Gladiolenweg bleibt Spielstraße, Tempo 30 fällt aus
Der Gladiolenweg auf dem Görden bleibt verkehrsberuhigter Bereich, da Oberbürgermeister Daniel Keip eine Umwandlung in eine Tempo-30-Zone abgelehnt hat
Der Gladiolenweg auf dem Görden bleibt verkehrsberuhigter Bereich. Die 16 bereits vorbereiteten Schilder für eine Tempo-30-Zone werden wieder entfernt. Das bestätigte die Stadtverwaltung Brandenburg an der Havel auf Anfrage des Havelblatt. Die finale Entscheidung traf Oberbürgermeister Daniel Keip am vergangenen Dienstag.
Streit um die Verkehrsberuhigung
Die geplante Umwandlung in eine Tempo-30-Zone war ursprünglich bereits im vergangenen Jahr von der Verwaltung angeordnet worden. Die Umsetzung sollte nun im Juli erfolgen. Hintergrund der ursprünglichen Planung war der Wunsch nach einer Geschwindigkeitsreduzierung, da Bürger in den vergangenen Jahren wiederholt Geschwindigkeitsverstöße gemeldet hatten. Die Verwaltung hatte daraufhin Messungen durchgeführt und Verstöße festgestellt.
Gleichzeitig formierte sich jedoch Widerspruch von anderen Anwohnern. Aus ihrer Sicht gibt es für die Spielstraße keinen Grund, weil die Straße baulich keine typische Mischfläche ist. Die Verwaltung musste zwischen diesen beiden Positionen abwägen. Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung geht bei innerstädtischen Straßen mit entsprechendem Ausbauzustand standardmäßig von 50 km/h aus. Eine Reduzierung auf 30 km/h oder die Ausweisung als verkehrsberuhigter Bereich ist nur in besonderen Bereichen möglich und stellt eine Ausnahme dar.
Der bauliche Zustand als Schlüsselfaktor
Laut Angaben der Stadtverwaltung ist der bauliche Zustand der Straße entscheidend für die nun getroffene Entscheidung. Der Gladiolenweg wurde 1993 im Rahmen des Bebauungsplans Nr. 2 „Wohn- und Gewerbepark Görden“ projektiert und später so ausgebaut wie der westlich gelegene Teil der Siedlung um den Veilchenweg. Ob man damals davon ausging, dass auch die deutlich älteren Nachbarstraßen später so ausgebaut würden, lässt sich nach Angaben der Stadt nicht mehr nachvollziehen.
Heute liegt der Gladiolenweg in einem Gebiet, in dem es sonst weder Fußwege noch Parkplätze vor den Grundstücken gibt. Bei der ursprünglichen verkehrsrechtlichen Anordnung wurde dieser Unterschied nicht berücksichtigt, das gesamte Gebiet wurde als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Die neue Beschilderung als Tempo-30-Zone hätte den Gladiolenweg damit in eine Insellage innerhalb eines ansonsten verkehrsberuhigten Bereichs gebracht.
Oberbürgermeister entscheidet nach Besichtigung
In der vergangenen Woche wandte sich erstmals ein Bürger direkt an den Oberbürgermeister. Daniel Keip, der am 2. März 2026 sein Amt angetreten hatte, sah sich den Gladiolenweg daraufhin am Freitag selbst an. Am Montag und Dienstag wurde der Fall in der Verwaltung erneut diskutiert und bewertet.
Drei Punkte gaben nach Angaben der Stadt den Ausschlag für den Verbleib als Spielstraße:
- In den vergangenen Jahren gab es dort kein nennenswertes Unfallgeschehen.
- Die Straße hat eine reine Erschließungsfunktion und wird maximal von Anwohnern sowie Liefer- und Entsorgungsverkehr genutzt.
- Die Beibehaltung des Status quo sichert die Gewohnheit der Verkehrsteilnehmer an den aktuellen Zustand.
Die Stadt betont, dass beide Varianten vertretbar gewesen wären. Für den Fortbestand der Spielstraße sprachen aus ihrer Sicht die verkehrliche Bedeutung, die bisherige Nutzung und die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer. Die 16 Schilder für die Tempo-30-Zone, die bereits vorbereitet waren, werden nun nicht mehr aufgestellt.