Neuer Heimatverein in Mahlenzien stärkt Dorfstruktur und plant Radweg bis Ziesar
Der im April gegründete Heimatverein Mahlenzien will die dörflichen Strukturen stärken und plant einen Radweg bis Ziesar
Im brandenburgischen Mahlenzien regt sich neues Leben. Der im April dieses Jahres gegründete Heimatverein versteht sich als lautstarke Interessenvertretung für den Ortsteil, der trotz seiner historischen Bauten und des wichtigen Wasserwerks in den letzten Jahren an Verbindlichkeit verlor. Mit 39 Mitgliedern bei einer Gesamtbevölkerung von knapp 120 Einwohnern hat sich der Verein bereits eine solide Basis geschaffen. Das entspricht einer beachtlichen Quote von rund einem Drittel der Dorfbewohner, und die Tendenz ist steigend.
Doppelspitze und klare Ziele
An der Spitze des jungen Vereins stehen mit Arzu Yavuzyigit und Eckhard Wolter gleich zwei Vorsitzende. Sie wollen die dörflichen Strukturen stärken, die sich seit der Eingemeindung nach Brandenburg an der Havel am 6. Dezember 1993 erhalten haben. Ein zentrales Anliegen ist die enge Zusammenarbeit mit dem einzigen anderen bestehenden Verein im Ort, der Feuerwehr.
Während der Fußballplatz hinter dem Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus bereits hergerichtet wurde, rückt nun der Rodelberg ins Visier. Dieser soll nicht nur zum Wintersport ertüchtigt werden, sondern auch als Spielplatz für verschiedene Aktivitäten dienen.
Infrastruktur und Mobilität
Ein drängendes Problem für Mahlenzien ist die Mobilität. Obwohl der Ort Teil der Stadt Brandenburg ist, ist er vom regulären öffentlichen Personennahverkehr praktisch komplett abgeschnitten. Der einzige verbliebene Anker ist ein Schülertransport, der derzeit von den Johannitern organisiert wird. Über eine mögliche Verbesserung dieser Situation wird der Heimatverein demnächst ein Gespräch mit der Stadt führen.
Gleichzeitig arbeitet der Verein an einer umfassenden Radwegestrategie. Ein zentrales Projekt ist die Schließung der Lücke zwischen Mahlenzien und Kirchmöser, wofür sich bereits eine Bürgerinitiative mit 84 Teilnehmern stark gemacht hatte. Die Vision geht jedoch weiter: Ein Radweg soll in Richtung Wenzlow und Böcke führen und bis nach Ziesar reichen. Von dort aus bestünde eine direkte Anbindung nach Görzke und weiter in den Fläming.
Historie und Identität
Die Identität des Dorfes ist tief verwurzelt. Auf einem Findling unweit des Dorfgemeinschaftshauses prangt die Jahreszahl 1365, die als früheste Nennung des Ortes gilt – wenngleich andere Quellen wie das Lehnregister auch 1370 nennen. Das nächste runde Jubiläum, 675 Jahre Mahlenzien, könnte somit im Jahr 2040 gefeiert werden.
Um dieses Erbe zu bewahren, wird aktuell an einer Dorfchronik gearbeitet, die von zwei Privatpersonen verfasst wird. Der Heimatverein will dieses Material unterstützen, digitalisieren und eines Tages weiterführen. Auch das kulturelle Angebot soll erweitert werden, um die Dorfgemeinschaft zu stärken.
Hinter der idyllischen Fassade aus Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert und dem stattlichen Gutshaus aus dem späten 18. Jahrhundert liegt zudem ein wirtschaftliches Schwergewicht: Das Wasserwerk Mahlenzien. Als zentraler Betrieb der BRAWAG GmbH prägt es nicht nur die Landschaft, sondern durch das seit 2004 festgesetzte Wasserschutzgebiet auch die Nutzung des Ortes, wo etwa der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln streng reglementiert ist. Der Heimatverein sieht sich als Bindeglied zwischen dieser industriellen Präsenz und dem dörflichen Leben.