Deutscher Landkreistag fordert nach Taten in Stade und Finsterwalde neue Sicherheitsprüfungen

Nach tödlichen Angriffen auf Mitarbeiter in Stade und Finsterwalde fordert der Deutsche Landkreistag eine dringende Überprüfung der Sicherheitskonzepte in Verwaltungen

Deutscher Landkreistag fordert nach Taten in Stade und Finsterwalde neue Sicherheitsprüfungen
Symbolfoto · Foto: Fionn Große / Unsplash

Nach zwei schweren Gewalttaten auf Behördenmitarbeiter fordert der Deutsche Landkreistag (DLT) eine dringende Überprüfung der Sicherheitskonzepte in den Verwaltungen. Die Forderung kommt nach einem Brandanschlag im Jugendamt von Finsterwalde, bei dem vier Menschen verletzt wurden, sowie nach einem tödlichen Amoklauf in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade, der sechs Todesopfer forderte. „Die Landkreise nehmen diese Gefährdungen sehr ernst und haben vielerorts umfangreiche Schutzmaßnahmen getroffen“, sagte DLT-Sprecher Dr. Markus Mempel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Nach der Tat von Stade ist es deshalb richtig, dass die Verwaltungen ihre Sicherheitskonzepte erneut überprüfen und auch Gefährdungslagen gegebenenfalls neu bewerten. Der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat oberste Priorität.“

Keine absolute Sicherheit möglich

Der Landkreistag, der als Spitzenverband die Interessen von 294 Landkreisen in Deutschland vertritt und rund 57 Millionen Einwohner vertritt, warnt jedoch vor der Illusion einer lückenlosen Sicherheit. Zu den bereits etablierten Schutzmaßnahmen zählen Zugangskontrollen, geschützte Empfangsbereiche, der Einsatz von Sicherheitspersonal sowie Alarm- und Notrufsysteme. Auch feste Absprachen mit der Polizei gehören zum Standard. „Eine absolute Sicherheit wird es in offenen Verwaltungen und sozialen Einrichtungen dennoch nicht geben“, betonte Mempel. Gerade in Jobcentern existiere bereits eine langjährige Erfahrung mit solchen Vorkehrungen, doch auch in Jugend- und Sozialämtern würden Sicherheitsdienste bei schwierigen Terminen oder absehbaren Bedrohungslagen eingesetzt.

Wachsende Gefährdung im Arbeitsalltag

Nach Einschätzung des Landkreistags gehören Aggressionen, Drohungen und körperliche Übergriffe in vielen Kreisverwaltungen seit Jahren zum traurigen Arbeitsalltag. Besonders betroffen seien laut DLT Jugendämter, Jobcenter, Ausländerbehörden, Sozialämter sowie Veterinärbehörden. Im Bereich des Kinderschutzes entstehe die Gefahr häufig kurzfristig und ließe sich nicht vollständig vorhersehen, da hoch konflikthafte Situationen oft aus dem Nichts eskalieren. Die beiden jüngsten Vorfälle unterstreichen diese Problematik auf erschreckende Weise: Die Taten in Stade und Finsterwalde liegen nur drei Wochen auseinander und haben bundesweit für Entsetzen gesorgt.

Die Vorfälle in Finsterwalde und Stade

Im Landkreis Elbe-Elster hatte sich am 16. Juli 2026 ein schwerer Vorfall ereignet. Ein 35-jähriger Mann bedrohte im Jugendamt der Kreisverwaltung eine Mitarbeiterin und legte Feuer. Der Verdächtige, der brennbare Flüssigkeit dabei gehabt haben soll, wurde gefasst und befindet sich in Untersuchungshaft. Vier Personen mussten wegen Verdachts auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Der Landkreis reagierte umgehend mit dem Einsatz eines Sicherheitsdienstes.

Noch gravierender war die Tat Ende Juni in Niedersachsen. Am 29. Juni 2026 erschoss ein 45-jähriger Mann in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in Stade sechs Menschen. Drei der Opfer arbeiteten in der Jugendhilfeeinrichtung, drei weitere waren Mitarbeiter des Jugendamts der Region Hannover. Das Motiv des Täters lag in einem Sorgerechtsstreit. Im Anschluss an die Tat wurde die dreimonatige Tochter des Täters in die Obhut des Jugendamtes übergeben. Auch die Mutter des Kindes sowie eine 65-jährige Fahrerin des Fluchtfahrzeugs wurden festgenommen.

Die Debatte um die Sicherheit an Arbeitsplätzen in sozialen Einrichtungen ist damit nicht neu, hat durch die jüngsten Ereignisse jedoch eine neue Dringlichkeit erhalten. Während der Einsatz von Sicherheitsdiensten in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt ist und die Bundesregierung bundesweite Vorgaben bisher ablehnt, appelliert der Deutsche Landkreistag nun eindringlich an die lokalen Verwaltungen, die bestehenden Schutzvorkehrungen kritisch zu hinterfragen und anzupassen.