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Potsdamer Gedenkstätte Lindenstraße bietet ab Juli erstmals telefonische Führungen an

Die Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam bietet ab Juli erstmals telefonische Führungen für Menschen mit Sehbehinderung oder Mobilitätseinschränkungen an

Ab Juli 2026 öffnet die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam ihre Türen auf eine neue Weise: Menschen, die die historische Stätte nicht vor Ort besuchen können, erhalten nun die Möglichkeit, an einer telefonischen Führung teilzunehmen. Das Angebot „Bei Anruf Kultur" findet erstmals am 12. Juli von 15 bis 16 Uhr statt und richtet sich insbesondere an Besucherinnen und Besucher mit Sehbehinderung oder eingeschränkter Mobilität. Die Führung wird von Christine Jeep geleitet und ist kostenfrei; eine Anmeldung ist über die Projektseite erforderlich.

Ein Gebäude mit bewegter Geschichte

Die Gedenkstätte befindet sich im Potsdamer Stadtzentrum in einem eindrucksvollen historischen Komplex, der aus zwei unterschiedlichen Bauteilen besteht. Zum einen ist dies das 1734 bis 1737 erbaute barocke „Große Holländische Haus", das ab 1820 als Stadtgericht diente, und zum anderen der im frühen 20. Jahrhundert errichtete Gefängnistrakt. Wie Wikipedia ausführt, nutzt die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße diesen Ort, um an die politische Verfolgung in verschiedenen Epochen zu erinnern: von der NS-Diktatur über die sowjetische Besatzungszeit bis hin zur DDR.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft war das Haus unter anderem Schauplatz von Zwangssterilisationen durch das Erbgesundheitsgericht. In der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone diente es von 1945 bis 1953 als Untersuchungsgefängnis des NKWD/MGB. Ab 1953 wurde es zum MfS-Untersuchungsgefängnis der DDR umfunktioniert. In dieser Phase waren zwischen 6.000 und 7.000 Personen in den Zellen der Lindenstraße inhaftiert, wie die Webseite der Stiftung belegt. Nach der Friedlichen Revolution 1989/90 entwickelte sich der Ort zum „Haus der Demokratie" und wurde 2007 offiziell als Gedenkstätte etabliert. Die Stiftung selbst wurde 2015 von der Landeshauptstadt Potsdam gegründet, nachdem die Einrichtung bereits seit 1995 als Gedenkstätte fungierte, so die Angaben der Landeshauptstadt Potsdam.

Barrierefreier Zugang zur Erinnerung

Die telefonische Führung beschreibt den historischen Gebäudekomplex und erläutert die Kontexte der Verfolgung sowie die Schicksale der hier Inhaftierten. Durch das Format „Bei Anruf Kultur" wird ein niedrigschwelliger Zugang zur Geschichte ermöglicht, der physische Barrieren überwindet. Das Projekt ist Teil einer bundesweiten Initiative, die derzeit über 140 Museen, Gedenkstätten und Galerien umfasst.

Das Angebot in Potsdam wird vom Museumsverband des Landes Brandenburg unterstützt. Christine Jeep fungiert dabei als Guide und vermittelt die komplexen historischen Zusammenhänge direkt über das Telefon. Die Führung bietet somit nicht nur einen Einblick in die Architektur des ehemaligen Gerichts- und Gefängnisgebäudes, sondern auch in die menschlichen Schicksale, die mit diesem Ort verbunden sind. Interessierte können sich ab sofort für den Termin am 12. Juli anmelden und so die Geschichte der Lindenstraße auf einem neuen Weg entdecken.