Potsdam plant Schulnetz neu: Grundschulen verkleinern, Sekundarstufe I ausbauen
Potsdam will Grundschulen verkleinern und gleichzeitig zusätzliche Klassen in der Sekundarstufe I einrichten, um dem Rückgang der Schülerzahlen und der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden
In einer Arbeitsgruppensitzung zur Integrierten Schulentwicklungsplanung (IKSEP) hat die Landeshauptstadt Potsdam Vertreter*innen der Stadtverordnetenversammlung und des Staatlichen Schulamtes über den aktuellen Stand der Schulentwicklungsplanung informiert und gemeinsam Lösungsansätze für die zukünftige Entwicklung der Potsdamer Schullandschaft diskutiert. Ziel ist es, trotz sinkender Geburtenzahlen ein wohnortnahes und bedarfsgerechtes Bildungsangebot zu sichern.
Demografischer Hintergrund
Die Geburtenrate in Potsdam liegt seit 2023 bei 1,07 Kindern pro Frau und zeigt einen kontinuierlich rückläufigen Trend. Dieser demografische Wandel führt zu einem langfristigen Rückgang der Schülerzahlen in den Grundschulen, während gleichzeitig die Nachfrage in der Sekundarstufe I über das Jahr 2031 hinaus steigt. Im Schuljahr 2025/26 waren 11 532 Schülerinnen und Schüler in der Primarstufe und 12 704 in den Sekundarstufen I / II eingeschrieben.
Maßnahmen für die Grundschulen
Um die wohnortnahe Versorgung zu erhalten, sollen ab 2027 in den Planungsräumen Bornim, Bornstedt und Innenstadt die Zügigkeiten an den Grundschulen reduziert werden. Die frei werdenden Kapazitäten werden für Teilungsunterricht, kleinere Lerngruppen und gezielte Förderangebote genutzt. Gleichzeitig wird der sonderpädagogische Förderschwerpunkt „Sprache“ an die Karl‑Foerster‑Schule verlagert, um dort spezialisierte Unterstützung zu bündeln.
Maßnahmen für die Sekundarstufe I
Der steigenden Nachfrage in der Sekundarstufe I wird durch vorübergehend zusätzliche Klassen an bestehenden Gymnasien begegnet. Freigewordene Räumlichkeiten von Grundschulen, etwa am Hannah‑Arendt‑Gymnasium/Zeppelin‑Grundschule, sollen dort mitgenutzt werden. An Gesamtschulen werden vorhandene bauliche Kapazitäten ausgeschöpft und die Zügigkeiten erhöht. Zudem wird die Sekundarstufe I der Theodor‑Fontane‑Oberschule an das Oberstufenzentrum I verlagert, um Synergien zwischen den beiden Schulformen zu nutzen.
Förderschulen und Schulzentren
Der Standort der Förderschule am Nuthetal bleibt erhalten, wobei geprüft wird, ob das Gebäude künftig flexibel als Förder‑ oder Grundschulstandort dienen kann. Zusätzlich wird die Errichtung einer zweiten Förderschule mit dem Schwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“ untersucht; mögliche Standorte sind freiwerdende Bestandsimmobilien der Stadt. Im Rahmen der Schulzentren‑Strategie ist die Gründung einer Universitätsschule am Standort Zum Teufelssee als Versuchsschule geplant, um innovative Lehr‑ und Lernformen in enger Kooperation mit der Universität zu entwickeln.
Ausblick und weitere Planung
Beigeordneter für Bildung, Kultur, Jugend und Sport Torsten Wiegel, der seit dem 1. Juli 2025 das Amt innehat, betont, dass die vorgestellten Maßnahmen eine belastbare Grundlage für die Schulentwicklung der kommenden Jahre schaffen. Die Verwaltung wird die Konzepte in den kommenden Monaten weiter konkretisieren und gemeinsam mit Schulen, dem Staatlichen Schulamt, dem Ministerium und der Kommunalpolitik beraten. Der Entwurf der integrierten Schulentwicklungsplanung soll Ende des dritten Quartals 2026 in die politischen Gremien eingebracht werden, ein Beschluss ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Ziel bleibt ein nachhaltiges, bedarfsgerechtes und zukunftsfähiges Schulnetz, das den pädagogischen Anforderungen sowie den demografischen Entwicklungen Potsdams gerecht wird.