Potsdam gedenkt am Wochenende Friedrich von Rabenau und Frauen im Widerstand
Potsdam gedenkt am Wochenende des gescheiterten Attentats auf Hitler mit Veranstaltungen zu Friedrich von Rabenau und der Rolle von Frauen im Widerstand
Potsdam erinnert am kommenden Wochenende an das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vor 82 Jahren. Die Landeshauptstadt hat für Sonntag und Montag zwei Gedenkveranstaltungen angekündigt, die unterschiedliche Aspekte des Widerstands gegen die nationalsozialistische Diktatur beleuchten. Am Sonntag steht dabei der militärische Widerständler Friedrich von Rabenau im Fokus, während am Montag, dem eigentlichen Jahrestag, die Rolle von Frauen im NS-Widerstand gewürdigt wird.
Gedenken am historischen Ort
Die Gedenkstunde am Sonntag, den 19. Juli 2026, beginnt um 11:00 Uhr am Turm des ehemaligen Reichs- und Heeresarchivs auf dem Brauhausberg. Dieser Ort ist historisch hochrelevant: Hier befand sich einst das Archiv, dessen Leitung Friedrich von Rabenau innehatte. Rabenau galt als überzeugter Gegner des Regimes und war ein zentraler Akteur im militärischen Widerstand. Nach dem missglückten Attentat wurde er verhaftet und starb 1945 in Haft.
Zur Veranstaltung werden laut Angaben der Stadt auch Familienangehörige von Rabenau erwartet. Der Brauhausberg selbst hat eine wechselvolle Geschichte als Symbol für den Machtwandel in Potsdam durchlaufen. Nach dem Krieg diente das Gebäude als SED-Parteihaus und später als Sitz des brandenburgischen Landtags, der 2014 in das wiederaufgebaute Stadtschloss umzog. Aktuell ist der Standort Schauplatz eines weiteren Umbruchs: Hier ist ein neuer Campus der Universität Potsdam geplant, der die digitale Zukunft der Stadt stärken soll.
Oberbürgermeisterin Noosha Aubel, die seit Oktober 2025 das Amt innehat, wird an der Gedenkstunde teilnehmen. Sie betonte die Bedeutung dieser Erinnerung: Die nationalsozialistische Diktatur sei nicht von allen Deutschen widerspruchslos hingenommen worden. Menschen aus verschiedensten Kreisen hätten ihre Freiheit eingesetzt, um das verbrecherische System zu beenden. Für Aubel entstehe Widerstand oft aus einem schmerzhaften Prozess des Erkennens und Zweifelns.
Frauen im Widerstand
Am Montag, dem 20. Juli 2026, verlagert sich der Fokus auf eine oft übersehene Gruppe: die Frauen im Widerstand. Die Veranstaltung beginnt um 17:00 Uhr im Frauenzentrum Am Alten Markt. Die Historikerin Juliane Kucharzewski wird dort über das Engagement und die Risiken von Frauen berichten. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Clarita von Trott zu Solz, Rosemarie Reichwein und Ilse-Lotte von Hofacker.
Diese Frauen waren oft Ehefrauen der Attentäter oder eng mit dem Widerstandskreis verbunden. Sie übernahmen kritische Aufgaben, halfen bei der Kommunikation und trugen ein enormes persönliches Risiko, da sie bei Entdeckung mit dem Tod oder der Inhaftierung ihrer Kinder rechnen mussten. Auch an andere Potsdamer Widerstandskämpferinnen wie Erika von Brockdorff, die 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde, wird in der Region erinnert.
Das Attentat vom 20. Juli 1944 selbst wurde von Claus Schenk Graf von Stauffenberg verübt. Der Wehrmachtsoffizier hatte versucht, Hitler mit einer Bombe zu töten, um die nationalsozialistische Herrschaft zu stürzen und den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Der Diktator überlebte das Attentat im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ knapp. Der darauf folgende Umsturzversuch scheiterte, und Stauffenberg sowie drei weitere Beteiligte wurden noch am selben Abend im Innenhof des Bendlerblocks in Berlin erschossen.