Zwölf Bewerber sichern sich Plätze im neuen Sorbisch-Lehramt an der BTU Cottbus-Senftenberg

Die BTU Cottbus-Senftenberg startet zum Wintersemester erstmals ein Sorbisch-Lehramt für Grundschullehrkräfte und hat bereits zwölf Bewerber für die zwölf Plätze

Erstmals können angehende Lehrkräfte in Brandenburg das Fach Sorbisch/Wendisch als Zweitfach für die Grundschule studieren. Die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg hat zum Wintersemester 2026/27 den Start des neuen Bachelorstudiengangs Lehramt Primarstufe mit dieser Fächerkombination bestätigt. Die Nachfrage ist bereits jetzt beachtlich: Für die insgesamt 12 geplanten Studienplätze liegen exakt 12 Bewerbungen vor.

Die Verteilung der Interessenten zeigt, dass vor allem die Kombination mit Deutsch im Fokus steht. Neun Bewerber haben sich für das Fachpaar Deutsch/Sorbisch-Wendisch beworben, während drei Kandidaten die Variante Mathe/Sorbisch-Wendisch wählen möchten. Die Hochschule geht davon aus, dass die Annahmequote hoch sein wird, auch wenn der endgültige Auswahlprozess noch nicht abgeschlossen ist.

Ein Experiment mit Zukunft

Kultur-Staatssekretär Tobias Dünow (SPD), der als Beauftragter des Landes Brandenburg für die Angelegenheiten der Sorben/Wenden fungiert, hatte das neue Studienangebot bei seiner Vorstellung im April noch als „Experiment“ bezeichnet. Doch dahinter steckt eine klare Strategie: Es soll ein Signal gesetzt werden, dass die Zukunft der sorbisch/wendischen Sprache und Kultur langfristig gesichert werden soll.

Das neue Lehramtsstudium ist kein isoliertes Projekt, sondern ein zentraler Baustein des zehnjährigen „Masterplans zur Revitalisierung der niedersorbischen Sprache“ (SROKA). Ziel ist es, die vom Aussterben bedrohte westslawische Sprache durch qualifizierte Lehrkräfte zu revitalisieren. Aktuell schätzen Experten, dass nur noch zwischen 5.000 und 10.000 Menschen Niedersorbisch sprechen, wobei der Anteil derer, die die Sprache nachträglich erlernen, stetig steigt.

Voraussetzungen und finanzielle Förderung

Um sich für das Studium zu qualifizieren, müssen die Bewerber ein Sprachniveau B1 in Niedersorbisch nachweisen. Dies bedeutet, dass sie sich im Alltag bereits sicher verständigen können müssen. Die Ausbildung findet am Standort Senftenberg statt, der bewusst gewählt wurde, um die Lehrerbildung nah an der Sprache und der Kultur der Sorben und Wenden in der Lausitz zu verankern.

Die Region unterstützt die neuen Lehramtsanwärter auch finanziell. Die Stadt Cottbus bietet seit 2024 ein Stipendium an, das monatlich 500 Euro beträgt und für fünf Jahre gewährt wird. Voraussetzung für die Förderung ist eine Verpflichtung der Studierenden, nach dem Abschluss als Lehrkräfte in Cottbus tätig zu werden.

Der Schutz der nationalen Minderheit Sorben/Wenden ist in der Verfassung des Landes Brandenburg fest verankert. Mit rund 60.000 Angehörigen der Minderheit in der Lausitz und Teilen Sachsens ist die Pflege der Sprache eine wichtige Aufgabe für die Region. Die BTU zeigt sich mit der aktuellen Nachfrage zufrieden und erwartet, dass das Angebot gut angenommen wird, um den Bedarf an sorbischsprachigen Grundschullehrkräften langfristig zu decken.