Potsdam verleiht im ersten Halbjahr 381 Staatsbürgerschaften – 15 % Zuwachs

Potsdam hat im ersten Halbjahr 2026 381 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen – ein Plus von rund 15 % gegenüber dem Vorjahr

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Potsdam bei 13 öffentlichen Einbürgerungsfeiern insgesamt 381 Personen die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen. Das entspricht einem Anstieg von rund 15 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr und einer Zunahme von etwa 70 % im Vergleich zu 2024. Damit setzt die Landeshauptstadt ihre positive Entwicklung in der Einbürgerungsarbeit fort.

Zahlen und Entwicklung

Im ersten Halbjahr 2024 wurden nach vorläufigen Angaben rund 224 Einbürgerungen vollzogen, 2025 stieg die Zahl auf 331 und 2026 erreichte sie bereits 381. Der prozentuale Zuwachs beträgt damit etwa 48 % zwischen 2024 und 2025 und 15 % zwischen 2025 und 2026.

Ein wesentlicher Treiber dieses Wachstums ist die im Juni 2024 in Kraft getretene Reform des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG). Sie erlaubt grundsätzlich die Mehrstaatigkeit und verkürzt die Mindestaufenthaltsdauer für die Einbürgerung von fünf auf drei Jahre, wenn besondere Integrationsleistungen nachgewiesen werden. Durch die erleichterten Bedingungen haben mehr Menschen den Schritt zur deutschen Staatsbürgerschaft gewagt.

Verwaltungsmaßnahmen

Seit Januar 2025 arbeitet die Einbürgerungsbehörde mit einem erweiterten Team von elf Mitarbeitenden, das ein neu eingeführtes Online‑Vorprüf‑Tool nutzt, um Anträge bereits im Vorfeld zu prüfen. Zusätzlich wurde eine eigene Arbeitsgruppe zur Prozessoptimierung eingerichtet, die unter der Leitung von Herrn Abed Alkareem Khader steht. Diese Maßnahmen haben die Bearbeitungsleistung deutlich gesteigert.

Beigeordnete für Ordnung, Sicherheit, Soziales und Gesundheit Brigitte Meier (SPD, geb. 02.01.1965) begrüßt die Entwicklung: „Ich freue mich, dass sich viele Menschen in unserer Stadt für die Einbürgerung entschieden haben. Es ist ein wichtiges Signal, dass sie sich hier wohlfühlen und Teil der Stadtgesellschaft geworden sind.“ Sie gratulierte den neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern herzlich zu ihrem Schritt.

Fachbereichsleiter Dr. Karsten Lauber, der die Einbürgerungsbehörde verantwortet, sieht in den Zahlen eine Bestätigung der eingeleiteten Modernisierung: „Die Steigerung der Bearbeitungsleistung ist auf ein Bündel an Maßnahmen zurückzuführen. Unter der Leitung von Herrn Abed Alkareem Khader konnten wir ein engagiertes Team zusammenstellen, das trotz anspruchsvoller Rechtslage effizient arbeitet.“ Die stabile Personalsituation und der kontinuierliche Verbesserungsprozess seien zentrale Erfolgsfaktoren.

Die neuen deutschen Staatsbürger stammen aus 56 Herkunftsstaaten. Die fünf am häufigsten vertretenen Länder sind Syrien, die Ukraine, die Russische Föderation, der Iran und Afghanistan, gefolgt von Polen.

Persönliche Geschichten

Zehra Torlak kam im Jahr 2007 aus der Türkei nach Deutschland. Sie arbeitet als qualifizierte Sozialassistentin und Sozialpädagogin. „Ich habe mich in den letzten Jahren immer stärker als Teil dieser Gesellschaft und dieses Landes gefühlt. Ich konnte und kann mich gut mit Deutschland identifizieren. Das war für mich der Hauptgrund für meine Einbürgerung. Die Zulassung der Mehrstaatigkeit durch die Gesetzesänderung in 2024 hat meine Motivation auch verstärkt“, erklärt sie. Bei der Einbürgerungsfeier am 30. Juni 2026 wurde sie gemeinsam mit 38 anderen Personen eingebürgert und beschreibt den Moment als emotional, weil sie an ihre Erfolge und Herausforderungen in Deutschland dachte.

Für die Familie Jadoua/Zin Aldin aus Syrien bedeutet die Einbürgerung vor allem mehr Freiheit und Sicherheit: „Mit der Einbürgerung wird unser Leben in Deutschland besser geschützt sein. Außerdem können wir mehr reisen und weitere Länder besuchen.“ Die in Potsdam geborenen Kinder erhalten nun dieselben Rechte wie alle deutschen Staatsbürger, darunter das Wahlrecht und die EU‑Freizügigkeit. Der persönliche Termin und die Vorlage der Unterlagen wurden von der Familie als unkompliziert empfunden, obwohl die Wartezeit bis zum Termin lang war.

Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer von Einbürgerungsanträgen in Potsdam liegt laut Sozialdezernat bei rund 22,6 Monaten, wobei die Spanne von vier bis 64 Monaten reicht. Im gesamten Land Brandenburg wurden im Jahr 2024 nach vorläufigen Angaben 3 764 Personen eingebürgert – ein Rekord seit über 20 Jahren. Die Zahlen aus Potsdam tragen maßgeblich zu diesem Landesrekord bei und zeigen, wie lokale Verwaltungsoptimierungen und gesetzliche Reformen gemeinsam zu einer deutlich höheren Einbürgerungsrate führen können.

Quelle: Havelblatt