Klaus Wowereit eröffnet das 32. Lesbisch-schwule Stadtfest in Schöneberg mit Seyran Ateş
Ehemaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit eröffnet das 32. Lesbisch-schwule Stadtfest in Schöneberg gemeinsam mit der Rechtsanwältin Seyran Ateş
Eine Woche vor der großen Parade zum Christopher Street Day (CSD) in Berlin verwandelt sich Schöneberg am Wochenende erneut in das Herz der queeren Szene. Vom 18. bis 19. Juli 2026 feiert der sogenannte Regenbogenkiez rund um den Nollendorfplatz und die Motzstraße das 32. Lesbisch-schwule Stadtfest. Mit einer erwarteten Besucherzahl von über 350.000 Menschen gilt die Veranstaltung als eines der größten Antigewaltprojekte Europas und dient weit mehr als nur einer Party: Sie ist ein politischer Auftakt und ein Zeichen der Sichtbarkeit gegen Diskriminierung.
Historischer Ort der Freiheit
Das Festgelände am Nollendorfplatz ist historisch tief verwurzelt. In den 1920er-Jahren war dieser Platz das weltberühmte Zentrum der Berliner Schwulen- und Lesbenszene, angeführt von legendären Lokalen wie dem „Eldorado“. Diese Blütezeit wurde durch die NS-Diktatur brutal beendet, als die queere Kultur zerschlagen und verfolgt wurde. Die Wiederbelebung des Viertels als „Regenbogenkiez“ in den Jahrzehnten danach macht den Nollendorfplatz heute zu einem Symbol für den Widerstand und die Rückeroberung öffentlicher Räume für Minderheiten.
Programm und neue Erlebniswelten
Organisiert wird das Fest vom Regenbogenfonds e.V., der in diesem Jahr unter dem Motto „Gleiche Rechte für Ungleiche – Weltweit!“ steht. Dieses Thema reagiert direkt auf die aktuelle, oft bedrohliche globale Lage queerer Menschen. Auf dem weitläufigen Gelände warten sechs thematische Erlebniswelten auf die Gäste. Neu im Programm sind die „Flintawelt“ und die „Fetischwelt“, während die frühere Radiowelt entfällt.
Auf sechs Bühnen treten ab dem Vormittag Musiker und Künstler auf, begleitet von Reden und politischen Talkrunden. Fast alle Kneipen und Bars in den umliegenden Straßen haben geöffnet und stellen ihre Tresen vor die Türen. Sobald die Sonne untergeht, verwandeln sich die vollen Straßen in riesige Open-Air-Partys, die bis in die späten Stunden hineinfeiern.
Politische Schirmherrschaft und Diskurs
Die offizielle Eröffnung erfolgt am Samstagnachmittag durch den früheren Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der als Schirmherr fungiert. Seine Präsenz unterstreicht die langjährige Verbundenheit der Berliner Politik zur Szene. Im Anschluss an die Eröffnung diskutieren auf der Bühne prominente Persönlichkeiten über gesellschaftliche Herausforderungen.
Zu den Diskussionsgästen gehört die muslimische Frauenrechtlerin Seyran Ateş. Die 1963 geborene türkisch-kurdische Rechtsanwältin ist eine profilierte Stimme für den liberalen Islam. Ihr Engagement ist geprägt von persönlicher Erfahrung: 1984 wurde sie Opfer eines Mordanschlags der Grauen Wölfe, überlebte jedoch und gründete später, im Jahr 2017, die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee. Neben ihr diskutieren die Musikerin Luci van Org und die kurdische Transfrau Berfin Çelebi über Vielfalt und Rechte.
Strategischer Termin für ein „Doppel-Highlight“
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Events ist die strategische Terminverschiebung in den Juli. Das Stadtfest findet nun bewusst eine Woche vor dem eigentlichen CSD Berlin (24./25. Juli) statt. Diese Verschiebung schafft ein „queeres Doppel-Highlight“ für die Hauptstadt, das Besucher aus ganz Europa und der Welt anzieht. Durch die Bündelung der Events in zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden steigt die internationale Anziehungskraft und die politische Strahlkraft der Veranstaltungen erheblich. Das Lesbisch-schwule Stadtfest bleibt dabei der politische Kern, auf den die große Parade folgt.