Fouqué-Bibliothek lädt zu Lesung über Postwendekinder und ostdeutsche Identität im Havelsommer 2026

Die Fouqué-Bibliothek lädt am 17. Juli zu einer Lesung aus der Anthologie „Postwendekinder“, in der junge Autoren das Erbe der DDR ohne eigene Erfahrung reflektieren

Symbolfoto · Foto: Gabriel Sollmann / Unsplash

Die unsichtbare Grenze zwischen Ost und West wirkt bis heute nach, auch bei denen, die die DDR nie selbst erlebt haben. Was es bedeutet, mit diesem Erbe aufzuwachsen, ohne die Geschichte aus eigener Anschauung zu kennen, ist das zentrale Thema der neuen Anthologie „Postwendekinder“. 34 junge Autorinnen und Autoren aus ganz Deutschland haben sich in dem Buch, das 2025 im Neofelis Verlag erschien, dieser Frage gestellt. Am Freitag, 17. Juli, lädt die Fouqué-Bibliothek in Brandenburg an der Havel zu einer Lesung aus diesem Werk ein, die im Rahmen des Havelsommers 2026 stattfindet.

Das Buch entstand aus einem Workshop mit dem Titel „Ost, West: Schnee von gestern?“, der im Frühsommer 2024 durchgeführt wurde. Herausgeberinnen sind Angelique Pershon, Alma-Emilia Jahn und Marlene Mähler. Sie brachten junge Stimmen zusammen, um Essays, persönliche Erzählungen, Gedichte und Illustrationen zu sammeln. Ziel war es, die anhaltenden gesellschaftlichen Grabenlinien zu beleuchten, die sich trotz des 35. Jahrestags der Wiedervereinigung im Jahr 2025 weiterhin ziehen. Die Texte hinterfragen gängige Klischees, setzen sich kritisch mit Ostalgie auseinander und thematisieren auch die Gefahr von Extremismus, der oft aus dem Gefühl der Fremdzuschreibung und dem Verlust von Identität resultiert.

Autoren und Diskussion vor Ort

Bei der Lesung in der LeseLounge der Bibliothek geben Einblicke in das Projekt. Vor Ort sind die Autoren Julius Rosenhan und Katharina Schwerdt, die mit eigenen Beiträgen im Buch vertreten sind, sowie die Herausgeberin Angelique Pershon. Sie werden nicht nur aus ihren Texten lesen, sondern auch über die Motivation hinter dem Projekt sprechen. Im Anschluss an die Lesung steht eine Diskussion im Mittelpunkt, in der die Zuhörenden die Möglichkeit haben, sich mit den Autoren über die emotionale Verarbeitung der Wiedervereinigung und die Entstehung eines ostdeutschen Bewusstseins auszutauschen.

Die Veranstaltung bietet einen Raum, um die komplexe Generation der „Postwendekinder“ zu verstehen. Diese Gruppe wächst zwar in einem vereinten Deutschland auf, spürt aber oft noch die Nachwirkungen der Teilung in der Familienbiografie und im gesellschaftlichen Umgang miteinander. Die Texte im Buch zeigen, wie familiäre DDR-Erinnerungen weiterwirken und wie junge Menschen versuchen, ihre eigene Identität in einem Land zu finden, das historisch gespalten war.

Rahmenbedingungen der Veranstaltung

Die Lesung beginnt am Freitag, 17. Juli 2026, um 15 Uhr. Der Veranstaltungsort ist die LeseLounge der Fouqué-Bibliothek am Altstädtischen Markt 8. Der Eintritt ist frei, jedoch wird um eine Spende zugunsten des Fördervereins „Freunde der Fouqué-Bibliothek Brandenburg an der Havel e.V.“ gebeten. Die Veranstaltung ist fest in das Programm des Havelsommers 2026 integriert, einer stadtweiten Reihe mit über 120 Events an mehr als 25 Orten, die Brandenburg an der Havel im Sommer 2026 bereichert.

Die Wahl des Veranstaltungsortes ist dabei nicht zufällig. Brandenburg an der Havel als historische Stadt mit ihrer eigenen ostdeutschen Vergangenheit bietet einen passenden Rahmen, um über Identität und Transformation zu sprechen. Die Bibliothek fungiert als neutraler Ort des Austauschs, an dem unterschiedliche Perspektiven auf die deutsche Geschichte und Gegenwart diskutiert werden können.