Vierhundert Menschen protestieren in Potsdam gegen Klinikschließungen und Sparmaßnahmen von Kanzler Merz

Mindestens 400 Menschen protestierten in Potsdam gegen die Schließung von Krankenhausabteilungen und ein neues Bundessparpaket unter Kanzler Friedrich Merz

Vierhundert Menschen protestieren in Potsdam gegen Klinikschließungen und Sparmaßnahmen von Kanzler Merz
Symbolfoto · Foto: Abdulmomen Bsruki / Unsplash

Mindestens 400 Menschen haben sich in Potsdam versammelt, um gegen massive Einschnitte im Gesundheitswesen und die Schließung wichtiger Krankenhausabteilungen zu protestieren. Unter dem Motto „Hände weg von unserer Gesundheit!“ formierte sich ein breites Bündnis aus der Linken, den Grünen, den Jungsozialisten und der Gewerkschaft Verdi. Auf den Transparenten der Demonstranten waren klare Botschaften zu lesen, die den Erhalt der medizinischen Infrastruktur forderten und Kritik an der aktuellen Gesundheitspolitik übten.

Sofortiger Stopp der Geburtshilfe

Der Protest richtete sich insbesondere gegen die geplanten und bereits vollzogenen Schließungen in den beiden großen Potsdamer Krankenhäusern. Während das Klinikum Ernst von Bergmann angekündigt hat, künftig keine Orthopädie und Gefäßchirurgie mehr anzubieten, muss das Alexianer St. Josefs-Krankenhaus auf die Bereiche Neurologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe verzichten.

Besonders die Schließung der Geburtshilfe am St. Josefs-Krankenhaus sorgte für Empörung, da sie überraschend bereits am 10. Juli 2026 erfolgte – zwei Wochen vor dem ursprünglich für den 31. Juli geplanten Termin. Die Klinik begründete den sofortigen Stopp mit dem fehlenden Personal, das eine sichere Versorgung langfristig nicht mehr gewährleisten könne. Die geburtshilfliche Versorgung soll künftig ausschließlich am Klinikum Ernst von Bergmann als Perinatalzentrum Level I gebündelt werden. Auf den Plakaten der Kundgebung wurde die Bedeutung der Frauengesundheit betont und Kritik an wirtschaftlichen Priorisierungen geübt.

Betroffene Mitarbeiter und Petitionen

Die Konsequenzen der Reformen sind für die Beschäftigten drastisch. Am Alexianer St. Josefs-Krankenhaus sind rund 50 Mitarbeiter von den Schließungen betroffen, davon zwei Drittel Ärzte und Hebammen. Am Klinikum Ernst von Bergmann stehen zwölf ärztliche Stellen auf dem Spiel; droht keine Umplatzierung, müssen die Mitarbeiter entlassen werden.

Gegen die Entscheidungen haben sich zudem zwei Online-Petitionen gebildet. Eine Initiative sammelt Unterschriften für den Erhalt der Geburtshilfe, während eine weitere Petition den Erhalt des Endometriosezentrums fordert. Als Grund für die Schließung der Geburtshilfe führen die Alexianer einen Rückgang der Geburtenzahlen an, um eine Doppelvermeidung zu gewährleisten.

Sparpaket und regionale Folgen

Neben den lokalen Schließungen wandte sich das Bündnis auch gegen das im Juni 2026 von Bundestag und Bundesrat beschlossene Sparpaket für die gesetzlichen Krankenkassen. Die geplanten Kürzungen treffen nicht nur die Institutionen, sondern gehen direkt zu Lasten von Patientinnen und Patienten sowie Arztpraxen.

Die Situation in Potsdam spiegelt ein überregionales Problem wider. In Brandenburg sind aktuell acht von zehn Krankenhäusern defizitär, was die Befürchtung nährt, dass weitere Schließungen in der Region folgen könnten. Bereits für 2027 werden Diskussionen über die Schließung weiterer Einrichtungen, etwa in Wittstock/Dosse, geführt. Das Bündnis fordert daher die Rücknahme der Schließungen und eine Sicherstellung der Versorgung für alle Altersgruppen ohne Verlegungen oder Wartezeiten.