OVGU leitet Landesinitiative für Forschungsdaten

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg übernimmt ab sofort die Koordination des Forschungsdatenmanagements für alle Hochschulen in Sachsen-Anhalt. Mit 500.000 Euro Fördermitteln soll bis 2029 eine zentrale Infrastruktur entstehen, die Insellösungen verhindert

OVGU leitet Landesinitiative für Forschungsdaten
Symbolfoto · Foto: Julia Taubitz / Unsplash

Die Otto-von-Guericke-Universität (OVGU) in Magdeburg übernimmt ab sofort eine zentrale Rolle für die Wissenschaft im Land: Sie wird zum Knotenpunkt für das Forschungsdatenmanagement in Sachsen-Anhalt. Das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes hat der Universität am 20. Juli 2026 offiziell Fördermittel in Höhe von 500.000 Euro übergeben. Damit soll bis Ende 2029 eine landesweite Koordinierungsstelle aufgebaut werden, die die Hochschulen des Bundeslandes dabei unterstützt, ihre Datenstrategien zu professionalisieren.

Bedarf ermitteln und Lösungen entwickeln

Das Ziel der neuen Landesinitiative ist es, die Strukturen für den Umgang mit Forschungsdaten über die einzelnen Fachbereiche und Hochschulen hinweg zu vernetzen. Zunächst gilt es, den spezifischen Bedarf in Sachsen-Anhalt zu ermitteln. Darauf aufbauend sollen gemeinsame, landesweite Lösungen für die Speicherung, Dokumentation und den Schutz von Forschungsdaten entwickelt werden.

Staatssekretär Thomas Wünsch hob bei der Übergabe der Gelder die Bedeutung des Themas hervor. Der Jurist, der seit 2021 das Ministerium als Amtschef leitet, unterstrich, dass Forschungsdaten entscheidend für Qualität, Transparenz und internationale Anschlussfähigkeit der Forschung seien. Mit der Gründung der Landesinitiative und der Ansiedlung der Koordinierungsstelle an der OVGU werde die Grundlage geschaffen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden und die Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen zu stärken.

Schutz vor Insellösungen und Doppelarbeit

Forschungsdaten gelten als der Rohstoff moderner Wissenschaft. Sie entstehen in vielfältigen Formen – von medizinischen Studien über technische Messreihen und Simulationen bis hin zu sozialwissenschaftlichen Befragungen. Werden diese Daten einheitlich dokumentiert und sicher gespeichert, lassen sich Ergebnisse besser überprüfen, Daten wiederholt nutzen und Erkenntnisse schneller generieren.

Bislang entwickelten die Hochschulen in Sachsen-Anhalt ihre Strukturen weitgehend eigenständig. Dies birge jedoch die Gefahr von Insellösungen, Doppelarbeit und unterschiedlichen Qualitätsstandards, warnte die IT-Kommission der Hochschulen des Landes (IT-KOM LSA). Diese Kommission treibt die neue Landesinitiative voran. OVGU-Rektor Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan erklärte, dass über diesen strukturierten Prozess des Forschungsdatenmanagements aufwändig erhobene wissenschaftliche Daten Forscherinnen und Forschern weltweit zur Nutzung zur Verfügung gestellt werden.

Ohne verlässliche Strukturen drohten den Hochschulen im bundesweiten und internationalen Wettbewerb um Fördermittel, Fachkräfte und Kooperationen Rückstände. Immer mehr Fördermittelgeber verlangten inzwischen detaillierte Angaben dazu, wie Daten erhoben, dokumentiert und langfristig gesichert werden. Die neue Koordinierungsstelle soll auch beim Datenschutz, bei Lizenzfragen und der Durchsetzung von Standards unterstützen, um Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Infrastruktur und nationale Vernetzung

Eine zentrale Koordination ermöglicht es, die Aufgaben effizient über die Landeshochschulen zu verteilen und gemeinsam landesweite Angebote zu schaffen. Als technische Basis wird zukünftig das neue Rechenzentrum Campus LSA in Barleben dienen. Dieses Projekt der Landesregierung, das bereits 2025 sein Richtfest feierte, soll die IT-Sicherheit und Rechenleistung für alle Hochschulen bündeln und Schutz vor Cyberangriffen bieten.

Die neue Struktur soll die sachsen-anhaltischen Hochschulen zudem enger mit der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) verbinden. Dadurch werden Forschungsergebnisse aus dem Land sichtbarer, besser nutzbar und leichter mit Partnern aus Wissenschaft, Medizin, Wirtschaft und Gesellschaft verknüpft.

Erst im Juli 2026 hatte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern beschlossen, die NFDI langfristig mit rund 98,7 Millionen Euro jährlich bis Ende 2038 weiter zu fördern. Diese verlässliche Perspektive erlaubt es der NFDI, sich als deutschlandweite Anlaufstelle weiterzuentwickeln. Die FDM-Landesinitiative in Sachsen-Anhalt schafft nun die notwendige lokale Grundlage, damit die Hochschulen des Landes von dieser nationalen Infrastruktur optimal profitieren können.