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Tübinger Studentinnen präsentieren eiszeitlichen Schmuck auf der Archäotechnica 2026

Drei Studentinnen der Universität Tübingen präsentieren nachgefertigte Elfenbein‑ und Muschelperlen aus der Eiszeit auf der Archäotechnica 2026 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg

Foto: auf Unsplash

Die Archäotechnica 2026 öffnet am 1. und 2. August im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg ihre Tore. Unter dem diesjährigen Leitthema „Fasern, Kleider, Schmückendes – Mensch und Mode durch die Jahrtausende“ sollen Besucher*innen einen Einblick in die modischen Ausdrucksformen längst vergangener Kulturen erhalten.

Das Museum befindet sich im historischen Paulikloster, einem ehemaligen Kloster aus dem 13. Jahrhundert, das heute rund 10 000 Funde aus über 130 000 Jahren regionaler Kulturgeschichte beherbergt. Die Dauerausstellung bietet damit den idealen Rahmen für die Archäotechnica, die seit ihrer Gründung zu einer festen Größe im kulturellen Kalender der Region geworden ist.

Neben einer umfangreichen Ausstellung gibt es Mitmach‑Stationen, an denen Besucher*innen alte Handwerkstechniken ausprobieren können, eine Modenschau, die rekonstruierten Schmuck in Szene setzt, und ein kulinarisches Angebot, das das Thema „Mode und Alltag“ spielerisch aufgreift.

Im Fokus der diesjährigen Veranstaltung stehen drei Studentinnen der Universität Tübingen, die im Rahmen ihrer Lehrveranstaltungen intensiv an eiszeitlichem Schmuck geforscht haben. Alina‑Lea Vuković, Shuqin Guo und Anne Lühr präsentieren selbst hergestellte Repliken von Elfenbeinperlen, Zahn‑ und Muschelanhängern und geben Einblicke in die Fertigungsprozesse.

Die Präsentatorinnen aus Tübingen

Alina‑Lea Vuković studiert Ältere Urgeschichte und Quartärökologie und hat sich im Rahmen ihrer Seminararbeit auf die Rekonstruktion von Elfenbeinperlen spezialisiert. Mit Hilfe von Flintbohrern und feinen Schleiftechniken hat sie die filigranen Techniken nachgeahmt, die vor rund 42 000 Jahren in den Höhlen des Ach‑ und Lonetals auf der Schwäbischen Alb angewendet wurden.

Shuqin Guo konzentriert sich auf Schmuck aus Tierzähnen und Muscheln. Ihre Experimente zeigen, wie aus rohen Materialien robuste, aber zugleich zierliche Anhänger gefertigt werden konnten. Dabei nutzt sie traditionelle Steinwerkzeuge, um die feinen Bohrungen und Gravuren zu erzeugen, die für die damalige Schmuckherstellung charakteristisch waren.

Anne Lühr ergänzt das Team durch ihre Expertise in der sozialen Bedeutung von Schmuck. In ihren Studien untersucht sie, wie solche Zierelemente als Ausdruck von Gruppenidentität und sozialem Status dienten. In der Archäotechnica erklärt sie, welche Botschaften die prähistorischen Träger*innen mit ihren Schmuckstücken vermitteln wollten.

Historischer Kontext und experimentelle Forschung

Die Elfenbeinperlen, die die Studentinnen nachgefertigt haben, basieren auf Funden aus den Höhlen des Ach‑ und Lonetals auf der Schwäbischen Alb. Diese Perlen sind bis zu 42 000 Jahre alt und gelten als weltweit ältester Nachweis für systematische Perlenherstellung. Forschungen, unter anderem von Nicholas Conard, haben gezeigt, dass diese Schmuckstücke bereits vor zehntausenden von Jahren als Symbol für Gruppenidentität genutzt wurden.

Im Rahmen der experimentellen Archäologie haben die Tübingerinnen die originalen Fertigungstechniken mit Steinwerkzeugen nachgeahmt. Mit Flintbohrern, die ähnlich wie die prähistorischen Werkzeuge funktionieren, wurden Löcher in Elfenbein, Zähne und Muscheln gebohrt. Anschließend wurden die Perlen und Anhänger von Hand gefädelt und poliert, um die ursprüngliche Optik möglichst genau zu reproduzieren.

Das Archäologische Landesmuseum und das Paulikloster

Das Archäologische Landesmuseum Brandenburg ist im ehemaligen Paulikloster untergebracht, einem Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert, das im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgenutzt wurde. Heute dient es als zentrale Anlaufstelle für die Präsentation regionaler archäologischer Funde und bietet in seiner Dauerausstellung einen umfassenden Überblick über die kulturelle Entwicklung von der Altsteinzeit bis zur Gegenwart.

Durch die Verbindung von historischer Bausubstanz und moderner Ausstellungstechnik schafft das Museum einen einzigartigen Rahmen, in dem die Archäotechnica ihre Besucher*innen nicht nur informiert, sondern auch erlebbar macht.

Die Archäotechnica 2026 ist von 10 bis 17 Uhr an den beiden Tagen geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro für Erwachsene, 3,50 Euro ermäßigt, Kinder unter 10 Jahren haben freien Eintritt, und ein Familienticket kostet 10 Euro. Das Archäologische Landesmuseum Brandenburg, Neustädtische Heidestraße 28, 14776 Brandenburg an der Havel, freut sich auf zahlreiche Besucher*innen, die gemeinsam mit den Tübingerinnen in die Welt des eiszeitlichen Schmucks eintauchen möchten.