Bürgermeister Keip erklärt: Bahnhofstoiletten in Brandenburg wegen Vandalismus dauerhaft geschlossen

Seit 2022 sind die Toiletten am Hauptbahnhof Brandenburg an der Havel dauerhaft gesperrt, weil Vandalismus den Betrieb unwirtschaftlich machte

Die öffentlichen Toiletten im Hauptbahnhof von Brandenburg an der Havel sind seit 2022 dauerhaft gesperrt. Vandalismus und die daraus resultierende Unwirtschaftlichkeit machten den Betrieb unmöglich, sodass die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Wobra das Gebäude nicht mehr mit sanitären Anlagen versorgen kann. Stattdessen steht den Reisenden nur ein beschmiertes Häuschen neben den Fahrradstellplätzen zur Verfügung, das bereits heute früh von Passanten fotografiert wurde. Die Aufnahmen zeigen ein verwahrlostes Inneres, in dem kein Toilettenpapier liegt und sogar eine Spritze hinter den Wänden gefunden wurde – ein Anblick, den viele als untragbar empfinden.

Hintergrund

Der Vandalismus an den Bahnhofstoiletten eskalierte zwischen 2017 und 2019 immer stärker. Immer wieder wurden die Einrichtungen beschädigt, was zu hohen Instandhaltungskosten führte. Nachdem die Schäden 2022 ein kritisches Ausmaß erreicht hatten, entschied die Wobra, die Toiletten endgültig zu schließen. Seitdem gibt es im Stadtzentrum keine funktionierende Toilette mehr, obwohl der Bahnhof traditionell ein zentraler Anlaufpunkt für Besucher und Pendler war. Die Stadt Brandenburg betreibt insgesamt zwölf öffentliche Toiletten, die jedoch meist nur während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung zugänglich sind.

Kosten und Finanzierung

Für eine mögliche Wiederinbetriebnahme schätzt die Wobra, dass täglich etwa 500 zahlende Nutzer nötig wären, um die Kosten zu decken. Aktuell nutzten nur 30 bis 50 Personen die Anlagen, bevor sie geschlossen wurden. Die notwendigen baulichen Maßnahmen belaufen sich auf mindestens 150 000 €, während die laufenden Betriebskosten bei rund 3 500 € pro Monat liegen. Wobra verwaltet rund 4.300 Wohnungen und Gewerbeeinheiten in der Region und sieht ihre Kernaufgabe in der Bereitstellung von Wohnraum, nicht im Betrieb von Sanitäranlagen. Der kommunale Haushalt der Stadt bietet nur begrenzte Spielräume für zusätzliche Infrastrukturinvestitionen, wie Oberbürgermeister Daniel Keip in einem Interview betonte.

Petition und öffentliche Reaktion

Seit dem 16. Juli 2025 läuft eine Online‑Petition, die die Wiederöffnung der Bahnhofstoiletten fordert. Bis zum 15. Januar 2026 hatte die Petition 1 088 Unterschriften gesammelt, davon 724 aus Brandenburg an der Havel. Die Initiative wurde von vielen Bürgerinnen und Bürgern unterstützt, die den fehlenden Service als unzumutbare Belastung für Reisende und Einheimische empfinden. Havelblatt‑Leserin Mandy kommentierte die Situation nach den heutigen Aufnahmen mit den Worten: „Ich finde es unverschämt, für sowas zu zahlen, was ich vorfand – kein Papier und eine Spritze hinter der Toilette. Nicht auszudenken, wenn Kinder das sehen würden.“

Beteiligte Akteure

Der aktuelle Bürgermeister Daniel Keip (SPD) ist seit dem 7. März 2026 im Amt und sieht die finanzielle Belastung als Hauptgrund für die anhaltende Schließung. Die Wobra, als Eigentümer des Bahnhofsgebäudes, betont, dass ein dauerhafter Zuschuss für den Betrieb der Toiletten nicht realisierbar sei. Gleichzeitig wird von kommunalen Trägern in ganz Deutschland über verschiedene Lösungsansätze diskutiert: von verstärkter personeller Überwachung über digitale Zugangskontrollen bis hin zu automatisierten Systemen, die ungewöhnliche Aufenthaltszeiten erkennen und Alarm auslösen können. Ein möglicher Betreiberwechsel zu spezialisierten Anbietern wie Sanifair oder rail&fresh wird ebenfalls erwogen, um die Daseinsvorsorge im öffentlichen Raum zu sichern.