Täter nach Brandanschlag auf Zelle 79 gesucht

Drei Wochen nach dem Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt „Zelle 79“ in Cottbus laufen die Ermittlungen der Polizei weiterhin gegen Unbekannt, wobei der Tatvorwurf von versuchtem Mord auf schwere Brandstiftung herabgestuft wurde

Täter nach Brandanschlag auf Zelle 79 gesucht
Symbolfoto · Foto: Stevo / Unsplash

Drei Wochen nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt „Zelle 79“ in Cottbus sind die Täter weiterhin auf der Flucht. Die Staatsanwaltschaft Cottbus bestätigte gegenüber dem Havelblatt, dass bisher keine konkreten Verdächtigen ermittelt werden konnten. Zwar war der Angriff mit Molotow-Cocktails Anfang Juli für Aufsehen gesorgt, doch das Ermittlungsverfahren läuft nun gegen Unbekannt. Der Fokus liegt auf dem Tatvorwurf der schweren Brandstiftung.

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2026. Zu diesem Zeitpunkt hingen Regenbogenflaggen am Haus, da die Stadt gerade die Christopher-Street-Day (CSD)-Aktionswochen ausrichtete. Eine Bewohnerin konnte zwei schwarz gekleidete Männer im Alter zwischen 15 und 20 Jahren filmen. Auf den Aufnahmen ist einer der Täter mit einer schwarz-weiß-roten Sturmhaube zu sehen. Die Polizei ging ursprünglich davon aus, dass die Angreifer aus dem rechtsextremistischen Spektrum stammen.

Einstufung der Tat geändert

Ursprünglich hatten Staatsschutz und Mordkommission wegen des Verdachts auf versuchten Mord ermittelt. Diese Einordnung erfolgte, da sich zum Zeitpunkt des Anschlags Personen im bewohnten Gebäude befanden und die Täter mit brennbaren Flüssigkeiten arbeiteten. Da jedoch keine konkreten Verdächtigen gefasst wurden und die Beweislage keine sichere Zuordnung zu einem Mordversuch zulässt, wurde der Vorwurf inzwischen auf schwere Brandstiftung korrigiert. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft betonte: „Wir ermitteln jetzt in alle Richtungen.“

Neben dem Wohnprojekt wurde in derselben Nacht auch der nahegelegene alternative Jugendclub „Chekov“ Ziel eines Angriffs. Dort brannte eine Zaunlatte, und die Polizei sicherte mehrere Sprayflaschen am Tatort. Die Ermittler prüfen nun, ob beide Vorfälle in einem Zusammenhang stehen. Die Sicherstellung der Flaschen und der Filmaufnahmen bildet derzeit die wichtigste Grundlage für die weiteren Ermittlungen.

Rechtsextreme Gewalt im Fokus

Cottbus gilt in Brandenburg als Schwerpunkt rechter Gewalt. In den vergangenen Jahren gab es bereits Anschläge auf die Synagoge und andere alternative Projekte wie das WK51. Die Beratungsstelle „Opferperspektive“ wies auf eine eskalierende Welle rechter Gewalt in der Stadt hin, die auch Bedrohungen gegen Studierende und politisch Engagierte umfasst. Der Angriff auf „Zelle 79“ und „Chekov“ fügt sich in diese Serie ein, die oft während politisch sensibler Phasen wie den CSD-Aktionswochen stattfindet.

Oberbürgermeister Tobias Schick verurteilte die Anschläge scharf. Er forderte klare Regelungen für den Einsatz von Kameras im öffentlichen Raum, um solche Taten in Zukunft schneller aufklären zu können. Besonders bei jugendlichen Straftätern, wie sie in den Filmaufnahmen zu sehen sind, sieht er die Notwendigkeit eines entschlossenen Vorgehens durch die Sicherheitsbehörden. Die Opferperspektive mahnt zudem an, dass die dokumentierte Zunahme rechter Gewalt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt, die über den Einzelfall hinausweist.