses Spannungsfeld deutlich: Monroe spielt die namenlose Nachbarin eines verheirateten Mannes, der sich in erotischen Fantasien verliert. Für Zylka ein Paradebeispiel für den „Male Gaze“ – also den männlich geprägten Blick, der Frauenfiguren auf Projektionen reduziert.

Die Filmreihe zeigt insgesamt sieben Werke und rückt dabei nicht nur die Ikone, sondern auch die harte Arbeit und den künstlerischen Anspruch Monroes in den Mittelpunkt. Ihr früher Tod 1962 steht dabei sinnbildlich für die strukturellen Ungleichheiten der Filmbranche jener Zeit. Obwohl Monroe eigentlich als Schauspielerin durchstarten wollte, wurde sie oft als Showgirl eingesetzt und musste mehr singen und tanzen, als sie sich wünschte.

Der Bechdel-Test und die Rolle der Frau

Ein zentrales Thema der Analyse ist die Frage nach der Repräsentanz von Frauen in Monroes Filmen. Von ihren 13 Hauptrollen bestehen laut Zylka nur zwei bis zweieinhalb Filme den sogenannten Bechdel-Test. Dieser einfache Maßstab prüft, ob in einem Werk zwei Frauen miteinander sprechen, und zwar über etwas anderes als Männer. Die meisten ihrer Filme scheitern an dieser Bedingung, was die starke Ausrichtung auf männliche Perspektiven in der damaligen Unterhaltungsindustrie unterstreicht.

Die berühmte U-Bahn-Szene, in der Monroes Rock durch den Luftzug einer Straßenbahn hochgeweht wird, wird von Zylka als frühes Beispiel für nicht-konsensuelles Sexualisieren interpretiert. Diese Interpretation gewinnt vor dem Hintergrund heutiger Debatten um „Upskirting“ und die Rechte von Frauen an ihrer eigenen Bildlichkeit eine neue Aktualität. Was damals als harmloser Gag inszeniert wurde, wird heute als Problem der Einwilligung und des voyeuristischen Blicks diskutiert.

Biografische Hintergründe und strukturelle Zwänge

Die Einordnung Monroes als Opfer des Systems ist auch vor dem Hintergrund ihrer Biografie zu sehen. Geboren als Norma Jeane Mortenson am 1. Juni 1926 in Los Angeles, wuchs sie in einer instabilen Umgebung auf, geprägt von Pflegefamilien und Waisenhäusern. Diese frühen Erfahrungen prägten ihre spätere Suche nach Stabilität und Anerkennung im Filmgeschäft. Im Hollywood der 1950er Jahre war sie jedoch oft machtlos gegenüber den Entscheidungen der Studios, die ihr Image als Sexsymbol über ihre künstlerischen Ambitionen stellten.

Die Filmreihe im Filmmuseum Potsdam will diese Komplexität beleuchten. Sie zeigt nicht nur die glitzernde Fassade des Star-Images, sondern auch die harte Realität hinter den Kulissen. Der Tod Monroes im Jahr 1962 wird dabei nicht als isoliertes Ereignis, sondern als Konsequenz der strukturellen Ungleichheiten und des enormen Drucks betrachtet, dem sie ausgesetzt war.

Programm und Eintritt

Die siebenteilige Filmreihe beginnt am 9. Juli 2026. Neben Das verflixte 7. Jahr werden weitere Werke gezeigt, die Monroes Schaffen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Die Einführungen durch Jenni Zylka bieten Einblicke in die filmhistorische und gesellschaftskritische Dimension der Filme. Interessierte können sich über das Programm und Tickets direkt auf der Website des Filmmuseums Potsdam informieren.