Deetzer Kriegerdenkmal vereint nun alle 126 Namen der Gefallenen beider Weltkriege
Das Kriegerdenkmal in Deetz vereint nun alle 126 Namen der Gefallenen aus beiden Weltkriegen auf einer einzigen Gedenktafel
Ein Mahnmal mit wechselvoller Geschichte
Am 5. August 1914 hielt der Deetzer Pfarrer Karl Niedlich die Aussegnungspredigt für etwas mehr als 40 Männer aus dem Ort, die gleich nach Ausbruch der Kampfhandlungen in den Ersten Weltkrieg zogen. Der Verlust traf die kleine Gemeinde schnell und hart: Bereits im ersten Jahr fielen der Sohn des Nachtwächters Zinne, der Arbeiter Hermann Böttge, der Briefträger Albert Wendel und der Arbeiter Karl Döring. Weitere Deetzer wurden vermisst oder gerieten in Gefangenschaft, wie der Töpfer Herrmann oder der Maurerpolier Lippert, der als Kriegsgefangener nach Sibirien verschleppt worden war.
Am Ende des Konflikts mussten in den vier Kriegsjahren mehr als 200 Deetzer zur Waffe greifen. 44 Männer starben, vier blieben vermisst. Als Antwort auf dieses Leid wurde auf Initiative von Pfarrer Niedlich am 9. Oktober 1921 vor der feldsteinernen Dorfkirche ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Geschaffen hatte es Steinmetzmeister Fuhr aus Brandenburg. Die ursprüngliche Gedenktafel trug neben den Namen der Gefallenen den Spruch: „Sie gaben ihr alles, ihr Leben, ihr Blut, sie gaben es hin mit fröhlichem Mut – für uns.“
Wandel in der DDR und nach der Wende
In den Jahren der DDR verschwand die Tafel, und der Kalkstein-Quader des Denkmals fing langsam an zu bröckeln. Erst gleich nach der Wende setzten sich vor allem Hinterbliebene für die Wiederherstellung des Mahnmals ein. Die Gemeinde stellte schließlich 1996 10.000 DM in den Haushalt, um das Denkmal komplett abtragen und durch zwei ortsansässige Maurer wieder aufbauen zu lassen.
Die neue schwarze Marmor-Tafel erhielt einen neuen, umfassenderen Spruch: „Zum Gedenken an die Toten beider Weltkriege. 1914-1918 und 1939-1945. Den Toten zur Ehre – den Lebenden zur Mahnung“. Zugleich wurde die zerborstene Schale des Denkmals durch eine Kugel ersetzt. Zwei Jahre später wurde auch die Einfassung des Denkmals wieder in Ordnung gebracht.
Die heutige Fassung
Doch auch dieser Zustand hielt nicht lange. Die Tafel lockerte sich schon bald, und die Deetzer entschieden sich schließlich für eine erneute Neugestaltung. Dieses Mal sollten alle Namen in einer einzigen Tafel vereint werden. Heute trägt die Gedenktafel die 48 Namen der Toten des Ersten Weltkrieges und die 78 des Zweiten Weltkrieges. Insgesamt sind damit 126 Gefallene aus Deetz verzeichnet.
Das Denkmal steht vor der Dorfkirche, einem mittelalterlichen Feldsteinbau, der 1901/02 unter Architekt Ludwig von Tiedemann umfassend umgebaut wurde. Der Ortsteil Deetz, der 1193 erstmals urkundlich erwähnt wurde und bis 1542 zum Zisterzienserkloster Lehnin gehörte, hat heute rund 891 Einwohner. Inzwischen kann sich das Deetzer Kriegerdenkmal in seiner aktuellen Form wieder sehen lassen und dient als bleibende Erinnerung an die vielen Leben, die in den beiden Weltkriegen verloren gingen.