Polizei Cottbus ermittelt nach Nazi-Parolen und Zerstörung von Regenbogenfahne

Die Polizei Cottbus ermittelt nach einer Serie rechter Angriffe, die von Nazi-Parolen bei einem Stadtteilfest bis zur Zerstörung einer Regenbogenfahne reichen. Auch der Verdacht auf die Beteiligung von Minderjährigen wird geprüft

Die Polizei Cottbus ermittelt erneut wegen mutmaßlich rechter Straftaten. Nach einer Serie von Angriffen in den vergangenen Wochen, die die Stadt in Aufregung versetzten, konzentrieren sich die Behörden nun auf Vorfälle, bei denen Nazi-Parolen gerufen und verbotene Symbole aufgetragen wurden. Die Ermittlungen zeigen, dass auch Minderjährige in die Tatverdächtigungen verwickelt sein könnten.

Am Freitagabend kam es bei Aufbauarbeiten zu einem Stadtteilfest in Cottbus-Sandow zu einem eklatanten Vorfall. Aus einer Gruppe heraus wurden laut Polizeiangaben Rufe wie „Sieg Heil“ und „Deutschland den Deutschen“ laut. Die Beamten reagierten sofort: Gegen die Beteiligten wurden Platzverweise ausgesprochen und formelle Strafverfahren eingeleitet. Ob bei den Verdächtigen auch Jugendliche waren, konnte ein Sprecher der Polizeidirektion Süd zunächst nicht abschließend bestätigen, teils seien jedoch Minderjährige in der Gruppe gewesen.

Zerstörte Symbole und Graffiti

Die Gewalt und Hetze beschränkten sich nicht auf die Parolen. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde in der Spremberger Vorstadt eine Regenbogenfahne, die außen an einem Mehrfamilienhaus hing, aus dem Fensterrahmen gerissen und anschließend zerrissen. Ein weiterer Vorfall ereignete sich in Spremberg, wo an der Rückwand einer Garage der örtlichen Kirche ein schwarzes Hakenkreuz entdeckt wurde. Das verbotene Symbol war mit einem Filzstift aufgetragen worden und maß laut Polizei 50 mal 50 Zentimeter.

Diese Vorfälle sind Teil einer besorgniserregenden Serie, die seit April 2026 in Cottbus auftritt. Bereits im April waren die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden, nachdem an der Synagoge in der Innenstadt ein Hakenkreuz und antisemitische Schriftzüge gefunden wurden. Seitdem registrierten die Behörden elf mutmaßlich rechtsextreme Straftaten, darunter Angriffe auf das alternative Hausprojekt „WK51“ und das Auftragen von „NS-Kiez“-Graffiti im Juni.

Ermittlungen wegen versuchten Mordes

Der Höhepunkt dieser Welle rechter Gewalt ereignete sich in der Nacht zum 2. Juli 2026. Unbekannte verübten einen Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt „Zelle 79“ und den nahegelegenen Club „Chekov“. Die Tat geschah während der CSD-Aktionswochen. Aufgrund der Schwere des Vorfalls und der Gefahr für Menschenleben ermitteln Staatsschutz und Mordkommission seit Anfang Juli wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Die Polizei geht von zwei Tätern aus, die aus dem rechtsextremistischen Spektrum stammen.

Zusätzlich prüften die Ermittler eine versuchte Brandstiftung an einem weiteren Club sowie die Zerstörung einer Scheibe an einem Grünen-Büro, die wenig später erfolgte. Auch bei einem weiteren Vorfall im Juni, bei dem SS-Runen und Hakenkreuze in Sachsendorf angebracht wurden, konnte die Polizei drei Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren festnehmen.

Anstieg der antisemitischen Vorfälle

Die Zahlen der Fachstelle Antisemitismus unterstreichen die besorgniserregende Entwicklung. Im Monitoringbericht für das Jahr 2025 verzeichnete die Einrichtung in der kreisfreien Stadt Cottbus einen drastischen Anstieg der Vorfälle. Die Zahl der registrierten Fälle hatte sich von 21 im Vorjahr auf 57 mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: In der Landeshauptstadt Potsdam wurden im selben Zeitraum 53 Vorfälle erfasst.

Als Reaktion auf die eskalierende Lage hatte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) vor Monaten bereits vor einer Radikalisierung von Jugendlichen über das Internet gewarnt. Nach den Vorfällen an der Synagoge im April 2026 wurde eine spezialisierte Ermittlungsgruppe eingerichtet, um die Strukturen hinter den Angriffen aufzuklären. Redmann verurteilte die Anschläge scharf und bestätigte, dass die Sicherheitsmaßnahmen in der Region verstärkt wurden. Trotz der Bemühungen lokaler Netzwerke, die sich gegen Rechts engagieren, bleibt die Lage in Cottbus angespannt.