Straßenbahnmuseum in Brandenburg droht Abriss
Das Straßenbahnmuseum in Brandenburg an der Havel droht wegen geplanter Bauarbeiten für einen Flanierweg an der Kanalbrücke zu schließen, während die Betreiber verzweifelt nach einem neuen Standort suchen
Im Herzen von Brandenburg an der Havel, direkt in der Bauhofstraße, steht ein Gebäude, das für viele Besucher ein Fenster in die Geschichte ist. Doch die Zukunft des Straßenbahnmuseums ist derzeit ungewiss. Was bisher als ruhiger Rückzugsort für Modelleisenbahn-Enthusiasten und Geschichtsfans diente, könnte aufgrund geplanter städtebaulicher Maßnahmen bald der Vergangenheit angehören. Die Sorge um den Fortbestand der Ausstellung wächst, denn genau dort, wo das zweigeschossige Gebäude derzeit noch steht, ist ein neuer Flanierweg geplant, der unter der Kanalbrücke weitergeführt werden soll.
Die Eigentümer der Immobilie sind die Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel GmbH (VBBr), doch den Betrieb der Ausstellung führt die Interessengemeinschaft Eisenbahn-Modelleisenbahn. In den Räumlichkeiten, die früher als Büros und Schalträume dienten, haben die Betreiber eine eindrucksvolle Sammlung zusammengestellt. Besucher finden dort zahlreiche historische Fotos, Uniformen und Exponate aus alten Straßenbahnen. Besonders imposant ist der vordere Teil einer historischen Gotha-Bahn, während der hintere Teil des Fahrzeugs im Inneren des Gebäudes untergebracht ist. Zudem wird in einer großen Vitrine der Nachbau eines Lindner-Triebwagens aus dem Jahr 1912 gezeigt, der heute als Traditionsfahrzeug durch die Stadt verkehrt.
Ein Jubiläum ohne gesicherten Standort
Die Geschichte des Museums ist eng mit der Stadt verbunden. Am 18. Oktober 2002 wurde es mit Unterstützung der Box-Legende Henry Maske wiedereröffnet. Da die Eröffnung 2002 stattfand, steht im kommenden Jahr, 2027, ein bedeutendes Jubiläum an. Doch die Feiern könnten von einer unsicheren Zukunft überschattet werden. Das Problem liegt in der aktuellen Nutzung des Gebäudes: Im Erdgeschoss ist das Umspannwerk der Verkehrsbetriebe untergebracht. Die Verlegung dieses technischen Zentrums zum Trauerberg ist längst geplant, was den Weg für den Abriss des Gebäudes freimacht.
Dieser Abriss ist Teil eines größeren Projekts: dem Ersatzneubau der Kanalbrücke. Die Brücke, die 1928 errichtet wurde, weist einen kritischen Zustand auf, der den vollständigen Neubau rechtfertigt. Die Baumaßnahme umfasst eine Ausbaulänge von rund 210 Metern in der Bauhofstraße und soll einen attraktiven Flanierweg entlang des Stadtkanals schaffen. Ein weiterer Aspekt, der den Abriss vorantreibt, ist die geplante Zahnklinik der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) im alten E-Werk. Auch diese Einrichtung würde von einem freien Blick auf den Stadtkanal profitieren, falls das Museum weichen müsste.
Suche nach einer neuen Bleibe
Die Verantwortlichen suchen verzweifelt nach einer Lösung, um die Sammlung zu erhalten. Die Idee, in das Industriemuseum einzuziehen, wurde bereits diskutiert, doch müsste das dortige Gebäude baulich erweitert werden. Das größte Hindernis ist jedoch die Finanzierung: Eine solche Erweiterung kostet Geld, das derzeit nicht vorhanden ist.
Eine weitere Möglichkeit wäre der Umzug an den Rand des Betriebshofes in Hohenstücken. Doch auch dieser Schritt würde erhebliche finanzielle Mittel erfordern. Für Jörg Schulze, den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft, und sein Team steht fest, dass ein neuer Standort zwei entscheidende Kriterien erfüllen muss: Er muss sich im Bereich von Straßenbahnschienen befinden und idealerweise zentral gelegen sein, um die Besucherzahlen nicht zu gefährden. Ohne diese Voraussetzungen wäre der Betrieb des Museums kaum noch sinnvoll möglich.
Die Öffnungszeiten des Museums – donnerstags und samstags von 10 bis 16 Uhr – könnten sich demnach bald als die letzten ihrer Art erweisen, wenn keine schnelle Einigung über einen neuen Standort und die nötigen Finanzmittel gefunden wird. Während die Stadtplanung an der Modernisierung der Infrastruktur arbeitet, bleibt für das Straßenbahnmuseum die Frage offen: Wie lange noch?