Behling zeigt Skudden bei Archäotechnica Brandenburg
Die Familie Behling aus Roskow stellt bei der Archäotechnica Anfang August im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg die gefährdete Schafrasse Skudde vor und lädt zu einem Blick auf diese robuste Rasse ein
Die Archäotechnica öffnet am 1. und 2. August ihre Tore im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg. In diesem Jahr steht die Veranstaltung ganz im Zeichen einer modischen Reise durch die Epochen ferner Vergangenheit. Während in den vergangenen Jahren vor allem textile Techniken und Kleidungsstile im Rampenlicht standen, rücken die eigentlichen Rohstofflieferanten nun in den Fokus. Eine der wichtigsten Akteure wird dabei die Familie Behling sein, die seit vielen Jahren eine seltene Schafrasse in Brandenburg züchtet.
Ihr Hof liegt im brandenburgischen Roskow, genauer im Ortsteil Weseram. Dort leben die Tiere fast ganzjährig auf der Weide und auf Streuobstwiesen. Die Skudde ist eine der kleinsten deutschen Schafrassen, die zu den nordischen Heideschafen gehört. Mit einer Widerristhöhe von nur 45 bis 60 Zentimetern und einem Gewicht zwischen 25 und 50 Kilogramm ist sie ein echtes Kleinod unter den Nutztieren. Diese ursprüngliche und robuste Rasse ist nicht nur für ihre besondere Statur, sondern auch für ihre besonders dichte und weiße Wolle bekannt, die sich ideal für Teppiche, Decken und Filzprodukte eignet.
Historische Wurzeln und heutige Gefährdung
Die Geschichte der Skudde reicht weit zurück. Sie ist historisch bereits seit etwa 2.000 Jahren nachweisbar, und Wollefasern dieser Rasse wurden sogar in Wikinger-Grabstätten bei Haithabu gefunden. Die Rasse wurde von den Wikingern verbreitet und galt bis ins 20. Jahrhundert als bodenständiges Schaf Ostpreußens. Heute steht die Skudde jedoch auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen (Kategorie III der GEH). Der Gesamtbestand in Deutschland liegt laut aktuellen Daten nur bei rund 2.900 Tieren, wobei sich die größten Bestände in Hessen, im Saarland und in Brandenburg befinden.
Dass die Familie Behling diese Rasse aktiv erhält, ist für den Erhalt der genetischen Vielfalt von großer Bedeutung. Die Skudden sind nicht nur charmante Tiere, sondern auch hervorragende Landschaftspfleger. Sie fressen auch auf mageren Böden gerne Disteln und Brennnesseln und sind so robust, dass sie den Winter im Freien überstehen können. Die Wolle der Skudden ist mischwollig, das heißt, sie besteht aus Mark- und Grannenhaaren, was ihr eine besondere Widerstandsfähigkeit verleiht.
Einblicke in Zucht und Verarbeitung
Bei der Archäotechnica 2026 wird die Familie Behling spannende Einblicke in die Tradition der Schafzucht bieten. Besucher können erfahren, wie die Wolle traditionell per Handschur gewonnen wird und wie dieser Rohstoff weiterverarbeitet wird. Die Hauptprotagonisten der Veranstaltung werden dabei die Skudden selbst sein: Einige Schafe werden als tierische Akteure die Veranstaltung bereichern und dem Publikum die Möglichkeit geben, diese besonderen Tiere aus der Nähe zu erleben.
Besonders wichtig ist dabei ein Hinweis der Veranstalter: Keine Skudde muss an diesem Wochenende ihr Haarkleid lassen. Die Schur findet in der Regel einmal jährlich statt und wird nicht für die Veranstaltung vorgezogen, um das Wohlbefinden der Tiere zu gewährleisten. Die Familie Behling zeigt damit, wie moderne Tierhaltung und historisches Handwerk Hand in Hand gehen können, um eine gefährdete Haustierrasse zu erhalten.
Rahmenbedingungen der Veranstaltung
Die Archäotechnica 2026 findet am 1. und 2. August jeweils von 10 bis 17 Uhr im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg statt. Die Adresse lautet Neustädtische Heidestraße 28, 14776 Brandenburg an der Havel. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Kinder unter 10 Jahren haben freien Eintritt, und Familien können für 10 Euro zusammenkommen.
Das diesjährige Motto „Fasern, Kleider, Schmückendes – Mensch und Mode durch die Jahrtausende“ lädt dazu ein, die Entwicklung von Kleidung und Textilien von der Steinzeit bis in die Neuzeit zu verfolgen. Neben den Skudden werden weitere Akteure und Handwerker erwartet, die verschiedene Aspekte der historischen Mode und Textilherstellung präsentieren. Wer mehr über das Programm erfahren möchte, findet weitere Informationen direkt auf den Seiten des Museums.