Sabine Bahr will die Kirche in Buckow für alle öffnen
Die Agnostikerin Sabine Bahr will die Wallfahrtskirche in Buckow für alle Menschen öffnen
„Alle müssen willkommen sein“ – das ist das Leitmotiv von Sabine Bahr. Wenn sie über Kirche spricht, wird deutlich, wie viel Haltung in ihren Worten steckt. Der Satz klingt einfach, ist aber eine klare Forderung. In Buckow, einem kleinen Ort in der Gemeinde Nennhausen mit rund 90 Einwohnern, engagiert sich die ehemalige West-Berlinerin im Förderverein der Wallfahrtskirche. Das Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert wirkt im Verhältnis zum Dorf beeindruckend groß, doch dessen Zukunft war lange ungewiss.
Nach der Wende zog Sabine Bahr mit ihrem Mann nach Buckow. Die ehemalige Dorfschule wurde zu ihrem Zuhause. Zu dieser Zeit des Umbruchs stand auch die Kirche zur Debatte: verkaufen, umnutzen oder vielleicht sogar entwidmen? Für viele im Ort war das unvorstellbar. Im Jahr 2009 gründete sich daraufhin ein Förderverein aus dem Wunsch heraus, das Gebäude zu erhalten. Es sollte ein Ort, ein Teil der Identität und ein Raum für Begegnung bleiben. Heute ist Sabine Bahr zweite Vorsitzende dieses Vereins. Ihr Ehrenamt ist dabei weit mehr als reine Organisation. Es ist vor allem Brückenarbeit.
Ein offenes Haus für die Gemeinde
„Egal, wie sich Menschen zusammenfinden – Hauptsache, sie verbringen gute Zeit miteinander“, sagt sie. Genau das passiert bei Formaten wie „Sonntags in Buckow um 12“, bei Gottesdiensten, einem gemeinsamen Mittagessen oder Konzerten in der Kirche. Mal mit prominenten Gästen, mal im kleinen Kreis. Immer offen für Diskussion. Immer offen für unterschiedliche Perspektiven. Die Sanierung der Wallfahrtskirche wird noch lange Unterstützung brauchen. Es ist ein Projekt über Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte. Doch darum geht es Sabine Bahr nicht in erster Linie. Es geht ihr um etwas Grundsätzlicheres: darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen einander begegnen.
Werte vor Glaubensfragen
Für Sabine Bahr ist das Engagement kein Widerspruch zu ihrem eigenen Glauben. Sie bezeichnet sich als Agnostikerin und glaubt nicht im klassischen Sinne. Christen sind sich sicher, dass Gott existiert. Agnostiker hingegen sind unsicher, ob es einen Gott oder sogar mehrere Götter gibt oder nicht. Sie gehen davon aus, dass es keine Beweise gibt, weder dafür noch dagegen. Für Bahr ist das kein Hindernis. „Wenn wir nach den zehn Geboten leben würden, wäre schon viel gewonnen“, sagt sie. Für sie geht es weniger um Glaubensgewissheit als um die Werte Respekt, Verantwortung und Mitgefühl.
Kirche ist für sie deshalb kein exklusiver Raum für Gläubige, sondern ein Angebot an alle. Doch genau daran hakt es aus ihrer Sicht oft noch. „Alle müssen willkommen sein“, wiederholt sie. Auch Menschen ohne Taufe, ohne Konfirmation oder ohne kirchlichen Hintergrund. Ausgrenzung widerspreche dem eigentlichen Gedanken von Gemeinschaft. Diese Haltung zeigt sich auch jenseits der Kirchenmauern. Wenn im Alltag abfällige oder rassistische Bemerkungen fallen, bleibt sie nicht still. Sie widerspricht – ruhig, aber deutlich.
Aufgewachsen in den 1950er-Jahren in West-Berlin, geprägt von einer Zeit, in der Anpassung oft wichtiger war als Individualität, hat Sabine Bahr früh gelernt, wie stark gesellschaftliche Normen wirken. Heute setzt sie bewusst auf Offenheit und Dialog. Die Kirche sieht sie dabei nicht als Ort fertiger Antworten, sondern als Raum für Fragen. Als Ort, an dem Menschen zur Ruhe kommen können. „Viele setzen sich einfach hin und atmen durch“, sagt sie. Eine Erfahrung, die sie selbst kennt und die sie anderen ermöglichen möchte.