Berlin verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 einen deutlichen Rückgang der Geflüchtetenzahlen
In der ersten Jahreshälfte 2026 sind deutlich weniger geflüchtete Menschen in Berlin angekommen als im Vorjahr, was sowohl Asylbewerber als auch Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine betrifft
In der ersten Jahreshälfte des Jahres 2026 sind deutlich weniger geflüchtete Menschen in Berlin angekommen als im Vorjahr. Nach aktuellen Daten des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) wurden bis einschließlich Juni insgesamt 4.633 Personen neu aufgenommen. Dieser Rückgang ist in zwei Gruppen zu betrachten: Bei den Asylbewerbern sank die Zahl auf 2.195, was einem Minus von gut 30 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 entspricht. Auch die Gruppe der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine verzeichnete einen Rückgang; mit 2.438 neu Aufgenommenen sind es 16,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Rückläufiger Trend setzt sich fort
Damit bestätigt sich ein Abwärtstrend, der sich in Berlin bereits seit mehreren Jahren abzeichnet. Während im Gesamtjahr 2023 noch fast 32.000 Geflüchtete Schutz in der Hauptstadt suchten, sank die Zahl im Folgejahr 2024 auf rund 21.000 und im Jahr 2025 weiter auf knapp 15.000. Der starke Einbruch im ersten Halbjahr 2026 fügt sich in diese Entwicklung ein. Ein wesentlicher Grund für die geringeren Zahlen liegt in veränderten Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene. Die am 12. Juni 2026 in Kraft getretene Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) hat das Verfahren vereinheitlicht und könnte einen Teil des Rückgangs erklären. Hinzu kommen strengere Rückführungen und veränderte Fluchtrouten, die dazu führen, dass weniger Menschen überhaupt erst in Berlin Schutz beantragen. Auch bundesweit ist dieser Trend spürbar: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Rückgang der Erstanträge um 35,4 Prozent.
Herkunftsländer und aktuelle Unterbringungslage
Die Zusammensetzung der Neuankömmlinge hat sich ebenfalls gewandelt. Als Hauptherkunftsländer der Asylbewerber im laufenden Jahr nennen die Behörden Vietnam, Moldau, die Türkei, Afghanistan, Russland, Georgien und Syrien. Trotz der sinkenden Neuzugänge bleibt die Gesamtzahl der Menschen in der Obhut des LAF hoch. Derzeit leben in Berlin 35.278 Personen in Flüchtlingsunterkünften des Amtes. Auch hier zeigt sich eine abwärtsgerichtete Tendenz: Anfang 2026 waren es noch rund 38.000 Menschen, ein Jahr zuvor waren es sogar 41.400.
Ein Blick auf die Unterbringung zeigt jedoch weiterhin Herausforderungen. Von den insgesamt fast 35.300 Bewohnern in LAF-Einrichtungen leben schätzungsweise 5.000 Menschen noch in Notunterkünften oder Hotels. Um diese Situation zu verbessern, plant das Amt konkrete Maßnahmen. So wird die Notunterkunft im ehemaligen Flughafen Tegel von 500 auf 1.000 Plätze aufgestockt. Zudem soll ab Oktober eine neue Unterkunft in der Hasenheide mit 921 Plätzen zur Verfügung stehen.
Planungssicherheit und politische Weichenstellungen
Für die weitere Planung des LAF ist die aktuelle Lage entscheidend. Das Amt plant für das gesamte Jahr 2026 nur einen minimalen Nettozuwachs an regulären Unterkunftsplätzen von lediglich 346. Dies liegt daran, dass neu geschaffene Plätze durch die Schließung anderer, weniger geeigneter Standorte kompensiert werden. Die politische Weichenstellung für die Zukunft ist dabei eng mit der aktuellen Koalition verknüpft. Nachdem das sogenannte Wohncontainerprogramm gestoppt wurde, sucht die Stadt nach alternativen Lösungen, um die rund 5.000 Menschen in Notunterkünften langfristig in reguläre Wohnungen zu überführen.
Die Leitung des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten liegt derzeit kommissarisch bei Steffen Weickert. Eine feste Nachfolge ist noch nicht bekanntgegeben worden, doch die Aufgabenstellung bleibt komplex: Trotz sinkender Neuzugänge muss die Infrastruktur für die bereits in Berlin lebenden Geflüchteten stabil gehalten und die Notunterkünfte schrittweise aufgelöst werden.