Oberverwaltungsgericht kippt Plan für Red Bull Dosenwerk in Baruth wegen Lärmschutz

Das Oberverwaltungsgericht hat den Bebauungsplan für das Red-Bull-Dosenwerk in Baruth wegen unzureichender Lärmschutzvorgaben gekippt, was den Baubeginn um ein Jahr auf 2028 verschiebt

Oberverwaltungsgericht kippt Plan für Red Bull Dosenwerk in Baruth wegen Lärmschutz
Symbolfoto · Foto: Julian Zwengel / Unsplash

Der Bau des geplanten Dosenwerks für Red Bull in Baruth/Mark steht vor einer erheblichen Verzögerung. Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Berlin-Brandenburg muss der Start des Projekts nun um ein Jahr verschoben werden. Während der Baubeginn ursprünglich für das vierte Quartal dieses Jahres angesetzt war, rechnen die Beteiligten nun mit einem Start im Jahr 2028. Der Grund für den Stopp liegt nicht in den umstrittenen Wasseraspekten, sondern in formellen Mängeln des bisherigen Bebauungsplans.

Gericht kippt Plan wegen Lärmvorgaben

Das Oberverwaltungsgericht hatte den Bebauungsplan am 20. Februar 2026 für vorläufig nicht vollziehbar erklärt. Im Zentrum des Rechtsstreits standen dabei nicht die Bedenken gegen die Grundwasserentnahme, sondern unzureichende Vorgaben zur Lärmbegrenzung. Die Klage war von der Grünen Liga Brandenburg eingereicht worden, die mit dem Urteil einen wichtigen Erfolg verbuchen konnte. Die Umweltorganisation hatte sich speziell gegen den vorzeitigen Baubeginn und die damit verbundene Rodung von 17 Hektar Kiefernwald gewehrt.

Trotz des juristischen Rückschlags bleiben die Unternehmen Red Bull und der Safthersteller Rauch zuversichtlich. Die Unternehmen bestätigen das Ziel eines Betriebsstarts im Jahr 2028. Die Investitionssumme bewegt sich weiterhin im dreistelligen Millionenbereich. Geplant ist neben dem Dosenwerk auch eine große Logistikhalle.

Streit um Grundwasser und Wald

Hintergrund der langanhaltenden Kontroverse ist die enorme Menge an Wasser, die die Industrie in der Region verbraucht. Red Bull und Rauch planen, jährlich rund 2,35 Millionen Kubikmeter Grundwasser zu entnehmen. Zum Vergleich: Die Tesla-Fabrik in Grünheide verzeichnete im Jahr 2024 einen Verbrauch von 1,8 Millionen Kubikmetern. Brandenburg gehört laut wissenschaftlichen Studien, unter anderem der Universität Potsdam, bundesweit zu den Regionen mit der geringsten Neubildung von Grundwasser.

Ein Ressourcenbündnis in Baruth kritisiert scharf, dass hochwertiges Urstromtal-Grundwasser entnommen, in Energydrinks verwandelt und in Aluminiumdosen abgefüllt werde, um dann in ganz Nord- und Osteuropa exportiert zu werden. Die Angst vor Wasserknappheit für die lokale Bevölkerung wächst, zumal auch die Ansiedlung eines großen Rechenzentrums von Amazon Web Services (AWS) in der Nähe geplant ist.

Bürgermeister Ilk scheidet aus

Der langjährige Bürgermeister von Baruth/Mark, Peter Ilk, hat das Projekt über mehr als drei Jahrzehnte begleitet. Im August 2026 wird er nach über 33 Jahren im Amt verabschiedet. Sein Nachfolger, der bereits im Mai 2026 gewählt wurde, muss nun den neuen Bebauungsplan finalisieren. Ilk schätzt, dass das Verfahren zur Erarbeitung des neuen Plans im Herbst 2026 abgeschlossen sein könnte, was dann das notwendige Baurecht schaffen würde.

Ein neues Wassergutachten hält die Stadtverwaltung für nicht erforderlich. Das Landesumweltamt bestätigte auf Anfrage, dass keine Anzeichen einer Übernutzung der dynamischen Grundwasservorräte vorliegen. Red Bull betont zudem, dass für das neue Dosenwerk kein zusätzliches Wasser benötigt werde, da der Bedarf durch gereinigtes Abwasser gedeckt werden soll.

Logistik und neue Herausforderungen

Für den Dosenhersteller Ball Deutschland bedeutet die Verzögerung logistische Mehrkosten, da die leeren Aluminiumdosen derzeit noch aus dem Süden nach Baruth transportiert werden müssen, statt vor Ort produziert zu werden. Künftig sollen diese direkt vor Ort hergestellt werden, um die Transportwege zu verkürzen.

Doch die Hürden sind noch nicht vollständig genommen. Der neue Entwurf des Bebauungsplans befindet sich in der öffentlichen Auslegung, und Bürger können Stellungnahmen einreichen. Der scheidende Bürgermeister Ilk warnte davor, dass neue Klagen nicht ausgeschlossen werden können, da die Positionen zwischen den Unternehmen und den Umweltschützern weiterhin weit auseinandergehen.