Dürre-Experte fordert flächendeckendes Monitoring der Wassernutzung in Deutschland

Angesichts anhaltender Trockenheit fordert Dürre-Experte Andreas Marx ein flächendeckendes Monitoring der Wassernutzung in Deutschland

Symbolfoto · Foto: Rafael Peier / Unsplash

Angesichts anhaltender Trockenheit und der daraus resultierenden Wasserentnahmeverbote fordert der Hydrologe Andreas Marx ein flächendeckendes Monitoring zur Nutzung von Grund- und Oberflächenwasser. Der Experte vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) betont, dass Deutschland endlich wissen müsse, „wer zu welchem Zeitpunkt wie viel Wasser aus dem Boden entnimmt, aus dem Grundwasser, aber auch aus Oberflächengewässern“.

Marx leitet den Deutschen Dürremonitor, eine täglich aktualisierte Karte, die auf dem hochauflösenden hydrologischen Modell mHM basiert und Daten von rund 2.500 Wetterstationen verarbeitet. „Wir haben eben die Situation, dass wir in den meisten Regionen in Deutschland und auch von den meisten Industriebetrieben, die Wasserrechte haben, nicht genau wissen, wie viel Wasser sie zu welchem Zeitpunkt entnehmen“, erklärt der Forscher. Zwar habe die Bundesregierung dieses Anliegen bereits 2023 in ihrer Nationalen Wasserstrategie als Leitbild formuliert, doch in der Praxis fehle es oft an Transparenz.

Trockene Böden richten mehr Schaden an als Waldbrände

Aufgrund geringer Niederschlagsmengen und niedriger Flusspegel hatten mehrere Kreise und Kommunen in den vergangenen Wochen Verbote zur Wasserentnahme verhängt. Während Trockenheit im Sommer grundsätzlich normal sei, zeige sich die aktuelle Dürrephase im Gesamtboden in weiten Teilen Ost- und Süddeutschlands als besonders ausgeprägt. Die Folgen sind mittel- und langfristige Schäden an Waldbeständen, die das Ausmaß von Waldbränden bei weitem übertreffen.

„Wenn in Deutschland ein schlimmes Waldbrandjahr ist, dann brennen ungefähr 4.000 Hektar Wald – diese Verluste durch Dürre, das sind Größenordnungen, die einfach anders sind“, so Marx. Seit dem Jahr 2018 sind schätzungsweise 800.000 Hektar Waldfläche in Deutschland durch Trockenheit und Folgeschäden wie Borkenkäferbefall verloren gegangen. Die Trockenheit der Böden sei keine einseitige Entwicklung, sondern unterliege starken regionalen Unterschieden.

Forscher zu Dürre-Phase: „Das kann über zehn Jahre so laufen“

Zwar erholten sich die Grundwasserpegel in den feuchteren Jahren 2023 und 2024 teilweise wieder, doch die aktuelle Situation markiere eine langanhaltende Dürre-Phase. „Was wir auf der anderen Seite aber eben jetzt auch erleben, ist eine Dürre-Phase, ist ein Extremereignis. Das kann durchaus über zehn Jahre so laufen“, warnt der Forscher. Die Gesellschaft sei auf diese Bedingungen aktuell nicht optimal eingestellt.

Marx bilanziert dennoch: „Erst einmal ist nicht davon auszugehen, dass Deutschland austrocknet.“ Zahlreiche Klimasimulationen deuten darauf hin, dass das Land auch in 50 Jahren noch wasserreich sein werde. Allerdings müsse man mit extremeren Schwankungen rechnen – mit trockenen Sommern und nassen Wintern.

Bereits Anfang Juli hatten sich auf dem 4. IHK-Wasserkongress in Dresden Vertreter der kommunalen Unternehmen aus Sachsen, Brandenburg und Berlin für eine länderübergreifende Zusammenarbeit ausgesprochen. Ziel ist es, die wasserwirtschaftlichen Herausforderungen in Ostdeutschland gemeinsam zu bewältigen, da die Bewirtschaftung von Wasserressourcen nicht an Landesgrenzen haltmacht.