Bundespolizei kontrolliert Bahnhöfe gegen Gewalt
Die Bundespolizei verstärkt am kommenden Wochenende ihre Kontrollen an über zehn Großstadtbahnhöfen, um Gewalt- und Waffenkriminalität einzudämmen. Parallel plant die Deutsche Bahn bis Oktober ein flächendeckendes Alkoholverbot auf Bahnsteigen
Die Bundespolizei wird am kommenden Wochenende ihre Präsenz an den Bahnhöfen in deutschen Großstädten deutlich verstärken. Vom 24. bis 26. Juli 2026 führt die Behörde einen Schwerpunkteinsatz an mehr als zehn großen Verkehrsknotenpunkten durch. Ziel ist es, der Kriminalität an diesen Orten effektiver entgegenzuwirken. In einer Mitteilung aus Potsdam bestätigte das Bundespolizeipräsidium die Maßnahme, nannte jedoch keine konkreten Städte oder Bahnhöfe, die im Fokus stehen.
Fokus auf Gewalt- und Waffenkriminalität
Besonders ins Visier genommen werden sollen jene Bahnhöfe, die in der Vergangenheit durch eine erhöhte Zahl von Gewaltdelikten aufgefallen sind. Bahnhöfe gelten für die Polizei als klassische Kriminalitäts-Hotspots. Ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) betonte, dass es an diesen Orten besonders häufig zu Waffen- und Gewaltdelikten komme. Die hohe Passagierfrequenz und der teilweise Missbrauch von Alkohol begünstigen dabei die Lage.
Alkoholverbot als nächste Stufe
Parallel zu den aktuellen Kontrollen plant die Deutsche Bahn eine bundesweite Verschärfung der Sicherheitsregeln. Bis zum 15. Oktober 2026 soll es an allen rund 5.400 Bahnhöfen der Republik verboten sein, auf Bahnsteigen oder in Bahnhofshallen Alkohol zu trinken. Ausgenommen sind dabei ausschließlich die Gastronomiebereiche. Das Verbot wird über das Hausrecht der Bahn eingeführt und dient dem Schutz sowohl der Mitarbeiter als auch der Fahrgäste.
Die flächendeckende Umsetzung soll schrittweise erfolgen. Bereits seit längerem gelten rund 30 Bahnhöfe – darunter die Großstationen in Köln, München und Hamburg – als alkoholfrei. Ab dem 1. September 2026 folgen weitere vier wichtige Knotenpunkte: Berlin Hauptbahnhof, Berlin Gesundbrunnen, Kiel und Braunschweig.
Kritik an der aktuellen Strategie
Die Gewerkschaft der Polizei sieht in den geplanten Schwerpunkteinsätzen jedoch keinen ausreichenden Ersatz für eine dauerhafte Sicherheitsstrategie. Kritiker verweisen darauf, dass die Bundesbereitschaftspolizei, die oft für diese Einsätze abgestellt wird, ohnehin bereits stark durch Grenzkontrollen belastet sei. Die GdP fordert daher eine personelle Stärkung der Bundespolizei, da aktuell rund 3.500 Einsatzkräfte im bahnpolizeilichen Bereich fehlen. Zudem wird der Einsatz moderner technischer Ausstattung wie KI-gestützter Videotechnik gefordert.
Rechtlich ist das Vorgehen differenziert zu betrachten: Die Durchsetzung des Hausrechts liegt primär bei der DB Sicherheit. Die Bundespolizei wird erst bei festgestellten Straftaten tätig. Wer gegen das neue Alkoholkonsumverbot verstößt, muss zunächst mit einem Platzverweis rechnen. Bei Wiederholungsdelikten droht ein Hausverbot durch die Bahn. In den bereits alkoholfreien Bereichen wie München und Hamburg berichten die Behörden indes von einem spürbaren Rückgang der Gewaltdelikte und weniger Müll.