Liebenthaler Wildpferde trotzen Hitze und Starkregen
Die Liebenthaler Wildpferde trotzen extremen Wetterbedingungen und verzichten auf tierärztliche Versorgung, bleiben dabei aber erstaunlich robust
Drückende Hitze und heftige Niederschläge: Die Wildpferde in Liebenthal (Landkreis Oberhavel) kommen trotz dieser Wetterextreme gut durch den Sommer. „Die Liebenthaler sind sehr robuste und widerstandsfähige Pferde“, sagte Maj Luger, die Chefin der Stiftung Liebenthaler Pferdeherde. Es sei immer wieder erstaunlich, wie „zäh“ diese Tiere seien, auch wenn es im Herdenalltag manchmal etwas gröber zugehe.
Die Herde lebt wie freie Wildtiere in einem intakten Herdenverband. Diese Lebensweise, die soziale Struktur und die individuellen Rassemerkmale machen die Liebenthaler in Deutschland einzigartig. Seit Jahrzehnten versuchen die Verantwortlichen, die Rasse in ihrer ursprünglichen Wildheit zu erhalten, und greifen dabei so wenig wie möglich in die Zucht ein.
Einzigartiges Rückzüchtungsprojekt
Der Ursprung dieser besonderen Pferdeherde reicht bis in die 1960er Jahre zurück. Das Projekt wurde vom Verhaltensforscher Jürgen Zutz ins Leben gerufen, der ab 1960 Fjordpferde mit dem Ziel zurückzüchtete, den ausgestorbenen Waldtarpan wiederzubeleben. Seit 1966 lebt die Herde in Liebenthal. Auf einer Fläche von rund 100 Hektar – das entspricht etwa 100 Fußballfeldern – bewahrt die Stiftung unter der Leitung von Maj Luger die Rasse in ihrer natürlichen Struktur.
Die Tiere weisen typische Merkmale auf: Sie besitzen einen markanten Aalstrich, schwarze Hufe und einen Winter-Kinnbart. Mit einer Stockmaße von 130 bis 145 Zentimetern gelten sie als klein und gedrungen. Trotz fehlender tierärztlicher Versorgung wie Hufschmied oder Zahnarzt sind die Liebenthaler extrem robust. „Auch wenn man sich die alten Pferde ansieht, sie haben noch wahnsinnig gute Hufe und Zähne, obwohl sie nie in ihrem Leben einen Hufschmied oder Zahnarzt gesehen haben“, betonte Luger.
Besuche und Nutzung
Da die Flächen der Stiftung begrenzt sind, muss die Herdengröße reguliert werden. Jedes Jahr werden daher Tiere aus der Herde entnommen und verkauft. Die Rasse gilt als schwer zähmbar, weshalb die Ausbildung zu Reit-, Kutsch- und Therapiepferden seine Zeit braucht. Dennoch werden die Pferde auch für die Landschaftspflege eingesetzt, da sie als genügsam und robust bekannt sind.
Interessierte Besucher können die Herde ganzjährig besichtigen. Ein gut ausgeschilderter Rundweg führt vom nahegelegenen Haustierpark aus direkt zu den Tieren. Der Spaziergang dauert etwa zwei Stunden und bietet die Möglichkeit, die wildlebenden Pferde in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.