Kai Wegner nimmt mit Senatstruck am Berliner CSD unter dem Motto Haltung ist hot teil
Über 100.000 Menschen werden am 25. Juli zum Berliner CSD erwartet, bei dem Regierender Bürgermeister Kai Wegner erstmals mit einem Senatstruck teilnimmt
Berliner CSD-Parade für Demokratie: «Haltung ist hot»
Zehntausende, nach Schätzungen der Veranstalter sogar mehr als 100.000 Menschen, werden am 25. Juli erwartet, wenn die große Parade zum Christopher Street Day (CSD) durch Berlin zieht. Mit 83 Wagen und 55 Fußgruppen soll die Demonstration erneut zu einem der größten ihrer Art in ganz Europa werden. Im Mittelpunkt steht diesmal nicht nur das Feiern, sondern eine klare politische Botschaft unter dem Motto: „Haltung ist hot“. Der Berliner CSD verbindet dabei queere Sichtbarkeit mit einem festen Bekenntnis zu Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
Ein neues Vorprogramm und politische Weichenstellung
Wenige Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 richtet sich der Aufruf des CSD explizit an die Bevölkerung, Haltung zu zeigen – im Alltag, auf der Straße und an der Wahlurne. Die Kampagne reagiert auf zunehmende Anfeindungen gegen queere Menschen, gesellschaftliche Polarisierung und den wachsenden Druck auf demokratische Werte. Als historisches Novum wird in diesem Jahr erstmals ein offizieller Drag March als Vorprogramm veranstaltet. Am Freitag, dem 24. Juli, ziehen die Teilnehmer zum Brandenburger Tor, wo ein eigenes Programm geplant ist. Dieses Format, inspiriert von New York, soll ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung setzen.
Am Samstag startet die eigentliche Parade um 11.30 Uhr mit dem offiziellen Startsignal auf Truck 1 in der Leipziger Straße. Die Route führt über den Potsdamer Platz, den Nollendorfplatz und den Lützowplatz bis zur Siegessäule. Den Abschluss bildet eine große Kundgebung am Brandenburger Tor, die mit einem umfangreichen Bühnenprogramm und einer Party gefeiert wird.
Wegner und die Kostenfrage
Unter den Teilnehmern sind in diesem Jahr auch wieder viele Parteien und Politiker vertreten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der erstmals mit einem eigenen Truck an der Parade teilnimmt. Auf dem doppelstöckigen Fahrzeug mit dem Motto „Regenbogenhauptstadt Berlin“ sollen Vertreter verschiedener Initiativen, Institutionen und des Regenbogen-Netzwerks der Berliner Verwaltung mitfahren.
Die Teilnahme des Bürgermeisters markiert eine Wende in den bisherigen Beziehungen zwischen Senat und CSD-Organisatoren, die in der Vergangenheit oft von Spannungen geprägt waren. Die Finanzierung des Senats-Trucks und der begleitenden Kampagne wird auf insgesamt 375.000 Euro geschätzt.
Von 400 auf Hunderttausende
Der Berliner CSD hat eine lange Geschichte, die einen deutlichen Wandel der Gesellschaft widerspiegelt. Der erste Christopher Street Day in Berlin fand 1979 statt und zog damals lediglich 400 Teilnehmer an. Heute ist die Veranstaltung zu einem Massenevent gewachsen, das jährlich im Juli stattfindet und als eine der größten Zusammenkünfte der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren Community in Europa gilt.
Die Wurzeln der Veranstaltung reichen bis zum Aufstand von 1969 in der Christopher Street in New York City zurück, bei dem sich vor allem schwule Menschen gegen Polizeigewalt zur Wehr setzten. Auch in Berlin dient der CSD heute als Erinnerung an diesen Kampf für Gleichberechtigung. Parallel zum großen CSD-Wochenende startet am selben Wochenende bereits das 32. Lesbisch-schwule Straßenfest in Schöneberg, das ebenfalls mit Tausenden von Besuchern gerechnet wird.