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Notfallseelsorge in Brandenburg an der Havel sucht dringend neue Ehrenamtliche

In Brandenburg an der Havel sucht das Team der Notfallseelsorge unter der Leitung von Sina Wienarick dringend neue Ehrenamtliche, um Menschen in akuten Krisensituationen beizustehen. Die Einsatzkräfte werden über die Leitstelle alarmiert und begleiten Angehörige sowie Betroffene nach Großschadenslagen, Unfällen oder plötzlichen Todesfällen vor Ort. Mit einer lilafarbenen Jacke erkennbar, bieten sie menschliche Nähe und emotionale Stabilität, wenn medizinische und technische Hilfe allein nicht ausreichen. Interessierte können sich über die Feuerwehr Katastrophenschutz in der Fontanestraße oder per E-Mail an das Amt für Katastrophenschutz melden.

Sina Wienarick: Hilfe im Moment des Ausnahmezustands

Brandenburg an der Havel steht vor der Herausforderung, in akuten Krisensituationen Menschen beizustehen, wenn sich das Leben schlagartig verändert. Ob bei Großschadenslagen, Unfällen oder plötzlichen Todesfällen: Mitten in solchen Ausnahmesituationen gibt es Menschen, die nicht mit Blaulicht, Schläuchen oder Absperrbändern kommen, sondern mit etwas, das in solchen Momenten ebenso unverzichtbar ist: menschlicher Nähe, Ruhe und Halt. Eine von ihnen ist Sina Wienarick aus Marzahne. Sie ist stellvertretende Teamleiterin der Notfallseelsorge in Brandenburg an der Havel und beschreibt ihr Ehrenamt nicht als Aufgabe, sondern als Haltung: da sein, zuhören, aushalten, mittragen.

Präsenz im Chaos

Die Notfallseelsorge kommt nicht irgendwann später, sondern dorthin, wo das Schlimmste gerade geschehen ist: nach einem Suizid, einer erfolglosen Reanimation, plötzlichen Todesnachrichten oder Unfällen, in denen Angehörige ohne Orientierung zurückbleiben. Der Leitsatz der Einsatzkräfte lautet, dass sie nur für die Betroffenen da sind und so lange bleiben, wie diese sie brauchen. Dieser Ansatz ist für Sina Wienarick ganz entscheidend. Er ist ein Versprechen an Menschen, die in ihrer dunkelsten Stunde nicht mehr wissen, wohin mit ihren Gedanken, ihrer Angst oder ihrem Schmerz. Gerade in den vergangenen Tagen wurde sichtbar, wie groß der Bedarf an dieser Art von Hilfe ist. Wenn Straßen gesperrt sind, Rettungskräfte stundenlang arbeiten und Familien plötzlich mit Verletzungen oder Tod konfrontiert sind, dann braucht es nicht nur medizinische und technische Soforthilfe. Es braucht jemanden, der den emotionalen Raum hält, wenn alles andere auseinanderzufallen droht.

Am Einsatzort sind die Einsatzkräfte der Notfallseelsorge klar erkennbar: Sie tragen eine lilafarbene Einsatzjacke, ein bundesweit einheitliches Kennzeichen, das sie von anderen Hilfskräften unterscheidet. Oft haben sie zudem einen blauen Rucksack dabei. Darin befindet sich, was in solchen Momenten Halt geben kann: kleine Bücher und Texte, eine Kerze, ein Engel, Stifte zum Aufschreiben von Gedanken, Steine, Kuscheltiere für Kinder, Traubenzucker gegen den ersten Schock sowie Taschentücher. Es sind einfache Gegenstände – und doch können sie in Ausnahmesituationen eine wichtige Brücke sein, wenn Worte allein nicht ausreichen.

Das Team und die Belastung

Sina Wienarick beschreibt die Arbeit mit einer Mischung aus Klarheit und Wärme. Sie spricht offen darüber, dass Einsätze vier Stunden dauern können, manchmal länger, und dass nicht die große Rede zählt, sondern das verlässliche Dasein. Sie spricht auch darüber, dass sie dabei selbst nicht unberührt bleibt. Tränen gehören dazu, gerade wenn Kinder betroffen sind oder wenn der Schmerz einer Familie besonders nah an das eigene Leben rückt. Die meisten Ehrenamtlichen in der Notfallseelsorge – auch Sina Wienarick – stehen mitten im Berufsleben und arbeiten in Vollzeit. Wer zu einem Einsatz fährt, entscheidet sich deshalb oft kurzfristig: Über einen Pieper, ähnlich wie bei der Feuerwehr, werden die Kräfte alarmiert, dann wird geschaut, wer gerade verfügbar ist.

Dass dieses System funktioniert, hat viel mit Rückhalt im privaten Umfeld zu tun. Ohne das Verständnis der Familie sei die Arbeit nicht möglich, so Wienarick. Ihr Mann engagiert sich selbst bei der Feuerwehr – beide wissen, was es bedeutet, jederzeit loszumüssen. Gleichzeitig ist es für die Notfallseelsorger essenziell, das Erlebte nicht mit nach Hause zu tragen, ohne es aufzuarbeiten. Deshalb gibt es im Team regelmäßige Supervisionen, in denen Einsätze besprochen werden können. Hier ist Raum für alles, was belastet.

Weg zur Hilfe und Suche nach Verstärkung

Sina Wienarick kam vor einigen Jahren durch eine Fernsehdokumentation auf diese Aufgabe. Heute arbeitet sie in einem Team, das dringend Verstärkung sucht. Denn die Einsätze kommen nicht planbar, häufig auch vormittags, und das Team ist aktuell noch klein. Umso wichtiger sind Menschen, die bereit sind, sich auf Ausbildung, Supervision, Bereitschaftsdienst und die Belastung solcher Situationen einzulassen. Wer sich dafür interessiert, merkt: Hier geht es um Präsenz. Um eine ruhige Stimme. Um ein Gegenüber, das bleibt, wenn andere nur noch funktionieren müssen.

Wer sich in der Notfallseelsorge engagieren möchte, kann sich per E-Mail an katastrophenschutz@stadt-brandenburg.de wenden oder schriftlich an: Feuerwehr Katastrophenschutz, Fontanestraße 1, 14770 Brandenburg an der Havel. Wichtig ist auch zu wissen: Die Notfallseelsorge wird nicht direkt von Betroffenen selbst alarmiert, sondern in der Regel über Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei angefordert. Die Alarmierung läuft über die Leitstelle. Wenn es um einen akuten Notfall geht, gilt daher zuerst: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Für Brandenburg an der Havel ist außerdem ein direkter Notfallkontakt der Notfallseelsorge veröffentlicht: 01525 812 66 02.

Vielleicht ist genau das eine der stärksten Botschaften dieser Tage in Brandenburg an der Havel: Dass es neben Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei auch jene braucht, die das Unsichtbare tragen – die Angst, den Schock, die Leere nach dem ersten Schrecken.