Patient aus geschlossener Klinik entwischt und legt Brand im Gördenwald
Ein Patient der geschlossenen Station P3 der Asklepios Fachklinik Brandenburg entwich und legte gemeinsam mit einem weiteren Mann einen Brand im Gördenwald
Gestern noch gestohlen, heute bereits ein Brand im Wald: Die Polizei in Brandenburg an der Havel musste am Donnerstagmittag einen ungewöhnlichen Einsatz in der Nähe des ehemaligen Schießplatzes im Gördenwald bewältigen. Gegen 14 Uhr ging ein Notruf ein, der von einem Waldbrand in der Nähe des Gördensees handelte. Die Alarmierung wurde kurz darauf von „Brand Klein“ auf „Groß“ hochgestuft, doch dank des schnellen Handelns von Zeugen, die sofort erste Löschmaßnahmen einleiteten, konnte die Flammenfront auf einer Fläche von etwa 200 Quadratmetern rasch unter Kontrolle gebracht werden.
Was sich im Nachhinein als Brandursache entpuppte, ist selbst für die erfahrensten Beamten ein seltenes Szenario. Zum Zeitpunkt des Einsatzes waren die Polizisten bereits in der Umgebung des Gördensees unterwegs, um nach einem vermissten Mann zu suchen. Es handelte sich um einen 33-Jährigen, der der geschlossenen Station P3 der Asklepios Fachklinik Brandenburg abgängig war. Diese Station ist eine Einrichtung für Akutpsychiatrie und Krisenintervention, in der Patienten untergebracht sind, die sich selbst oder anderen gefährlich werden könnten.
Ein Täter mit Vorstrafen
Der 33-Jährige war für die Polizei kein Unbekannter. Bereits am Vortag, am Mittwochvormittag, war er in der Hauptstraße in Brandenburg bei einem Diebstahl von Wertgegenständen aufgefallen. Er wurde auf dem Packhof von Beamten gestellt und vorläufig festgenommen. Nach der gerichtlichen Entscheidung zur Unterbringung wurde er in die geschlossene Station P3 der Klinik verlegt, die sich an der Anton-Saefkow-Allee befindet. Wie er aus dieser sicherheitsüberwachten Einrichtung entkommen konnte, ist derzeit noch völlig unklar und wirft Fragen zur Sicherheitskonzeption auf.
Verrußte Finger als Indiz
Die Suche nach dem Vermissten wurde von der Polizei mit Suchhunden intensiviert. Das Ergebnis war verblüffend: Die Beamten stießen nicht nur auf den 33-Jährigen, sondern auch auf einen weiteren Mann, einen 28-jährigen Obdachlosen, in unmittelbarer Nähe der Brandstelle. Beide trugen deutliche Spuren der Tat an sich. Die Einsatzkräfte fanden den 33-Jährigen und den weiteren Mann mit verrußten Fingern in der Nähe der Brandstelle.
Nach ersten Ermittlungen stehen beide Männer nun im Tatverdacht, den Brand gelegt zu haben. Die Kriminaltechnik war vor Ort, um Spuren zu sichern und den Hergang zu rekonstruieren. Die Entweichung aus einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung und die anschließende Brandstiftung in einem Naherholungsgebiet verdeutlichen die Dringlichkeit, den Vorfall aufzuklären.
Ungeklärte Sicherheitslücke
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitsvorkehrungen in der Klinik. Die Station P3 ist speziell für Kriseninterventionen ausgelegt, wo Patienten unter strenger Aufsicht behandelt werden. Dass ein Patient, der gerichtlich zur Unterbringung veranlasst wurde, unbemerkt die Einrichtung verlassen und einen Waldbrand legen konnte, ist ein schwerwiegender Sicherheitsvorfall. Die Polizei ermittelt nun weiter, um den genauen Weg des Entkommens und die Umstände der Brandstiftung vollständig aufzuklären. Der Gördenwald, ein beliebtes Ausflugsziel mit historischen Spuren wie dem ehemaligen Schießplatz, war durch das Feuer kurzzeitig gefährdet, konnte aber dank der schnellen Reaktion der Öffentlichkeit und der Feuerwehr vor größeren Schäden bewahrt werden.