Magdeburger Projekt Lebensraum hilft über 100 Jugendlichen beim Weg in ein eigenes Zuhause
Das Magdeburger Projekt LebensRaum hat seit 2023 bereits über 100 junge Menschen bei der Vermeidung oder Beendigung von Wohnungslosigkeit unterstützt
Mit dem Projekt „LebensRaum“ hat die Landeshauptstadt Magdeburg jungen Menschen im Alter von 14 bis 26 Jahren eine wichtige Stütze in schwierigen Lebenslagen geboten. Seit dem Start im Jahr 2023 wurden bereits mehr als 100 Personen begleitet, die von Wohnungsnot bedroht waren oder bereits obdachlos geworden sind. Ziel ist es, diese Gruppe nicht durchs Raster fallen zu lassen, sondern ihnen den Weg in ein sicheres und selbstbestimmtes Zuhause zu ebnen.
Eigenständigkeit braucht Grundlagen
„Eigenständigkeit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie braucht stabile Grundlagen wie Wohnraum, Einkommen, Bildung und soziale Netzwerke“, betont Dr. Ingo Gottschalk, der seit Juni 2023 als Sozialbeigeordneter für Soziales, Jugend und Gesundheit in Magdeburg amtiert. Das Projekt ist ein zentraler Baustein der kommunalen Gesamtstrategie, die bis 2030 die Prävention und Beendigung von Wohnungslosigkeit anstrebt. Diese lokale Planung orientiert sich am Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf sogenannten „Care Leavern“ – jungen Menschen, die die stationäre Jugendhilfe verlassen – sowie auf „entkoppelten“ Jugendlichen, die bestehende institutionelle Hilfsangebote oft nicht mehr erreichen. Für diese Zielgruppe sind niedrigschwellige Zugänge entscheidend, um eine Verschlimmerung der Lage zu verhindern, noch bevor eine Obdachlosigkeit eintritt.
Ein Ort der Begegnung und praktische Hilfe
Gemeinsam mit der Outlaw gGmbH, die in Magdeburg seit Jahren im Bereich Stadtteilarbeit und Jugendberufshilfe aktiv ist, betreibt die Stadt das Projekt. Die offene Anlaufstelle in der Raiffeisenstraße hat sich als beliebter Treffpunkt etabliert. Dort finden die jungen Menschen geschützte Räume für Beratungsgespräche und können sich unkompliziert austauschen.
Neben den persönlichen Gesprächen bietet die Einrichtung eine wichtige Infrastruktur für den Alltag:
- Gemeinschaftliches Kochen
- Zugang zu Computern und Druckern
- Sanitäre Einrichtungen wie Duschen
- Waschmaschinen
- Eine Kleiderkammer
Diese Angebote sind speziell darauf ausgelegt, Menschen zu erreichen, die sich sonst kaum im Hilfesystem bewegen. „Manchmal brauchen junge Menschen einen Mittler zwischen der Gesellschaft und ihrer Lebenswelt. Dabei helfen wir gern“, erklärt Projektmitarbeiter Andreas John.
Vom Wohnungsführerschein bis zum Case Management
Ein besonderes Highlight des Angebots ist der sogenannte „Wohnungsführerschein“. In sieben Modulen lernen die Teilnehmenden alles Wichtige rund ums Wohnen. Das Curriculum reicht von der aktiven Wohnungssuche über das Verständnis von Mietverträgen und laufenden Kosten bis hin zum friedlichen Zusammenleben mit der Nachbarschaft.
Das Herzstück des Projekts bleibt jedoch das individuelle Case Management. Gemeinsam mit den Fachkräften entwickeln die jungen Menschen persönliche Lösungswege und setzen konkrete Schritte um. „Wenn junge Menschen freiwillig bei uns ankommen und um Hilfe bitten, sind sie bereit, Dinge zu verändern. Diesen Moment müssen wir nutzen“, sagt Projektmitarbeiterin Katharina Bertram.
Die Unterstützung umfasst dabei weit mehr als nur die Suche nach vier Wänden. Die Mitarbeitenden helfen bei der Klärung von Leistungsansprüchen, der Vermittlung in soziale Wohneinrichtungen, der Beschaffung wichtiger Dokumente sowie bei gesundheitlichen und finanziellen Fragen. Die Begleitung setzt sich fort, sobald der Einzug erfolgt, um den Start in das neue Leben abzusichern.
Förderung durch Bund und EU
Das Projekt „LebensRaum“ wird im Rahmen des Bundesprogramms „JUGEND STÄRKEN: Brücken in die Eigenständigkeit“ finanziell gestützt. Gefördert wird die Maßnahme durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus). Damit wird die lokale Strategie in Magdeburg in einen übergeordneten, bundesweiten Ansatz eingebettet, der darauf abzielt, jungen Menschen dauerhaft Perspektiven zu eröffnen.