Handwerkskammer Potsdam verzeichnet 473 neue Ausbildungsverträge – Plus 5,9 % gegenüber Vorjahr
Die Handwerkskammer Potsdam meldet bis zum 30. Juni 2026 473 neue Ausbildungsverträge, ein Plus von 5,9 % gegenüber dem Vorjahr
Die Sommerferien sind für viele Jugendliche und ihre Familien die letzte Chance, sich gezielt mit der Berufswahl auseinanderzusetzen. Während einige bereits einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben, nutzen andere die freie Zeit, um das Handwerk als mögliche Zukunftsperspektive zu prüfen.
Ausbildungszahlen im Kammerbezirk
Die Handwerkskammer Potsdam verzeichnet bis zum 30. Juni 2026 insgesamt 473 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge – ein Zuwachs von 26 Verträgen bzw. 5,9 % im Vergleich zum Vorjahr, das noch 447 Verträge gezählt hatte. Damit steigt die Gesamtzahl aller bestehenden Ausbildungsverhältnisse im Kammerbezirk auf 3.519. In der HWK‑Börse sind derzeit rund 900 freie Ausbildungsplätze und fast 800 Praktikumsstellen ausgeschrieben, sodass Interessierte in den Ferien gute Chancen haben, einen passenden Betrieb zu finden.
Bedeutung und Struktur der Handwerkskammer
Die Handwerkskammer Potsdam vertritt rund 17.400 Mitgliedsbetriebe mit mehr als 70.500 Beschäftigten in über 150 Gewerken. Damit bildet das Handwerk einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Brandenburg und bietet zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten für junge Menschen. Steffi Amelung, Abteilungsleiterin Berufsbildung, leitet seit mehreren Jahren die Ausbildungspolitik der Kammer. Sie hat zuvor in verschiedenen Ausbildungsbetrieben im Bau- und Elektrohandwerk gearbeitet und kennt die Anforderungen sowohl der Betriebe als auch der Auszubildenden aus erster Hand. Amelung betont, dass die duale Ausbildung im Handwerk nicht nur praxisnahe Fachkenntnisse vermittelt, sondern auch ein solides Fundament für spätere Weiterbildungen und Führungsaufgaben legt.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
Die fortschreitende Digitalisierung erreicht auch das Handwerk. Laut einer landesweiten Umfrage setzen bereits 30 % der Handwerksbetriebe in Brandenburg KI‑basierte Tools wie Chatbots oder Prognose‑Software ein, während 70 % bislang noch keine KI‑Anwendungen nutzen. Der Bildungs‑ und Innovationscampus Handwerk (BIH) in Götz unterstützt Betriebe dabei, digitale Technologien zu implementieren, und bietet Praxis‑Workshops zu KI‑Einsatzmöglichkeiten an. Amelung erklärt, dass Künstliche Intelligenz künftig viele Arbeitsabläufe erleichtern könne – etwa durch Datenanalyse oder Prozessoptimierung –, sie jedoch keine Menschen ersetze, die komplexe technische Systeme installieren, Präzisionsarbeiten an Fahrzeugen durchführen oder handwerkliches Können für barrierefreies Wohnen einsetzen.
Regionale Entwicklungen
Die größten Zuwächse bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichneten das Havelland (+11), die Prignitz (+8), Oberhavel (+7) und Potsdam‑Mittelmark (+6). Das Havelland, das zum Jahresende 2025 etwa 197 000 Einwohner zählte, profitiert von einer stabilen Wirtschaftslage und einer wachsenden Nachfrage nach Fachkräften im Bau‑ und Energie‑Sektor. Auch Potsdam (+1) und Brandenburg an der Havel (+3) konnten ihre Zahlen leicht steigern, während Teltow‑Fläming und Ostprignitz‑Ruppin jeweils um acht Verträge zurückgingen. Trotz der positiven Entwicklung weist die Kammer darauf hin, dass viele Betriebe weiterhin mit hohen Energiekosten, steigenden Lohnnebenkosten und administrativem Aufwand zu kämpfen haben.
Eltern und Jugendliche werden ermutigt, die Sommerferien zu nutzen, um gemeinsam die vielfältigen Ausbildungsangebote im Handwerk zu prüfen. Über die Havelblatt‑Jobbörse können Interessierte aktuelle Stellenanzeigen einsehen und direkt Kontakt zu potenziellen Ausbildungsbetrieben aufnehmen. Die Kombination aus praxisnaher Ausbildung, wachsender Digitalisierung und regionalen Wirtschaftsperspektiven macht das Handwerk zu einer attraktiven Option für die Berufswahl im Sommer.