Mann zu Haft für Hotelbetrug in Köpenick verurteilt
Ein 55-Jähriger wurde vom Amtsgericht Tiergarten zu dreieinhalb Jahren Haft wegen besonders schweren Betrugs verurteilt. Er hatte sich über 16 Monate mit seiner Familie in einem Berliner Hotel ohne Bezahlung einquartiert
Ein 55-Jähriger hat sich mit seiner Partnerin und zwei Kindern über 16 Monate lang in einem Berliner Hotel einquartiert, ohne auch nur einen Cent für die Unterkunft zu zahlen. Die Trickserei endete nun vor dem Amtsgericht Tiergarten mit einer Verurteilung wegen besonders schweren Betrugs. Der Mann muss fortan dreieinhalb Jahre Haft absitzen und zudem eine Schadenssumme von 107.000 Euro an das Hotel zurückzahlen. In das Urteil floss zudem eine frühere Verurteilung ein.
Lügen über Krebs und verbranntes Wohnmobil
Das Gericht hob hervor, dass der Angeklagte eine „gewisse Unverfrorenheit“ an den Tag gelegt habe, um seine Ziele zu erreichen. Von April 2023 bis August 2024 hatte er sich mit seiner Familie in einem Hotel in Berlin-Köpenick einquartiert. Um die Unterkunft zu erhalten, konstruierte er ein dramatisches Szenario: Er behauptete, an Krebs erkrankt zu sein und sich einer Therapie an der Berliner Charité unterziehen zu müssen. Zusätzlich erzählte er, mit einem Wohnwagen angereist zu sein, der jedoch abgebrannt sei.
Um die Geschichte glaubwürdig zu machen, nutzte er auch gefälschte E-Mails, in denen eine Kostenübernahme durch einen Automobilclub vorgetäuscht wurde. „Ich habe alle Register gezogen, man hat mir geglaubt“, gestand der 55-Jährige im Prozess. Er schilderte zudem eine weitere Notlage: Die Familie habe Hals über Kopf aus ihrer Wohnung in Nordrhein-Westfalen geflohen und nun Schutz in Berlin gesucht.
Frühere Straftaten und fehlende Kontrollen
Der Betrug war jedoch nicht der erste Vorfall dieser Art für den Mann. Bereits ab Juni 2022 hatte er sich in verschiedenen Berliner Unterkünften eingenistet, ohne zahlungswillig oder -fähig zu sein. Bis Mitte Januar 2023 entstanden bei drei weiteren Taten Schäden von rund 25.000 Euro. Damals verhängte das Amtsgericht Tiergarten eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren, die nun in die aktuelle Entscheidung einbezogen wurde.
Interessanterweise gab der Angeklagte an, 16 Jahre lang Soldat der Bundeswehr gewesen zu sein – ein Hintergrund, der im Kontrast zu seiner Täuschungsstrategie steht. Auch die Verteidigung fragte sich im Prozess, warum das Hotel-Management den Schaden so lange wachsen ließ. Das Gericht kam ebenfalls zu dem Schluss, dass dem Mann im Hotel „relativ leicht gemacht wurde“.
Urteil und Rechtsfolgen
Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Der Verteidiger hatte zuvor eine Strafe von zweieinhalb Jahren gefordert. Da der Mann bereits wegen ähnlicher Delikte verurteilt worden war, wurde die frühere Bewährungsstrafe mit in die aktuelle Entscheidung einbezogen. Das Urteil ist derzeit noch nicht rechtskräftig.
Das Amtsgericht Tiergarten ist in Berlin für Wirtschafts- und Betrugsdelikte zuständig und verhandelt regelmäßig Fälle, bei denen es um betrügerische Machenschaften im großen Stil geht. Der besonders schwere Betrug setzt dabei in der Regel eine große Schadenssumme oder ein gewerbsmäßiges Handeln voraus, was hier durch die Summe von über 100.000 Euro und die Dauer der Täuschung erfüllt wurde.