Potsdam gedenkt am 20. Juli dem Widerstand gegen Hitler mit Rabenau-Veranstaltung und Frauenforum
In Potsdam gedenken zwei Veranstaltungen am kommenden Wochenende des Attentats vom 20. Juli 1944, wobei am Sonntag Friedrich von Rabenau im Fokus steht und am Montag die Rolle der Frauen im Widerstand beleuchtet wird
In der Landeshauptstadt Potsdam wird am kommenden Wochenende des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 gedacht. Anlässlich des 82. Jahrestags laden zwei unterschiedliche Veranstaltungen dazu ein, sich mit dem militärischen Widerstand und der Rolle der Frauen in dieser Zeit auseinanderzusetzen. Während am Sonntag die Erinnerung an einen zentralen Akteur des Widerstands im Fokus steht, beleuchtet am Montag die historische Dimension der Sippenhaft und der Beteiligung von Ehefrauen am Umsturzversuch.
Am kommenden Sonntag, 19. Juli, trifft sich die Öffentlichkeit um 11 Uhr am Turm des ehemaligen Reichsarchivs auf dem Brauhausberg. An diesem Ort, an dem Friedrich von Rabenau von 1936 bis 1942 als Chef der Heeresarchive tätig war, findet eine von der CDU Potsdam organisierte Gedenkstunde statt. Rabenau, ein General der Artillerie, spielte eine Schlüsselrolle im militärischen Widerstand und war Verbindungsmann zwischen Ludwig Beck und Carl Friedrich Goerdeler. Bereits ab 1936 setzte er sich dafür ein, das Heeresarchiv vor einer ideologischen Verfälschung durch die Nationalsozialisten zu bewahren, was ihn zunehmend in Konflikt mit dem Regime brachte. Seine Haltung festigte er weiter, als er 1942 Theologie studierte und 1943 promovierte, um sich ethisch gegen die NS-Diktatur zu positionieren.
„Die Erinnerung an den Widerstand des 20. Juli 1944 ist heute immer noch wichtig, weil sie zeigt, dass die nationalsozialistische Diktatur nicht von allen Deutschen widerspruchslos hingenommen wurde“, betonte Oberbürgermeisterin Noosha Aubel. Die Stadtoberhauptin wird an der Veranstaltung teilnehmen. Sie wies darauf hin, dass viele Widerstandskämpfer erst spät zum Widerstand fanden und teils antidemokratische Vorstellungen teilten. „Gerade diese Widersprüche machen die Erinnerung wertvoll: Widerstand entsteht nicht immer aus moralischer Klarheit von Anfang an, sondern manchmal aus einem schmerzhaften Prozess des Erkennens, Zweifelns und Handelns. Das verdient unseren Respekt“, so Aubel. Zu den Gästen zählen auch Familienangehörige der Rabenaus. Friedrich von Rabenau wurde im April 1945, kurz vor Kriegsende, im KZ Flossenbürg ohne Verfahren ermordet.
Frauen im Widerstand und Sippenhaft
Am Montag, 20. Juli, rückt ab 17 Uhr das Frauenzentrum Am Alten Markt die oft übersehene Rolle der Frauen in den Fokus. Die Historikerin Juliane Kucharzewski wird in einer Veranstaltung über die Bedeutung von Ehefrauen im NS-Widerstand berichten. Anhand konkreter Biografien wie Clarita von Trott zu Solz, Rosemarie Reichwein und Ilse-Lotte von Hofacker wird aufgezeigt, wie diese Frauen zum Widerstand fanden und ihr Leben riskierten.
Clarita von Trott zu Solz, Ehefrau des Attentäters Adam von Trott, wurde nach dem gescheiterten Umsturzversuch in Sippenhaft genommen und verbrachte Monate in verschiedenen Konzentrationslagern, bevor sie überlebte. Später wurde sie als Psychoanalytikerin tätig. Ähnlich wie sie litten auch die anderen Ehefrauen unter der brutalen Verfolgung durch die Nationalsozialisten, die nicht nur die Attentäter, sondern auch deren Familien in Sippenhaft nahmen. Die Veranstaltung zeigt, welchen Anteil diese Frauen am geplanten Umsturz hatten und wie sie trotz der Gefahr weiterarbeiteten.
Um einen Bogen in die Gegenwart zu spannen, wird die Journalistin Ruth Hoffmann als Gesprächspartnerin erwartet. Sie ist Autorin des Buches „Raubzug von rechts. Familie, Freiheit, Widerstand. Wie die Rechte unsere Werte kapert und für ihre Zwecke missbraucht“, das aktuelle Debatten über die Instrumentalisierung demokratischer Werte durch rechte Bewegungen thematisiert. Die Moderation der Veranstaltung im Frauenzentrum übernimmt die Redakteurin Stefanie Schuster im Auftrag der Stadt Potsdam.
Das Attentat vom 20. Juli 1944, verübt von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, ging als eines der wichtigsten Ereignisse der deutschen Geschichte in die Annalen ein. Obwohl der Diktator überlebte und der Umsturzversuch scheiterte, bleibt das Gedenken an das breite Netzwerk aus Militär, Verwaltung, Kirchen und bürgerlichen Kreisen, die ihr Leben für den Widerstand einsetzten, von zentraler Bedeutung für das demokratische Selbstverständnis.