Linke führt vor CDU mit neuem Kandidaten Evers in Berlin-Umfrage
Die Linke führt in einer aktuellen Infratest-dimap-Umfrage vor der CDU mit neuem Spitzenkandidaten Stefan Evers, die Union liegt bei 20 Prozent
Berlin: Linke führt vor CDU mit neuem Kandidaten Evers
Die Berliner Politik steht kurz vor der entscheidenden Phase der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September 2026. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap zeigt, dass sich die Wählergunst in der Hauptstadt erneut verschoben hat. Die Linke führt die Liste mit 22 Prozent an (+2 Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwoche) und bleibt damit die stärkste Kraft. Die CDU, die mit ihrem neuen Spitzenkandidaten Stefan Evers antritt, liegt mit 20 Prozent (+3 Prozentpunkte) auf Platz zwei. Damit hat die Union nach dem Rücktritt des bisherigen Kandidaten Kai Wegner wieder deutlich an Boden gewonnen, bleibt aber hinter der Linken zurück.
Auf den weiteren Plätzen folgen die Grünen mit 17 Prozent (-2) und die AfD mit 16 Prozent (-2). Die SPD kommt auf 12 Prozent (-1). Beide kleineren Parteien, FDP und BSW, würden mit jeweils 3 Prozent die 5-Prozent-Hürde nicht überwinden und blieben somit im Abgeordnetenhaus ohne Mandat. Diese Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung von 1.147 Berlinerinnen und Berlinern, die zwischen dem 13. und 15. Juli 2026 telefonisch und online durchgeführt wurde.
Neue Dynamik nach Wegners Rücktritt
Der Wechsel an der Spitze der Berliner CDU hat die politische Landschaft deutlich verändert. Der amtierende Regierende Bürgermeister Kai Wegner hatte am 10. Juli 2026, nur zehn Wochen vor der Wahl, seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt gegeben. Hintergrund ist die sogenannte „Tennis-Gate“-Affäre aus dem Januar 2026, bei der Wegner während eines wochenlangen Stromausfalls in Teilen Berlins Tennis gespielt hatte. Dieser Vorfall wurde von vielen Bürgern als Vertrauensbruch gewertet und belastete die CDU-Wählergunst nachhaltig.
Die Reaktion der Bevölkerung auf Wegners Rücktritt ist überwiegend positiv. Laut der aktuellen Umfrage finden 77 Prozent der Befragten es richtig, dass der Bürgermeister nicht mehr als Spitzenkandidat antritt. Mit Stefan Evers hat die CDU nun einen neuen Anführer gewählt, der als pragmatischer Macher gilt und die Partei von den Imageproblemen des Vorgängers distanzieren soll. Evers, geboren 1979, ist derzeit Finanz- und Kultursenator sowie ehemaliger Generalsekretär der CDU Berlin (2016–2023). Sein Wechsel an die Spitze der Kandidatenliste scheint bereits Früchte zu tragen, da die Union im Vergleich zur April-Umfrage (damals 17 Prozent) nun wieder auf 20 Prozent zulegen konnte.
Koalitionsrechnungen und Unsicherheiten
Trotz der klaren Verteilung der Stimmen ist die Bildung einer Regierung nach der Wahl weiterhin komplex. Da die AfD mit 16 Prozent zwar stark ist, aber von den anderen Parteien als Koalitionspartner ausgeschlossen wird, bleiben nur wenige Konstellationen übrig. Theoretisch möglich wären ein Bündnis aus SPD, Grünen und CDU („Rot-Grün-Schwarz“) oder ein Dreierbündnis aus SPD, Linken und Grünen („Rot-Rot-Grün“). Beide Optionen wären ohne die AfD regierungsfähig.
Die Wahlentscheidung steht jedoch für viele Berliner noch nicht fest. Nur 49 Prozent der Befragten haben ihre Entscheidung bereits getroffen, was die Dynamik in den letzten Wochen vor dem 20. September noch offen lässt. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet, da nachlassende Parteibindungen und kurzfristige Entscheidungen die Prognose erschweren. Die aktuellen Zahlen spiegeln daher lediglich das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Garantie für den finalen Wahlausgang.