Wredow’sche Zeichenschule in Brandenburg konsolidiert Finanzen und fokussiert auf künstlerisches Kernprofil
Das Kuratorium der Wredow’schen Zeichenschule beschloss Ende Juni eine umfassende Reform, um die angespannte Finanzlage zu bewältigen und den Fokus wieder auf das künstlerische Kernprofil zu legen
Ende Juni hat das Kuratorium der Stiftung Wredow’sche Zeichenschule einen einschneidenden Beschluss gefasst, der die Zukunft der traditionsreichen Einrichtung in Brandenburg an der Havel neu bestimmen soll. Hintergrund der Reform ist eine angespannte Finanzlage, die ein entschlossenes Handeln erfordert, um die Existenz der Stiftung dauerhaft zu sichern. Gleichzeitig soll die Schule wieder stärker zu dem werden, was sie ist: ein unverwechselbarer Ort für künstlerische Bildung im Sinne ihres Gründers August Wredow. Geplant sind unter anderem strukturelle Einsparungen, Anpassungen im Personalbereich und eine klare organisatorische Neuausrichtung.
„Nicht Größe sichert die Zukunft einer Kulturinstitution, sondern ihr unverwechselbares Profil. Genau dieses Profil geben wir der Wredow’schen Zeichenschule jetzt zurück“, erklärt der Kurator der Stiftung und Präsident der Universität der Künste Berlin, Professor Dr. Markus Hilgert. Die Schule gehört seit 1883 zu den traditionsreichsten Einrichtungen kultureller Bildung in Brandenburg an der Havel und im gesamten Land. Ihr ursprünglicher Auftrag war es nie, möglichst viele Angebote unter einem Dach zu vereinen. Vielmehr steht die Förderung der bildenden Kunst und der künstlerischen Ausbildung im Zentrum – ein Vermächtnis, das August Wredow der Stadt hinterlassen hat und das bis heute nichts an Aktualität verloren hat.
Fokus auf das künstlerische Kernprofil
Die Reform von 2026 zielt darauf ab, Angebote zurückzunehmen, die an anderer Stelle in der Region bereits vorhanden sind, um Ressourcen für das einzigartige künstlerische Profil der Schule zu bündeln. Die Vielfalt der Brandenburger Kunst- und Kulturlandschaft eröffnet heute neue Chancen. Musikschulen, Kunstschulen, freie Träger, Vereine und Initiativen bereichern das kulturelle Leben der Stadt in beeindruckender Weise. Diese Vielfalt lebt jedoch davon, dass jede Einrichtung ihre eigenen Stärken entwickelt. Nicht jede Institution muss alles anbieten; jede sollte das Besondere bieten, für das sie steht.
„Wer kulturelle Bildung dauerhaft sichern will, muss den Mut haben, Prioritäten zu setzen. Wir investieren nicht in weniger Kultur, sondern in eine Kultur mit klarem Profil und hoher Qualität. Die heutige Entscheidung ist deshalb keine Sparentscheidung gegen die Kunst, sondern eine Zukunftsentscheidung für die Kunst“, so der stellvertretende Kurator und Oberbürgermeister Daniel Keip. Die wirtschaftliche Ausgangslage machte dieses Vorgehen notwendig. Das Kuratorium sieht sich in der Verantwortung, die Stiftung handlungsfähig zu halten und ihre Existenz auch für kommende Generationen zu bewahren.
Ein historischer Wendepunkt
Die aktuelle Reform steht in einer langen Geschichte der Anpassungsfähigkeit der Institution. Die Wredow’sche Zeichenschule wurde bereits 1870 als gewerbliche Zeichenschule vom Brandenburger Handwerkerverein gegründet und maßgeblich vom Bildhauer August Julius Wredow gefördert, der 1878 das Schulgebäude am Wredowplatz stiftete. Nach der Liquidierung durch Oberbürgermeister Fritz Lange im Jahr 1947 wurde die Schule erst 1990 als Stiftung wiedergegründet und trägt seit 1996 wieder ihren historischen Namen. Diese Widerstandsfähigkeit in der Vergangenheit unterstreicht die Bedeutung der aktuellen Entscheidung, die als Beginn einer neuen Entwicklungsphase und nicht als Abschluss eines Sparprozesses verstanden wird.
Für die Umsetzung der Reform ist auch die Expertise von Kurator Markus Hilgert von Bedeutung. Der seit dem 1. April 2025 amtierende Präsident der Universität der Künste Berlin war zuvor Direktor des Vorderasiatischen Museums und Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder. Seine Erfahrung im Stiftungsmanagement und in der Kulturförderung fließt nun direkt in die strategische Neuausrichtung der Wredow’schen Zeichenschule ein.
Personalstrategie und Zukunft
Zur Reform gehören auch strukturelle Veränderungen im Personalbereich. Diese Entscheidungen sind allen Beteiligten außerordentlich schwergefallen. Das Kuratorium betont die Notwendigkeit, die Stiftung auch unter veränderten Rahmenbedingungen handlungsfähig zu halten. Der Fokus liegt darauf, die vorhandenen Ressourcen so zu steuern, dass der Kernbetrieb der künstlerischen Bildung langfristig gesichert ist.
„Kultur lebt nicht allein von Gebäuden oder Haushaltsplänen. Sie lebt vor allem von den Menschen, die Verantwortung übernehmen. Deshalb gilt unser besonderer Dank allen Beschäftigten und Ehrenamtlichen, die diese Reform mittragen. Ihr Engagement macht deutlich, dass wir gemeinsam an einem Ziel arbeiten: Die Wredow’sche Zeichenschule dauerhaft als lebendigen Ort der Kunst zu erhalten“, so der stellvertretende Kurator und Oberbürgermeister Daniel Keip. Mit diesem gemeinsamen Willen soll die Schule in eine neue Ära starten, die ihre historische Mission mit den Erfordernissen der Gegenwart verbindet.