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Magdeburg verlegt am 1. und 2. Juli 36 neue Stolpersteine für jüdische Opfer

Am 1. und 2. Juli werden in Magdeburg 36 neue Stolpersteine verlegt, womit das Gedenknetz auf über 875 Steine anwächst

Verlegungstermine und Ablauf

Am 1. und 2. Juli 2026 werden in Magdeburg insgesamt 36 neue Stolpersteine verlegt. Die Verlegung ist die 47. Aktion des städtischen Stolperstein‑Programms und wird wegen der hohen Stückzahl auf zwei Tage verteilt. Beginn ist jeweils um 10 Uhr, und Interessierte sind eingeladen, an den Verlegungen teilzunehmen.

Die kleinen Betonblöcke messen 10 × 10 cm und tragen eine Messingplatte, auf der Name, Geburtsjahr, Schicksal und – falls bekannt – der Deportationsort des Opfers eingraviert ist. Sie werden vor den ehemaligen Wohnhäusern oder Wirkungsstätten der Verstorbenen in das Kopfsteinpflaster eingelassen. In diesem Jahr erinnern die neuen Steine ausschließlich an Magdeburger jüdischen Glaubens, die nach 1933 verfolgt, deportiert oder ermordet wurden.

Durch die diesjährige Aktion steigt die Zahl der Stolpersteine in Magdeburg auf über 875. Damit gehören sie zu den dichtesten Gedenknetzen in Deutschland. Bisher konnten rund 900 Steine allein durch Spenden aus der Bürgerschaft finanziert werden.

Finanzierung und Unterstützer

Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über Bürger‑spenden. Ein einzelner Stolperstein kostet 120 Euro, das zugehörige Gedenkblatt einer Familie kostet zusätzlich 35 Euro. Alle Einnahmen fließen in die Herstellung neuer Steine und die Pflege des bestehenden Gedenknetzes.

Historischer Hintergrund

Das Stolperstein‑Projekt in Magdeburg begann am 18. März 2007, als Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper den ersten Stein für den ehemaligen Bürgermeister Herbert Goldschmidt einweihte. Seitdem wird das Projekt von einer ehrenamtlichen Arbeitsgruppe „Stolpersteine für Magdeburg“ koordiniert, die die Auswahl der Opfer, die Terminplanung und die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt.

Der Initiator der Stolpersteine ist der Kölner Künstler Gunter Demnig, geboren am 27. Oktober 1947. 1996 startete er das Projekt in Berlin, und seitdem wurden weltweit über 100 000 Steine in 31 Ländern verlegt. Für sein Lebenswerk erhielt er 2005 das Bundesverdienstkreuz.

Opfer und Gedenkort

Im Nationalsozialismus fielen in Magdeburg 1 521 Menschen jüdischen Glaubens, darunter 287 Kinder. Nur 83 überlebten den Holocaust. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Stolpersteine als persönliches Erinnerungszeichen an das Schicksal einzelner Familien.

Ein weiterer zentraler Gedenkort ist das Holocaust‑Mahnmal am ehemaligen Synagogenplatz, das an die insgesamt 1 521 ermordeten Magdeburger Juden erinnert. Das Mahnmal ergänzt das dezentrale Netzwerk der Stolpersteine und bietet einen Ort für kollektive Gedenkveranstaltungen.

Die digitale Begleitung des Projekts wird durch die App „Stolpersteine digital“ ermöglicht. Sie erkennt die GPS‑Koordinaten der Steine und liefert vollständige Biografien der Opfer. In Magdeburg sind damit etwa 860 Personen dokumentiert, und die App wird häufig in Schulen für Geschichtsprojekte eingesetzt.

Die Arbeitsgruppe „Stolpersteine für Magdeburg“ besteht aus ehrenamtlichen Mitgliedern, die die Verlegungen organisieren, Spenden koordinieren und Interessierte über Termine informieren. Sie bedanken sich bei allen Unterstützern und rufen zu weiteren Spenden auf, um künftige Verlegungen zu sichern.

Alle, die an den Verlegungen teilnehmen oder das Projekt finanziell unterstützen möchten, erhalten im Vorfeld Informationen und Einladungen von der Stadtverwaltung. Die Stolpersteine bleiben ein lebendiges Mahnmal, das die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in den Alltag der Stadtträger einbettet.