Potsdam plant modernen Universitätscampus am Brauhausberg nach 77 Bürgerbeteiligungen
77 Stellungnahmen aus Bürger- und Behördenbeteiligung bilden die Basis für den geplanten Universitätscampus am Potsdamer Brauhausberg, dessen Bau 2035 beginnen soll
Der Brauhausberg in Potsdam steht erneut im Fokus der Stadtentwicklung. Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung zum Bebauungsplan Nr. 188 „Universitätscampus Brauhausberg“ sowie zur Änderung des Flächennutzungsplans wurden bislang 77 Stellungnahmen von Bürgerinnen, Bürgern und Behörden eingereicht. Die Ergebnisse dienen nun als Grundlage für die weitere Planung des neuen Campus.
„Das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger zeigt, wie sehr ihnen die Entwicklung der Stadt und des Brauhausberges am Herzen liegt. Und es untermauert die Bedeutung unseres Vorhabens: Wir schaffen in einem deutschlandweit wahrscheinlich einzigartigen Verfahren einen hochmodernen neuen Universitätscampus mitten in unserer Landeshauptstadt“, erklärte Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke.
„Auch im weiteren Prozess werden wir unter Beweis stellen, dass ein hohes Tempo und eine professionelle, gründliche Planung kein Widerspruch sind. In diesem Projekt liegen große Chancen: Potsdams Wissenschaftslandschaft zukunftsfähig weiterzuentwickeln, das studentische Leben dauerhaft im Herzen der Stadt zu verankern und zugleich eine städtebauliche Aufwertung zu erreichen“, betonte Oberbürgermeisterin Noosha Aubel.
Beteiligungsverfahren
Die frühzeitige Beteiligung läuft seit dem 2. Juni 2026 und ist über das digitale Beteiligungsportal erreichbar. Neben den 77 eingereichten Stellungnahmen, darunter 36 Hinweise von Behörden, wurden umfangreiche Informationsveranstaltungen und Werkstattverfahren durchgeführt. Die gesammelten Anregungen fließen nun in die Auswertung und in die Erstellung von Fachgutachten zu Mobilität, Entwässerung, Artenschutz, Boden und Baugrund, Schall‑ und Luftqualität ein.
Planungsstand, Zeitplan und Finanzierung
Auf Basis der Beteiligung und der Gutachten soll im zweiten Halbjahr 2026 der förmliche Bebauungsplanentwurf fertiggestellt werden. Die Stadtverordnetenversammlung wird den Bebauungsplan voraussichtlich im Jahr 2027 beschließen. Die Bauphase ist für eine Fertigstellung des Campus im Jahr 2035 geplant, wobei bis zu 6 000 Studierende – vor allem aus den Fakultäten Jura, Wirtschafts‑ und Sozialwissenschaften – vom Campus Griebnitzsee umziehen sollen. Das Projekt wird im Rahmen einer öffentlich‑privaten Partnerschaft von der Hasso‑Plattner‑Stiftung mitfinanziert; die strategische Kooperation, die bereits im Juni 2025 beschlossen wurde, sieht eine Gesamtkostenfinanzierung in dreistelliger Millionensumme vor.
Historischer Kontext und Mobilitätskonzept
Der Brauhausberg ist ein 88 Meter hoher Hügel im Stadtteil Teltower Vorstadt. Sein Name geht auf die königliche Brauerei zurück, die 1716 gegründet wurde. Später diente das Gelände als Sitz des Landtags Brandenburg, dessen denkmalgeschütztes Gebäude in die Vorzugsvariante F des Campus‑Entwurfs integriert wird. Der Campus wird über eine umfassende Mobilitätsinfrastruktur angebunden: Eine neue Fuß‑ und Fahrradbrücke „Am Havelblick“ verbindet das Areal mit dem Stadtzentrum, während Buslinien von der Albert‑Einstein‑Straße und der Straße am Brauhausberg direkte Verbindungen sicherstellen. Das Mobilitätskonzept legt zudem besonderen Wert auf umweltfreundliche Anbindung und fördert den Radverkehr als Hauptverkehrsmittel für Studierende und Mitarbeitende.