Achim Türklitz wandelt historische Möbelmanufaktur in moderne Passage um
Achim Türklitz ließ die alte Möbelmanufaktur Ende der 1990er‑Jahre sanieren und daraus die Türklitz‑Passage als modernen Treffpunkt entstehen
Im Jahre 1871 gründete der Tischlermeister Albert Türklitz eine kleine Tischlerei in der Steinstraße von Brandenburg an der Havel. Zwölf Jahre später, 1883, erweiterte er sein Handwerk um ein Fabrikgebäude, das 1870 im Hinterhof des späteren Hauses Neustädter Markt 8 errichtet worden war. 1892 erwarb er das gesamte Anwesen, das zur Keimzelle des Möbelhauses Türklitz wurde.
Familienerweiterung und erste Expansion
Nach dem Tod seines Onkels Karl Türklitz, einem regionalen Möbelhändler, übernahm Albert das erweiterte Geschäft und stellte die Belegschaft auf rund 50 Mitarbeiter um. Sein Neffe Emil Türklitz (1871‑1956) setzte die Expansion fort und baute die einstige Seidenfabrik zu einer modernen Möbelfabrik aus.
Kriegsproduktion und weitere Entwicklungen
Während des Ersten Weltkriegs stellte die Fabrik Flugzeugflügel her – ein ungewöhnlicher Einsprung in die Rüstungsproduktion, der in lokalen Luftfahrtarchiven dokumentiert ist. 1932 übernahm der damals 21‑jährige Arno Türklitz (1911‑1993) das Unternehmen. Unter seiner Leitung entstanden neben Wohn- und Speisezimmermöbeln weitere Werkstätten für Tischlerei, Drechseln, Bildhauerei, Tapezierung und Dekoration.
1935 heiratete Arno Gertrud Hübner, die einzige Tochter des Berliner Möbelhändlers Karl Hübner, und übernahm nach dem Tod des Schwiegervaters 1945 die Leitung von Möbel‑Hübner. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Brandenburg Feldbetten und Munitionskisten gefertigt; nach Kriegsende demontierten die Besatzer die Fabrik.
Zwangsverwaltung und Nachkriegszeit
Im Zuge der Währungsreform 1948 geriet das Werk in die sowjetische Besatzungszone. 1952 wurde die Brandenburger Fabrik unter Zwangsverwaltung gestellt, wobei das Unternehmen weiterhin Möbel produzierte, jedoch unter staatlicher Aufsicht.
Sanierung und heutige Nutzung
Ende der 1990er‑Jahre investierte Achim Türklitz, Nachfolger der Familie, rund 3,5 Millionen DM in die Sanierung der beiden fünfgeschossigen Industriegebäude auf der Rückseite des Hauses Neustädter Markt 8. 1999/2000 entstand daraus die „Türklitz‑Passage“, die über dem Eingang des Gebäudes angebracht ist.
„Mit der Sanierung wollten wir nicht nur das historische Erbe bewahren, sondern auch einen modernen Treffpunkt für die Stadt schaffen“, erklärte Achim Türklitz im Interview 2024.
2021 verkaufte die Familie das Anwesen an eine Berliner Firma, die die Passage weiterhin betreibt. Die Türklitz‑Passage bleibt damit ein lebendiges Zeugnis über mehr als ein Jahrhundert Handwerksgeschichte, Familienzusammenhalt und wirtschaftliche Wandlungsfähigkeit in Brandenburg an der Havel.