GBM Kirchmöser: 95 Prozent stimmen für Streik
95 Prozent der Beschäftigten der GBM in Kirchmöser haben in einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik votiert, nachdem vier Warnstreiks gescheitert sind. Die Belegschaft will die Geschäftsführung zu Tarifverhandlungen zwingen, da diese das Wahlmodell blockiert
Vier Warnstreiks, jetzt reicht’s - GBM-Beschäftigte wollen endlich gehört werden
Im Werk für Gleisbaumechanik (GBM) in Kirchmöser ist die Geduld der Belegschaft endgültig aufgebraucht. Nach vier erfolglosen Warnstreiks haben sich 95 Prozent der Beschäftigten in einer Urabstimmung klar für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Ziel ist es, die Geschäftsführung endlich an den Verhandlungstisch zurückzubringen, da die bisherigen Gespräche festgefahren sind. Als ersten großen Schritt des harten Drucks plant die Gewerkschaft eine Demonstration mit Kundgebung am Donnerstagmittag.
„Im Moment sind wir an dem Punkt, dass der Arbeitgeber mit uns gar nicht mehr reden will, also generell den Tarifvertrag auch infrage stellt“, beschreibt Alexander Caesar, Geschäftsstellenleiter der EVP-Geschäftsstelle Berlin, die aktuelle Lage. Die Gewerkschaft habe daraufhin keine andere Wahl gehabt, als zu diesen harten Maßnahmen zu greifen. Das Kernproblem aus Sicht der Beschäftigten sei, dass der Arbeitgeber sie „komplett aus der Tarifbindung herausdrängen möchte“.
Zentrale Forderungen und das blockierte Wahlmodell
Im Zentrum der Tarifkonflikte stehen konkrete Forderungen nach einer deutlichen Aufbesserung der Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Monatstabellenentgelte um 250 Euro sowie eine Auszahlung von 125 Euro mehr für Auszubildende. Zudem sollen die Zulagen um 8 Prozent erhöht und dynamisiert werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Beitritt zum Fonds soziale Sicherung.
Besonders umstritten ist das sogenannte Wahlmodell. Dieses moderne Instrument ermöglicht den Beschäftigten eine individuelle Entscheidung: Sie können zwischen drei Tagen mehr Urlaub, 1,3 Prozent mehr Entgelt oder einer Reduzierung der Arbeitszeit um 0,5 Stunden pro Woche wählen. Während andere Unternehmen im Bahnsektor diesem Modell bereits zugestimmt haben, blockiert die GBM die Einführung laut Gewerkschaft komplett.
Eigentümerstruktur und wirtschaftlicher Kontext
Hinter der Blockadehaltung steht die Eigentümerstruktur des Unternehmens. Die GBM Gleisbaumechanik Brandenburg/H. GmbH ist ein Tochterunternehmen der US-amerikanischen Muttergesellschaft General Atomics Europe. Als privates Unternehmen unterliegt es spezifisch den Tarifverträgen der Gewerkschaft, im Gegensatz zu anderen Bahnunternehmen, die oft anderen Regelungen folgen.
Die Konflikte stehen in einem bemerkenswerten Kontrast zur aktuellen wirtschaftlichen Situation des Standorts. Das Unternehmen investiert derzeit massiv in Kirchmöser: Im April 2026 erhielt die GBM ein neues Grundstück mit 15.000 Quadratmetern sowie zwei neue Werkshallen, um ihre Kapazitäten deutlich auszubauen. Während die Geschäftsführung unter Dr. Sven Eric Teupke das Wachstum und die Expansion betont, lehnt sie zentrale Bestandteile der Tarifpolitik ab. In der dritten Verhandlungsrunde hatte das Management zwar ein Angebot vorgelegt, dieses schloss jedoch sowohl das Wahlmodell als auch den Fonds Soziale Sicherung aus.
Mit rund 220 Mitarbeitern am Standort Kirchmöser ist die GBM ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Der nun anstehende unbefristete Streik markiert einen neuen, verschärften Abschnitt im Tarifkonflikt, bei dem die Beschäftigten ihre Forderungen mit aller Härte durchsetzen wollen. Die Demonstration am Donnerstag soll das Signal an die Geschäftsführung senden, dass der Dialog nur auf Augenhöhe möglich sein wird.