Fünfter CSD in Brandenburg trotz Hasskriminalität

Trotz steigender Hasskriminalität und rechter Gegenmobilisierung fand der fünfte CSD in Brandenburg an der Havel unter dem Motto „Branne bleibt bunt" statt

Regenbogenfahnen wehten am Hauptbahnhof, Musik dröhnte aus den Boxen und ein Moderator mit Mikrofon bereitete die Stimmung vor. Ein Sprecher eröffnete am Samstag, 18. Juli, um 14 Uhr den Christopher Street Day (CSD) in Brandenburg an der Havel. Der Demonstrationszug bewegte sich durch die Innenstadt, machte einen Zwischenstopp auf dem Neustädtischen Markt und endete mit einer Abschlusskundgebung am Springbrunnen vor dem Marienberg. Mit diesem Event feierte die queere Szene den fünften CSD in Folge und den sechsten insgesamt, seit die Veranstaltung nach einer längeren Pause 2025 von der „BranneBande“ wiederbelebt wurde. Das Motto in diesem Jahr war klar: „Branne bleibt bunt.“

Widerstand gegen steigende Hasskriminalität

Das lokale Bündnis hatte in seinem Aufruf betont, dass man sich nicht einschüchtern lasse. Dass dieser Satz weiterhin eine bittere Notwendigkeit darstellt, unterstrich Dylan Loleit von der Initiative „Havel der Vielfalt“ bei der Startkundgebung mit harten Fakten. Laut dem Bundeskriminalamt ist die Hasskriminalität gegen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Vielfalt bundesweit von 2024 auf 2025 von 2917 auf 3364 Fälle gestiegen – ein Anstieg von über 15 Prozent.

Dieser bedrohliche Trend wird durch aktuelle Vorfälle in der Region untermauert. Nur zwei Wochen vor dem CSD in Brandenburg an der Havel, am 3. Juli 2026, gab es in Cottbus einen rechtsextremen Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt „Zelle 79“ und den Jugendclub „Chekov“. Die Täter richteten ihre Tat gegen die dort gezeigten Regenbogenflaggen und CSD-Plakate; die Polizei ermittelt derzeit wegen versuchten Mordes. Ebenfalls am 3. Juli mobilisierten rund zwei Dutzend Neonazis der Gruppe „Deutschen Patrioten voran“ (DPV) zu einer Gegendemonstration gegen den CSD in Müncheberg. Auch Funktionäre der brandenburgischen AfD nahmen an diesem Aufmarsch teil. Diese Ereignisse machten den Rednerinnen und Rednern deutlich, wie wichtig eine lautstarke Präsenz vor Ort ist.

Forderungen und politische Statements

Oberbürgermeister Daniel Keip, der die Regenbogenflagge bereits im Mai zum Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (IDAHOBIT) gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten am Altstädtischen Rathaus gehisst hatte, konnte am Samstag nicht persönlich erscheinen. Dylan Loleit richtete dennoch seine Grüße stellvertretend aus: Der Oberbürgermeister wünsche der Veranstaltung alles Gute.

Die weiteren Redebeiträge konzentrierten sich auf drängende politische und soziale Themen. Gefordert wurde eine engere Vernetzung mit der queeren Szene in Berlin, um Ressourcen und Sichtbarkeit zu bündeln. Auch die drohenden Kürzungen bei der geschlechtsangleichenden Gesundheitsversorgung sowie die Notwendigkeit sicherer Räume für queere Jugendliche in der Stadt standen im Fokus. Kritisch wurde zudem angemerkt, dass die Sichtbarkeit für queere Menschen bei manchen Unternehmen und Parteien oft nur als PR-Maßnahme diene, ohne echte Unterstützung im Alltag zu bieten.

Als positives Signal für die Zukunft wurde die Eröffnung eines neuen Queer-Cafés durch das „Café Contact“ angekündigt, das im Herbst 2026 in Brandenburg an der Havel seine Pforten öffnen soll. Das Bündnis „Havel der Vielfalt“, das 2026 erstmals als Kooperationspartner an der Organisation beteiligt ist, fordert zudem barrierefreie Zugänge zu queeren Räumen sowie eine Überarbeitung des Selbstbestimmungsgesetzes. Dabei soll der Fokus darauf liegen, Betroffene und Expert*innen einzubeziehen, statt Gesetze über ihre Köpfe hinweg zu beschließen.

„Die bessere Zukunft ist jetzt“

Am Marienberg übernahm Dr. Katarzyna Wojcik, Gleichstellungsbeauftragte der Technischen Hochschule Brandenburg (THB), das Wort für die Abschlussrede. Sie erinnerte an den langen und oft beschwerlichen Weg zu Freiheit und Respekt, den frühere Generationen erkämpft hatten. Sie betonte, dass die Sichtbarkeit der queeren Community laut und bunt bleiben muss – in Brandenburg an der Havel und überall anderswo.

Landesweit fanden im Jahr 2026 insgesamt 26 CSD- und Pride-Veranstaltungen in Brandenburg statt, was die wachsende Bedeutung dieser Bewegung in der Region unterstreicht.